Wohnen im Kreis Steinfurt „Einfamilienhaus hat ausgedient“

Kreis Steinfurt -

Sehr gut besucht war ein Symposium zum Thema „Bezahlbares und gutes Wohnen im Kreis Steinfurt“ in Greven. Die Teilnehmer waren schon überrascht - zukünftig sollen Einfamilienhäuser eine eher untergeordnete Rolle spielen.

Von Günter Benning
Moderatorin Elke Frauns mit den Professoren Jan Polivka (r.) und Oliver Hall (M.) im Grevener Ballenlager.
Moderatorin Elke Frauns mit den Professoren Jan Polivka (r.) und Oliver Hall (M.) im Grevener Ballenlager. Foto: Günter Benning

Im Grevener Ballenlager saßen am Mittwochabend nicht nur Lokalpolitiker aus den Planungsausschüssen der Gemeinden. Sondern auch zahlreiche Architekten und Immobilienmakler, für die es harter Tobak gewesen sein muss, was Professor Oliver Hall von der Hochschule OWL zusammenfasste: „Das Einfamilienhaus hat ausgedient.“

Jedenfalls dann, wenn man das Thema „Bezahlbares und gutes Wohnen“, um das es bei diesem Symposium des Kreises Steinfurt ging, nicht nur aufs Finanzielle reduzierte.

Wohnen, erklärte Hall, müsse man ganzheitlich betrachten. Und das heiße konkret: Nicht nur immer mehr Flächen zur Verfügung stellen, sondern Wohn-Quartiere planen, die für alles gut sind. Zum Wohnen aller Generationen, zur Nahversorgung, zum Arbeiten.

Dass das geht, hat der Architekt in der Siedlung Buchheimer Weg in Köln gezeigt. Aus plattenbauähnlichen Wohnsilos der 50er Jahre wurde durch Neubau ein Viertel mit Plätzen, Aufenthaltsräumen, seniorengerechten Wohnungen im Erdgeschoss und kleinen Gärten. Und das zu den Preisen des sozialen Wohnungsbaus.

Auf die Frage einer Lokalpolitikern, ob man sich das auch in der Einfamilienhaus-Welt der Landkommunen denken könne, antwortete er: „Ich behaupte, alle Quartiere haben Möglichkeiten dazu.“

Sein Kollege Prof. Dr. Jan Polivka von der RWTH Aachen schärfte noch einen weiteren Punkt: „Wenn wir nachfrageorientiert Flächen anbieten, müssen wir fragen, welche Nachfrage das ist.“ Es könne ja auch einfach das Interesse von Investoren sein, die ihr Geld sinnvoll anlegen müssen. Polivka plädierte dafür, den Bedarf der Wohnungssuchenden abzufragen. Zuvor hatte er darauf verwiesen, dass demografischer Wandel und Wanderung den Wohnungsmarkt umtreibe. „In Düsseldorf“, wies er auf die Spekulation mit Wohnungen hin, „werden über 40 Prozent der Neubauwohnungen an internationale Eigentümer veräußert.“

Seit den 80er Jahren, so Polivka, habe sich die Politik aus der Förderung des Mietwohnungsbaus verabschiedet. Die Förderung von Wohn-Objekten sei der Förderung von Subjekten gewichen, also den Häuslebauern. Das führe zum klassischen Einfamilienhausbau.

Und zu einer Lage, die der Leiter des Kreis-Bauamtes Lorenz Rustige an wenigen Zahlen darstellte: „Von 2017 bis 2035 verringert sich die Zahl der geförderten Wohnungen mit Mietpreisbindung im Kreis von 8906 auf 4700.“ Und daran ändern auch beispielhafte Projekte nichts, wie er sie etwa in Rheine lobte. Dank der Konversion dort kann die Stadt 300 Wohnungen mit öffentlicher Förderung an den Markt bringen. Dass die Welt auch anders aussehen kann, zeigte er am Beispiel Wiens, wo 33 Prozent der Wohnungen in städtischer Hand sind und 26 Prozent gemeinnützigen Wohnungsgesellschaften gehören. Von deren günstigen Mieten profitieren 500 000 Mieter.

Rustiges Rezepte: Nahverdichtung, Wohnraum über Kitas und Discountern. Und mehr Wohnbauförderung. Der Kreis habe immerhin in zehn Jahren 264 Millionen Euro für 3644 Wohnungen gewinnen können.

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