Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Unternehmer „Der Mann soll wenigstens hinter Gitter“

Greven -

Sie hoffen auf einen Verhandlungstermin im Frühjahr, jene Betrogene, die einem Unternehmer auf den Leim gegangen waren und sich angesichts – aus ihrer Sicht – schleppender Ermittlungen hilfesuchend an diese Redaktion gewandt hatten. Nun haben sie erfahren, dass die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Grevener Unternehmer erhebt, der in seinem Freundeskreis hohe Geldbeträge eingesammelt haben und noch viele höhere Gewinne in Aussicht gestellt haben soll (unsere Zeitung berichtete).

Von Oliver Hengst
Der Unternehmer versprach seinen „Freunden“ hohe Gewinne, die aber nicht flossen.
Der Unternehmer versprach seinen „Freunden“ hohe Gewinne, die aber nicht flossen. Foto: dpa/Andrea Warnecke

Diese Gewinne jedoch flossen nie. Es soll, so berichten die Opfer, um insgesamt rund 170 000 Euro gehen. 45 000 Euro haben sie – nach massivem Drängen – zurückerhalten. Der Rest: verschwunden. Die Masche: Der Unternehmer wollte Immobilien kaufen, sanieren und teuer weiterverkaufen.

Nach der Veröffentlichung hat sich noch ein weiteres Opfer gemeldet, das auf die Immobilien-Masche hereingefallen war; ein münsterischer Unternehmer, der weitere 30 000 Euro „investiert“ hatte und die Summe bis heute nicht wiedergesehen hat. Er hatte die Summe offenbar schon abgeschrieben. Er habe eigentlich „keinen Bock auf den ganzen Hallas mit Anzeige und Gerichten“, gibt eines der Grevener Opfer die Sicht des Münsteraners wieder. Man selbst habe auch nicht sehr viel Hoffnung, etwas von dem eigenen Geld wiederzusehen. „Aber wir haben schon den Ehrgeiz, den Mann wenigstens hinter Gitter zu bringen.“ Dieses Ziel trage auch der Unternehmer aus Münster mit, der erst durch die Berichterstattung unserer Zeitung davon erfahren hat, dass er nicht der einzige Betroffene ist.

Das Amtsgericht Rheine soll nun mit der Angelegenheit befasst sein. Der Unternehmer sieht sich dem Vorwurf des zwölffachen Betruges ausgesetzt. In diesen Tagen werden wohl noch weitere Anzeigen hinzukommen. Denn der vermeintliche Betrüger soll eine Zwangsvollstreckungsurkunde unterzeichnet haben, das auf ein nicht gedecktes Konto verweist. Was die Opfer, die immer noch fassungslos sind, als weiteren Betrug werten. Auch soll der Unternehmer nach Recherchen der Betrogenen Einkommen erzielt haben, dieses aber verschleiert haben, indem er die Zahlungen auf ein Konto seiner Frau fließen ließ. Und obendrein soll er – obwohl angeblich mittellos – vorgehabt haben, ein Fahrzeug zu kaufen, für rund 10 000 Euro. Sollte er dieses Geld tatsächlich zur Verfügung haben, so besteht für die Betrugsopfer kein Zweifel daran, wem es zusteht: ihnen, die sie immer noch auf Rückzahlungen in sechsstelliger Höhe warten.

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