Trio con Abbandono Leicht konfuse Achterbahn

Greven -

Tango, Balkan-Folklore, Klassik, Barock und Klezmer. Eine bunte Mischung, die in der Kulturschmiede geboten wurde.

Von Ulrich Coppel
Das Trio con Abbandono spielte in der Kulturschmiede.
Das Trio con Abbandono spielte in der Kulturschmiede. Foto: Coppel

„Trio con Abbandono“ – „Trio mit äußerster Hingabe“ könnte man dies ins Deutsche übersetzen. Genau das war es, was Anne-Lise Cassonnet (Violoncello), Claudia Iserloh (Akkordeon und Blockflöte) und Beate Müller (Klarinette und Blockflöte) am Samstag in der gut besuchten Kulturschmiede lieferten: Ein unterhaltsames, bunt gemischtes Menü mit allerlei Zutaten aus Tango, Balkan-Folklore, Klassik, Barock und Klezmer.

Traurig und klagend sangen Cello und Klarinette die Melodiestimme im anfänglichen „Lisboa“ von Peter Ludwig. Auch wenn Lissabon eine europäische Hauptstadt ist, gab es, auch gerade wegen der Akkordeon-Besetzung, deutliche Reminiszenzen an den großen Meister des de „Tango nuevo“. Astor Piazzolla.

Fließend verschmelzten in Lisboa die stilistischen Grenzen und Übergänge zwischen Tango, Fado – der melancholischen Folklore Portugals – und populärer Elemente.

Interessant, dass in der Anmoderation zum folgenden Block mit Klezmermusik dem Publikum gerade nicht das Stichwort „jüdische Folklore Osteuropas“, sondern „Musik, die seit dem 15. Jahrhundert auf Hochzeiten gespielt wurde, weil sie so schön ist“ an die Hand gegeben wurde.

Freilich bedeutet das natürlich keinen Widerspruch, aber für das Stammpublikum in der Kulturschmiede bedeutete das vom Trio verwandte zweite Klischee nicht nur einen möglicherweise beabsichtigten anderen Zugang zu ein und demselben Klassiker, sondern sogar eine direkte Vergleichsmöglichkeit.

„The happy nigun“ mit dem das Klezmerensemble „Yxalag“ erst vor Wochen an Ort und Stelle Maßstäbe in der Interpretation von jüdischer Folklore Osteuropas gesetzt hatte, war auch das erste Thema der „Klezmersuite“ des „Trio con Abbandono“...

Verballhornungen, wie sie in einem seriösen Konzert allenfalls als Zugabe zu hören sind, gab es zweiten Teil des „Trio con Abbandono“- Konzertes eine nach der anderen. Beethovens bekanntes „Alla Ingharese quasi un Capriccio“, auch bekannt als „Wut über den verlorenen Groschen“ schweifte plötzlich zwischen Dixiland, Blues und „mein kleiner grüner Kaktus“.

Dicht darauf folgte „The Typograph“ – der musikalische Stoff jener legendär-albernen Jerry-Lewis-Nummer aus dem Filmklassiker „Der Ladenhüter“. Lustige Musik – nett gespielt.

Zum Schluss, wie konnte es auch anders sein, gab´s dann den echten Astor Piazzolla, der sich des gleichen Themas wie einst schon Antonio Vivaldi annahm: Die „Vier Jahreszeiten“. Nicht selten hört man beide Werke nacheinander als abendfüllendes Konzertprogramm in je einer Konzerthälfte.

Bei „Trio con Abbandono“ bildeten aus beiden Werken entnommene, vermischte Fragmente den Abschluss einer unterhaltsamen, leicht konfusen Achterbahnfahrt.

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