Adler-Bier Bier „auf Bairische Art“

Greven -

Im Februar 1866 wurde die Grevener Brauerei Hanhoff und Co. durch Eduard Schründer, Dr. Johann Pröbsting und Julius Schulze Hanhoff gen. Temming-Hanhoff gegründet. Nach fast dreißig Jahren erfolgreicher Geschäfte im Getränkebereich wurde die Brauerei im Jahre 1893 umbenannt in „Adler-Brauerei A.-G.“ und war damit Grevens erste Aktiengesellschaft.

Von Hans-Dieter Bez
Die Belegschaft der Adler-Brauerei auf einem alten Foto.
Die Belegschaft der Adler-Brauerei auf einem alten Foto. Foto: Heimatverein

Erster Direktor der Brauerei war bis zum Jahre 1888 Eduard Schründer. Die Gebäude der Brauerei wurden dem Bahnhof gegenüber in Richtung Ems und Dorf gebaut.

Mit der Produktion von Bier „auf Bairische Art“ hat man vermutlich erst im Jahre 1869 beginnen können, als entsprechende Gebäude erstellt und ein Dampfkessel aufgestellt war, der vier Atmosphären Druck erzeugen konnte.

Wie es damals üblich und notwendig war, verfügte die Brauerei über einen großen Kellerbereich. Hier befand sich auch der unverzichtbare Eis-Keller, in dem im Winter und im Frühjahr das Natureis gelagert wurde. Er lag direkt neben, also rechts neben dem heutigen Fußweg von der Emsbrücke zum ehemaligen Bahnhofseingang.

Dieser Eiskeller ist der einzige Gebäudeteil der Brauerei, der unterirdisch noch heute zum Teil existiert. Das Natur-Eis wurde zur Kühlung der von der Brauerei hergestellten Getränke (Bier und Limonade) während des Transportes in den übrigen Jahreszeiten dringend benötigt.

Aber auch die Gaststätten und Privathaushalte in Greven wurden mit Hilfe spezieller Eiswagen der Brauerei, von Pferden gezogen, mit Natureis beliefert, solange der Vorrat reichte. Kühlschränke gab es ja noch nicht. Gewonnen wurde das Eis an und auf der Ems und an anderen Gewässern in Greven und in der näheren Umgebung.

Die Geschäfte der Adler-Brauerei liefen gut. Beleg dafür sind die zahlreichen Um- und Neubauten des Betriebes ab 1875. Im Jahre 1894 wurde zum Beispiel ein neuer Dampfkessel mit einem Dampfdruck von „8 Atm.“ aufgestellt. Er diente zum Betrieb einer Heiß- und Kaltluftmaschine, zur Erzeugung von elektrischem Licht und zum Betrieb einer Dampfmaschine.Im Jahre 1902 wurde die Brauerei erheblich vergrößert, gebaut wurden ein neues Sudhaus mit Kühlanlage und ein neues Lagerhaus.

Für die damalige Zeit war das Angebot der Brauerei an Getränken recht umfangreich. Man braute „auf bairische Art“ dunkles Lagerbier, auch helles Lagerbier, Frischbier, Altbier und Malzbier. Außerdem stellte man ein alkoholfreies süßes Getränk mit dem Namen „Weltkrone“ her.

Eine herausgehobene Stellung in der Brauerei hatte der Braumeister. Seit dem Jahre 1892 bis 1917 war dies Josef Siebner. Neben der Überwachung der Produktion war er als Vertreter des Brauereidirektors und der Inhaber anzusehen. Entsprechend groß waren seine Befugnisse bei Einstellungen, Arbeitseinteilungen und bei Urlaubsregelungen.

Die Adler-Brauerei hatte sogar eine Zweigniederlassung in Münster, die sich wirtschaftlich gut behaupten konnte. Dort wurde das Bier in Flaschen und in Fässer abgefüllt und mit eigenen Pferde-Gespannen zu den Gaststätten gebracht.

In Greven wurde das Bier ebenfalls mit mehreren Pferdefuhrwerken zu den Grevener Gaststätten gebracht. Aber darüber hinaus wurde es mit drei weiß gestrichenen Waggons mit betriebseigener Aufschrift sogar bis auf die Insel Norderney verschickt, wo schon seit Jahrzehnten einige Grevener Familien Urlaub machten. Deshalb verfügte die Brauerei auch über einen eigenen Gleisanschluss an den Grevener Bahnhof. Bis vor einigen Jahren konnte man das Gleis noch auf der Biederlackstraße liegen sehen.

Der Erste Weltkrieg brachte für die Brauerei, wie für alle Brauereien, erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten mit sich. Rohstoffe zur Herstellung des Bieres, z.B. Kohlen und Malz, waren kontingentiert worden, das Bier musste gestreckt und der Bierpreis trotzdem angehoben werden.

Im Jahre 1915 wurde die erheblich kleinere Grevener Vereins-Brauerei übernommen, die auf der Ostseite des Eingangs der Martinistraße in den Niederort lag

Im Jahre 1918 musste die Adler-Brauerei kriegsbedingt aus Mangel an Kohlen, Malz und an Arbeitskräften (Einberufung zum Militär) geschlossen werden.

Sie wurde deshalb im Jahre 1918 kurz nach dem Kriege an die Germania- Brauerei (Münster) verkauft.

Die Brauereigebäude brannten im September 1919 bei einem Großbrand völlig aus. Aber erst im Jahre 1931 wurden die Ruinen der Brauereigebäude beseitigt.

Seit April 2010 ist das „Adler Bier“ wieder auf dem Markt, gebraut in einer Privatbrauerei bei Marsberg m Sauerland. Dieses Bier, hergestellt in verschiedenen Arten, wird nicht nur in Greven und in der Umgebung verkauft, sondern auch in Hong-Kong (China). Das erinnert ein wenig daran, dass das Grevener Adler Bier früher nicht nur bis Münster, sondern in eigenen Kesselwagen der Brauerei per Eisenbahn in die weite Umgebung geliefert wurde.

Wieder aufleben ließ den Namen „Adler-Bier“ der Grevener Ludger Schürhoff. Die Zeitschrift „Münster! Stadt.Land.Leben.“ hat in ihrer März-Ausgabe des Jahres 2018 dem Adler-Bier mehrere Seiten gewidmet.

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