Emspünte Wie aus einem Boot Karneval wurde

Greven -

Was bedeutet eigentlich Emspünte? Die Emspünte war ein alter, kahnartiger, sehr stabiler und robuster Schiffstyp, angepasst an die häufig geringe Wassertiefe der Ems. Dieses leistungsfähige Lastschiff wurde für den Güterfernverkehr auf der Ems seit dem Mittelalter bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts genutzt. Aber: Emspünte heißt auch ein Grevener Karnevalsverein

Von Hans-Dieter Bez

Die Ems war von Emden bis Schöneflieth schiffbar. Das Wappen Grevens zeigt seit 1950 ein Schiff (keine Pünte), weil sich hier der südlichste Emshafen befand.

Die Emspünte war ein alter, kahnartiger, sehr stabiler und robuster Schiffstyp, angepasst an die häufig geringe Wassertiefe der Ems. Dieses leistungsfähige Lastschiff wurde für den Güterfernverkehr auf der Ems seit dem Mittelalter bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts genutzt.

Die Pünte war ein Einmaster mit flachem Boden, deren breiter Bug nach vorne hin abflachte. Bei Fahrt gegen den Strom oder bei Windstille wurde die Pünte durch ein vorgespanntes Treidel-Pferd, geführt von einem Landgänger, auf dem Treidelweg (Leinpfad) gezogen. Der breit auslaufende Bug der Pünte diente dazu, das Treidelpferd von einem Ufer zum anderen überzusetzen, wenn der Treidelpfad die Uferseite wechselte.

Pünten waren zwischen 17 und 28 Meter lang, vier bis fünf Meter breit, die Bordwand 1,5 bis zwei Meter hoch, bei einer Verdrängung bis zu 120 Tonnen. Im Durchschnitt hatten sie eine Tauchtiefe von etwa 14 Zoll (ungefähr 37 Zentimeter) im nicht beladenen und etwa 34 Zoll (ungefähr 90 Zentimeter) im beladenen Zustand. Sie hatten zwei bis drei Männer als Besatzung. Für diese gab es auf dem Schiff eine Kajüte, die auch eine einfache Feuerstelle für die Zubereitung der Mahlzeiten besaß. Die Takelage der Pünte war leicht zu bedienen, und das bei einem verhältnismäßig großen Rah-Segel.

Gebaut wurden Emspünten aus Eichen- und Kiefernholz in Haren (Ems) und Leer, im 18. Jahrhundert auch einige in Greven, nur drei 1847/8 in Greven an der Flüthe auf der Terflother Werft. Hans Galen schreibt (WN 1971): „Der Grevener Kaufmann Ludwig Terfloth beabsichtigte um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, eine leistungsfähige Schiffswerft in Greven zu gründen. Der Plan scheiterte aber am zu niedrigen Wasserspiegel der Ems. Die Pünten hätten so flach gebaut werden müssen, dass sie für die Küstenschiffahrt nicht mehr seetüchtig gewesen wären.“

Die Eröffnung der Eisenbahnlinie von Münster über Greven nach Rheine im Jahre 1856 erledigte den Püntenbau in Greven endgültig. Empfehlenswert ist das Buch von Volker Innemann „Die Püntenschiffahrt auf der Oberems“.

Mit dem Wort „Emspünte“ ist aber auch die KG Emspünte e.V. gemeint. Diese Karnevals-Gesellschaft ist entstanden im Jahre 1953: Erster Stadtprinz war Hans I. (Wilmers) und das erste Püntemariechen war Hilde (Tiel).

Bis 1967 blieb es in Greven beim Saal-Karneval, der bis 1966 im großen Winninghoff-Saal (gegenüber der heutigen Gaststätte) gefeiert wurde. 1967 und 1968 fand die Prinzenproklamation im Reli-Theater statt. 1968 begannen die Karnevals-Umzüge.

Seitdem 1967 Willi Krachten („Knackemeier“) Vorsitzender der KG Emspünte wurde, werden am Samstag vor dem Karnevalszug Stadtprinz, das Püntemariechen, der Elferrat und die Prinzengarde vom Bürgermeister im Rathaus zur „Schlüsselübergabe“ an den Stadtprinzen empfangen. 1981 hat es sogar eine (die einzige) närrische Sitzung des Rates der Stadt gegeben, zu der Bürgermeister Josef Helmig auch Vertreter der Grevener Karnevalsvereine eingeladen hatte.

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