Anke Helfrich Trio in der Kulturschmiede Eine Musik, die Geschichte erzählt

Greven -

Sie spielt Klavier also ob sie Geschichten erzählt. Anke Helfrich und ihr Trio begeisterten in der Kulturschmiede.

Von Axel Engels
Luden zum Träumen ein: Anke Helfrich, Dietmar Fuhr und Jens Düppe (v.l.).
Luden zum Träumen ein: Anke Helfrich, Dietmar Fuhr und Jens Düppe (v.l.). Foto: Axel Engels

Mit der Einladung des Anke Helfrich Trios hat die Kulturinitiative wieder einmal ihren guten Geschmack und Sinn für Qualität auf dem Gebiet des Jazz bewiesen. Am Samstag entlockte die sympathische Künstlerin dem Boston-Flügel eine Farbpalette, die wohl nicht jeder Pianist aus solch einem Instrument hervorzaubern kann.

Mit dem Kontrabassisten Dietmar Fuhr und dem Schlagzeuger Jens Düppe hatte Anke Helfrich zwei musikalische Weggefährten, mit denen sie schon viele Jahre zusammen spielt, die ihren Sinn für innovative Entwicklungen innerhalb eines Songs also bestens kennen.

In dem jederzeit stimmigen Dialog spürte man die Konzentration, mit der sich die Musiker gegenseitig zuhörten, um auch die kleinste Nuance im Spiel zu erkennen und aufzugreifen.

Diese große Kunst zeigte sich sofort beim ersten Song „Upper West Side“, mit dem die drei Musiker die Liebhaber feinsten kammermusikalischen Jazz auf eine Reise in ihre ganz eigene Welt mitnahmen.

Klangmalerisch und von tiefen Gefühlen durchdrungen offenbarte sich dies nicht nur in den diversen Eigenkompositionen, auch bei Improvisationen über die Werke anderer Jazzgrößen zeigten sie eine breite Palette der Ausdrucksmöglichkeiten.

So gelang bei „Chan`s song“ nach der Musik von Herbie Hancock aus dem Jazz-Film „Round Midnight“ eine jederzeit fesselnde Weiterentwicklung dieser an sich schon exquisiten Musik.

Ihre persönlichen Erfahrungen ließ Anke Helfrich mit Feingefühl in ihre Songs einfließen, zeigte dem begeisterten Publikum in ihren charmanten Anmoderationen einen tiefen Einblick in ihre Sichtweise.

Wenn sie von ihrer Kindheit in Südafrika und dem Engagement ihrer Mutter in der Antiapartheitsbewegung erzählte, von ihrer Bewunderung für Nelson Mandela, dann rezitierte sie dessen Lieblingsgedicht bei „Invictus“, bettete mit dezent eingesetzter Pianistik die Worte von William Ernest Henley „I am the captain of my soul“ in ein facettenreiches musikalisches Gewand und einfühlsam folgten ihr dabei Dietmar Fuhr und Jens Düppe.

Mit ihrer Musik erzählte sie wie bei „Der Turm“ ganze Geschichten, malte gleichsam Stimmungsbilder mit impressionistisch anmutenden Klängen.

Bei den ruhigen Balladen zeigte sie ein dynamisches Spektrum und warme Melodiegestaltung, gab es aber auch genügend Freiraum für ausgedehnte Kontrabass-Passagen.

Anke Helfrich zählt nicht umsonst international zu den führenden Jazzpianistinnen, ihre Neugierde und Aufgeschlossenheit führt sie immer auch auf unerwartete Wege.

Aber auch wenn die harmonischen Strukturen wie bei „Sagrada Familia“ oder „Aspettami“ oftmals innovativ erschienen, sie hatte wie auch ihre beiden Partner immer im Blick, animierte mit melancholisch angehauchten Songs wie „Sehnsucht“ das Publikum zum Träumen.

Glanzpunkt und gleichzeitig Ausdruck ihrer Hochachtung für Martin Luther King Jr. war ihre Interpretation der berühmten Rede „I have a dream“.

Die Sprachmelodie dieses charismatischen Mannes nahm sie auf, fühlte sich ganz intensiv in seine Intentionen ein und übersetzte sie mit musikalischen Mitteln. Der Faszination dieses Songs konnte sich wohl niemand in der Kulturschmiede entziehen, lauschte man gebannt dieser innigen Verbindung von Sprache und Musik.

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