Askes Jans – als die Nachrichten noch mit dem Fahrrad kamen Der Glöckner von Greven

Greven -

Johannes Asche, oder Askes Jans, der letzte städtische Ausrufer war ein echtes Grevener Original. Sein Enkel besitzt noch die Glocke, mit der er durch Greven gezogen ist.

Von Günter Benning
Detlef Brinkmann hält die Glocke seines Großvaters mütterlicherseits, Askes Jans in Ehren. Ihr Bimmeln verkündete früher die neuesten Nachrichten.
Detlef Brinkmann hält die Glocke seines Großvaters mütterlicherseits, Askes Jans in Ehren. Ihr Bimmeln verkündete früher die neuesten Nachrichten. Foto: Günter Benning

Die Glocke hat er noch. Sie liegt normalerweise im Partykeller auf dem Kaminsims. Aber Detlef Brinkmann (73) hat sie mit in die Redaktion gebracht. Er bewegt sie einmal schwungvoll hin und her und bei ihrem Bimmeln schrickt man zusammen: „Damit ist mein Großvater durch Greven gefahren.“

Johannes Asche, oder Askes Jans, der letzte städtische Ausrufer war ein echtes Grevener Original.

Askes Jans ist im Mai 1970 91-jährige an der Sandstraße verstorben, vor 48 Jahren. Trotzdem tauchte sein Namen immer wieder bei der Suche dieser Zeitung nach spezifisch Grevener Begriffen auf.

„Er war in Greven bekannt“, sagt sein Enkel, „auch als Drohgebärde.“ Mit seinem „absolut starren Blick“ hat er manches renitente Kind kuriert. Wenn es Stress gab, mussten die Mütter nur mit Jans drohen, schon wurde es mucksmäuschenstill.

Dabei war Johannes Asche ein unermüdlicher Diener der Dorfkommune. 1912 trat er in die Gemeindeverwaltung ein. Sein „Hauptberuf“ war Amtsbote. Aber er teilte den Leuten nach dem Krieg, als es keine Zeitung gab, auch die neuesten Nachrichten und die besten geschäftlichen Annoncen mit.

„Ich bin oft hinten auf dem Fahrrad mit ihm gefahren“, erinnert sich Brinkmann, „bis nach Gimbte und Schmedehausen.“

Asche war Bademeister in Gimbte am toten Arm des Dortmund-Ems-Kanals. Und er versorgte Fundtiere, wenn sie in der Amtsverwaltung abgegeben wurden. Ein Tierheim gab es damals nicht. Und unseren heutigen Tierschutz auch nicht. Wenn die Besitzer Katze oder Hund nicht abholten, wurde kurzer Prozess gemacht. Dann kamen die Haustiere, so Brinkmann, „auf den Friedhof der Kuscheltiere“.

Abends marschierte Askes Jans durch Greven, um die Sperrstunde zu überwachen. „Er hatte immer einen Schäferhund mit“, erinnert sich sein Enkel, „das flößte den Leuten Respekt ein.“ Auch als Kartenabreißer verdiente er sein Geld, abends im Goldenen Stern: „Selbst Bürgermeister Winninghoff ließ er nicht auf den Saal, wenn er keine Karte hatte.“

„Wenn Askes Jans unterwegs war, um die Bekanntmachungen mitzuteilen“, sagt Lokalhistoriker Hans-Dieter Bez, „dann hat er bis 100 Meter rund um das Rathaus noch Hochdeutsch gesprochen.“ In größerer Entfernung wurde nur noch Plattdeutsch parliert.

Der Ur-Grevener, dessen Enkel eine Zeit lang den Sandkrug geführt hatte und dann Kaufmann in Münster war, blieb auch nach seiner Pensionierung 1946 aktiv. Über 50 Jahre war er Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. In der Feuerwehrkapelle spielte er 50 Jahre lang – natürlich die Pauke.

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