Ein Gespräch über verkaufsoffene Sonntage in Greven Sicher 20 000 Leute in der Stadt

Greven -

Nach dem Grevener Frühling ist vor dem Grevener Maifest. Das Land NRW erlaubt neuerdings acht verkaufsoffene Sonntage im Jahr. Aber den Grevenern reichen die vier, die sie haben, sagt Peter Hamelmann, Vorsitzender von Greven Marketing, im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Günter Benning.

Peter Hamelmann gehört zu den Organisatoren des Grevener Frühlingsfestes.
Peter Hamelmann gehört zu den Organisatoren des Grevener Frühlingsfestes. Foto: Günter Benning

Am Wochenende war das Frühlingsfest, wie viele Leute waren da unterwegs?

Hamelmann: Bei dem vernünftigen Wetter hatten wir sicherlich über 20 000 Leute in der Stadt.

Wie viel ist das gegenüber einem gut frequentierten Wochentag mehr?

Hamelmann: Da kann man mindestens das vier-, fünf-, sechsfache rechnen. An Samstagen und Dienstagen vor verkaufsoffenen Sonntagen werden zwischen 10 und 18 Uhr durchschnittlich etwa ein Viertel der Passanten gezählt, die wir am Sonntag zwischen 13 und 18 Uhr registrieren. Die Frequenz konzentriert sich am Samstag auf den späten Vormittag und die frühen Mittagsstunden. An normalen Werktagen verteilt sich das gleichmäßiger über den ganzen Tag.

Das heißt, die Sonntage sind für die Einzelhändler eine wichtige Größe?

Hamelmann: Das gilt nicht nur für die Umsätze an den Sonntagen selber. Es ist auch eine Gelegenheit, zu präsentieren, was der Einzelhandel und die Gastronomie in der City zu bieten haben. Das hat dann auch Folgewirkungen für den Umsatz.

Also Werbung für die Händler, zum Beispiel für die Autohändler, die ja beim Frühlingsmarkt selber nicht viel verkauft haben werden.

Hamelmann: Die Autoschau ist für die Werbewirkung dieser Veranstaltungen ein Beispiel. Sie hat sich inzwischen sehr ausgeweitet. Die Händler sind daran so interessiert, weil sie eine große Zahl von Besuchern erreichen können.

In NRW darf man seit letzter Woche bis zu acht verkaufsoffene Sonntage im Jahr anbieten. Macht mehr Sinn?

Hamelmann: Wir sollten uns auf die bestehenden verkaufsoffenen Sonntage konzentrieren, wir haben vier, die wir auch mit einem attraktiven Programm füllen können. Für die können wir auch mit einem erheblichen Aufwand Werbung machen. Damit locken wir auch Besucher aus dem Umland an, wenn es mehr verkaufsoffene Sonntage wären, dann zerfasert sich das Ganze. Dann wird es irgendwann nicht mehr dieses Highlight sein, das es jetzt noch ist.

Es ist ja sicher nicht einfach, Geld für das Rahmenprogramm zu bekommen.

Hamelmann: Das ist richtig, wir sind bei vielen Gebühren auf dem Stand von vor 15, 20 Jahren. Auch was die Sponsoren angeht, kann man es nicht beliebig steigern. So dass wir in den Möglichkeiten begrenzt sind, da Programm zu ergänzen. Wir versuchen da, zumindest den Status zu halten.

Für die Gewerkschaft Verdi spielt es ja eine große Rolle, dass die Leute wegen des Rahmenprogramms in die Stadt geholt werden.

Hamelmann: Ja, das Programm soll auch das Profil Grevens mit unterstützen. Es soll nicht nur ein Feigenblatt oder ein Alibi sein, sondern es soll eine eigene große Attraktivität ausstrahlen. Gerade beim Maifest, mit Greven malt bunt, oder beim Cityfest mit dem Kinder- und Jugendfestival – in diesem Jahr sogar Städtepartnerschaftsjubiläum – wollen wir eigene Akzente setzen.

Gibt es eigentlich Probleme, an so einem Wochenende ausreichend Mitarbeiter zu finden?

Hamelmann: Das Problem haben wir im Grundsatz auch. Wir suchen im Moment selbst eine Aushilfe, die uns in den vielen Nebentätigkeiten unterstützen kann. Wir sind dünn besetzt, bei Stadtfesten und bei Veranstaltungen am Beach brauchen wir zum Beispiel Einlasskontrolleure. Das wird zunehmend schwierig, der Arbeitsmarkt scheint leer gefegt zu sein.

Beteiligen sich die Filialisten in der Stadt an den Kosten so eines Frühlingsfestes?

Hamelmann: Es gibt einige wenige, die sich beteiligen. Das Gros, muss man offen sagen, tut es nicht. Sie haben von den Zentralen die Vorgabe, solche Aktivitäten nicht zu unterstützen. Da gibt es auch keine Handhabe, es zu ändern, es sei denn, sie nutzen öffentliche Fläche vor der Tür. Da können wir dann auch Standflächengebühr nehmen.

Also jedes inhabergeführte Unternehmen ist ein Garant für solche Veranstaltungen?

Hamelmann: Genau, die kleinen, inhabergeführten Betriebe tragen einen nicht unerheblichen Teil der Kosten, die bei solchen Veranstaltungen entstehen. Es wäre natürlich schön, wenn das solidarischer laufen würde.

Wie schätzen Sie die Außenwirkung ein?

Hamelmann: Ein ganz erheblicher Anteil unserer Besucher kommt aus dem Umfeld. Die wissen, dass die Stadtfestes ein interessantes Profil haben, dass da ein schönes Programm geboten wird, und letztendlich ist die Innenstadt mit ihren gut bestückten Einzelhandelsangeboten sehr attraktiv. So dass die Leute schon 20 Kilometer fahren, um zum verkaufsoffenen Sonntag in Greven zu kommen.

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