La Bottega-Inhaber wechseln „A rivederci, Pino“

Greven -

Das La Bottega bekommt einen neuen Wirt. Pino Aigioi und seine Frau Helga gehen zum Monatsende in den Ruhestand.

Von Günter Benning
Pino Angioi und seine Frau Helga haben in wenigen Jahren eine Art Gastro-Familie aufgebaut.
Pino Angioi und seine Frau Helga haben in wenigen Jahren eine Art Gastro-Familie aufgebaut. Foto: Günter Benning

„Ah, Dotorre!“, Pino Angioi begrüßt den stillen Gast mit seiner üblichen lauten Stimme. In Italien ist jeder, der ein Diplom hat, gefühlt ein Doktor. „Molto bene, grazie“, schalmeit der Gast zurück, der in Wahrheit ein waschechter Grevener ist. Aber bei Pino Angioi und seiner Frau Helga werden Westfalen geschmeidig zu sanften Südländern. Am Samstag hören die Wirte vom „La Bottega“ an der Alten Münsterstraße auf. Und die Kundschaft trauert.

Wenn man den Begriff „Original“ auf Menschen anwendet, meint man meist, altgediente, schrullige Typen, in der Wolle gefärbte Dorfgewächse. Danach könnte der Sardine Angioi kein Grevener Original sein, denn das „La Botega“ hat er erst 2013 übernommen. Fünf Jahre am Ort, das ist nur ein Klacks.

Damals übrigens kam der Mann aus Sardinien mit der Botschaft, jetzt müsse Kontinuität einziehen. Das kleine Restaurant mit der italienischen Feinkostabteilung hatte zuerst Antonio Palumbo gehört, der Helene Incanella Platz machte. Dann übernahm der Emsdettener Vito Natola die Feinkost und Palumbo kochte erneut.

Pino Angioi, der mit 16 Jahren in Rom Kochen gelernt hat, lebt mit seiner Frau heute noch in Rheine. Vier Jahrzehnte hat er gastronomische Erfahrung in Rheine, Lingen und Meppen gesammelt, Wein verkauft und italienische Spezialitäten. „Vino e Cucina“ war auch sein Rezept fürs „La Bottega“.

Außerdem sollte alles etwas langsamer zugehen in der kleinen Kneipe, wo der Chef hinterm Buffet am Gasherd steht und seine Frau kellnert. Und wo jeder zweite Gast mit Küsschen begrüßt wird. Rechts, links – und das mitten im Münsterland.

Vermutlich waren „Pino“ und „Helga“ sowieso Originale, auch in den Geschäften, die sie früher gemeinsam führten. In Greven jedenfalls haben sie aus dem kleinen Restaurant, in dem es zu 95 Prozent Nudeln gibt, ein Stück gelebtes Italien gemacht. Für manche ein Stück Nachbarschaft. Für andere ein Stück Familie.

Pino Agioi wird im September 66, seine Frau ist 63, aber sie hätten gern noch weitergekocht für ihre „große Familie“. Doch der Sarde hat gesundheitliche Probleme. Zwei große Operationen, einige Beipässe, er muss kürzer treten.

„Hier ging es auf und ab“, sagt seine Frau Helga. Mal fiel der Mann am Herd Monate aus. Dann musste sie kochen – und einige Frauen aus der Kundschaft sprangen ihr zur Seite. Sie räumten auf, spülten, machten, was man nicht alleine machen kann. Das rührt sie heute noch: „Die Leute haben uns ins Herz geschlossen – und wir sie auch.“

Auch wenn Helga und Pino Angioi gehen, das La Bottega wird mit einem neuen Betreiber weitermachen. Für ihn wird es schwer, ein Original zu beerben.

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