Catja Hebben vom Hansaviertel-Zentrum
„Wir sammeln noch Ideen“

Greven -

Sie arbeitet im neuen Hansaviertel-Zentrum. Aber dort sollen vor allem die Jugendlichen gestalten. Ein Gespräch mit Catja Hebben.

Samstag, 27.01.2018, 09:40 Uhr aktualisiert: 28.01.2018, 13:32 Uhr
Catja Hebben im Hansaviertelzentrum. Foto: Günter Benning

Catja Hebben (25) sitzt in einem Raum des frisch renovierten Hansaviertel-Zentrums. Am vergangenen Wochenende wurde es eröffnet. Noch ist es kahl. Theke, Tische, Stühle. Mehr gibt es nicht. Für die Sozialarbeiterin ist das Programm. Die Jugendlichen sollen ihr Haus selbst gestalten.

Hat der Jugendtreff nun ab sofort jeden Tag geöffnet?

Hebben: Ja, fast täglich. Das Besondere ist jedoch, dass wir verschiedenen Jugendcliquen exklusiv einen Tag anbieten, an welchem sie die Räumlichkeiten für sich beanspruchen können. Daneben werden ein Musikangebot und ein offener Treff stattfinden. Dazu sind alle Jugendlichen willkommen. Gleichzeitig sind wir aber verstärkt draußen auf der Straße unterwegs, um mit den Jugendlichen an ihren selbst gewählten Orten Kontakt zu knüpfen.

Also, dann gehen Sie mitten im Winter nach draußen auf die Straße?

Hebben: Ja, richtig. Bei Wind und Wetter sind wir vor der Tür. Jeden Donnerstag treffen wir uns an der Mehrzweckanlage hier im Hansaviertel. Da sind ein Skaterpark und ein Fußballplatz. Die Kinder und Jugendlichen wissen, dass sie uns da antreffen können. Die sind auch sauer, wenn wir mal nicht kommen. Das ist ein schönes Zeichen dafür, dass wir gebraucht werden und sie Interesse haben, mit uns zwei schöne Stunden zu verbringen.

Jugendarbeit verbindet man schnell mit Jugendproblemen. Haben die Jugendliche hier Probleme?

Hebben: Ich würde sagen, dass es verschiedene Entwicklungsaufgaben im Leben eines Jugendlichen gibt, die bewältigt werden müssen. Wir möchten sie dabei unterstützen.

Bei der Eröffnung wurde gesagt, hier im Viertel leben 90 Nationen. Gehen Sie in ihrer Arbeit darauf ein?

Hebben: Hier im Hansaviertel gibt es viele Nationen, aber dadurch wird das Zusammenleben bereichert. Gerade hier ist es schön, wenn verschiedene Kulturen zusammentreffen. Das kann man in der Zusammenarbeit mit den Kindern und Jugendlichen thematisieren. Gerade, wenn es um das Thema Religion geht – das ist immer wieder ein Thema.

In Jugendzentren sieht man mehr Jungs als Mädchen. Hier auch? Und warum?

Hebben: Gerade in der Öffentlichkeit sind Jungs mehr präsent. Das heißt nicht, dass es keine Mädchen gibt. Mein Anliegen ist es, dass wir mehr Mädchen für das Jugendzentrum begeistern können. Hier haben wir für sie auch einen geschützten Rahmen, in dem sie sich aufhalten können.

Es soll dann auch ein Mädchencafé geben?

Hebben: Das steht noch nicht fest. Aber wir haben das im Hinterkopf.

Die Räume hier wirken noch etwas kahl. Ist das Absicht?

Hebben: Ja, wir möchten nicht alles bereits vorgeben. Ein Jugendtreff lebt davon, dass er von Jugendlichen mitgestaltet wird. Wir haben bereits eine Jugendgruppe, mit der wir genau diesen Planungsprozess begonnen haben. Die haben Ideen gesammelt.

Also, wenn wir in einem Jahr wiederkommen, sieht es hier schon bunter aus?

Hebben: Das will ich schwer hoffen.

Was sind die Themen der Jugendarbeit heute?

Hebben: Ich habe den Eindruck, dass sich Jugendarbeit verjüngt. Gerade auch hier im Viertel. Wir merken ganz stark, dass wir von den 10- bis 13-jährigen beansprucht werden. Die haben einen hohen Bedarf. Jugendarbeit muss sich immer an neue Trends anpassen. Gerade das Thema Medien ist sehr präsent. Wenn es darum geht, Youtube-Videos zu drehen und Rapp-Musik zu machen, zum Beispiel. Da wollen wir immer auf dem Laufenden bleiben.

Ist es für die Jugendlichen wichtig, das alles nicht nur zu konsumieren, sondern es selbst zu machen?

Hebben: Es gibt ein großes Bedürfnis, sich selbst produzieren zu können, selbst Videos und Musik zu machen. Das wollen wir aufgreifen. Wir haben hier einen Bandraum für junge Bands, die bekommen einen eigenen Schlüssel dafür. Zudem haben wir die Musikbox. Das ist ein regelmäßiges Angebot mit einem Aufnahmestudio, in dem Jugendliche ihre eigenen Songs aufnehmen und produzieren können. Eine tolle Sache. Außerdem haben wir immer wieder Projekte, die sich auf solche medialen Themen beziehen.

Treffen Sie nur die aktive Schicht der Jugendlichen hier im Zentrum?

Hebben: Ich habe schon den Eindruck, dass wir sehr unterschiedliche Jugendgruppen erreichen. Wir arbeiten im Moment mit drei verschiedenen Altersgruppen. Das sind die 10- bis 13-Jährigen, die 14- bis 18-Jährigen und dann haben wir noch eine Gruppe, die sind 18 bis 22. Also, es ist schon bunt gemischt.

Spielt für die Jugendlichen eine Rolle, zu welcher Ethnie man gehört?

Hebben: Für die Jugendlichen spielt das nicht so eine Rolle. Die sind untereinander gut befreundet, man kennt sich aus dem Stadtteil. Es ist ein enges Zusammenleben, jeder kennt jeden.

Früher, also in der alten Generation, rauchten, tranken, kifften Jugendliche. Wie sieht das heute aus?

Hebben: Da hat sich nicht so viel verändert. Es sind typische Entwicklungsschritte, die Jugendliche mitmachen, Grenzen austesten, sich ausprobieren. Da gehört das Rauchen dazu, auch mal das Kiffen. Aber es wird im Hinblick auf die Prävention heute mehr gemacht als früher.

Hier im Haus gibt es noch eine Integrationsstelle der Stadt?

Hebben: Da entsteht gerade eine ganze Menge. Ich freue mich sehr darauf, dass wir in Zukunft gemeinsame Projekte starten können.

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