Julius Scheidgen im Porträt
Der Nachwuchspolitiker

Greven -

Neue Serie: Wir stellen Jugendliche vor, die sich aktiv in die Gesellschaft einbringen. Heute: Julius Scheidgen von der Jungen Union. Wer Vorschläge für die Serie hat: mailen an redaktion.gre@zeitungsgruppe.ms.

Samstag, 27.01.2018, 14:40 Uhr aktualisiert: 28.01.2018, 13:32 Uhr
Kennt sich mit Politik aus: Julius Scheidgen, stellvertretender Vorsitzender der Jungen Union Greven steht nicht nur optisch mit der Pose neben dem Rathaus nah an der Politik. Foto: Luca Pals

Politik-Student im neunten Semester, kurz vor dem Bachelor, den Master vor Augen. Bereits zweimal war Julius Scheidgen (22) als Praktikant der Bundestagsabgeordneten Anja Karliczek und Sybille Benning (CDU) in der Welt der großen Politik unterwegs. Der stellvertretende Vorsitzender der Jungen Union (JU) in Greven und Beisitzer der JU Kreis Steinfurt setzt sich für junge Leute und ihre Themen ein.

Scheidgen kann reden. Er versteht es, sein Gegenüber einzubinden, redet wie ein „Großer“. Das Vorurteil von der jugendlichen Politik-Verdrossenheit – er widerspricht dem.

Der Auslöser für sein Interesse liege zehn Jahre zurück: „Während der Finanzkrise 2007/08 habe ich gemerkt: In der Politik liegt meine Passion.“ Finanzen und Wirtschaft sind Lieblingsthemen des Studenten. Er erinnert sich: „Ich habe gedacht: Politik muss mehr machen. Der Vertrauensverlust hat schon damals begonnen. Im Vordergrund stand für mich, dass Geld nicht das einzige ist: Ideen zählen.“

Dabei solle immer der Grundsatz von „klaren Regeln“ gelten: „Wer sich an diese hält, wird auch belohnt.“ Schon damals sei ihm wichtig, dass Politik einen „Fahrplan für die nächsten Jahre“ entwickeln müsse. Auch klar: „Politik kann vieles, hat aber Grenzen – sie kann nicht die Zukunft vorhersagen.“

Deswegen sei es auch in seiner Partei wichtig, auf gesellschaftliche Veränderungen einzugehen – typisch konservativ-liberal. „Der Kommunikationsfaden“, sagt Scheidgen, „kann nicht nur top down, von oben nach unten, verlaufen. Wähler müssen nicht bevormundet werden.“

Nach dem Abitur in Greven studiert er Politik und Wirtschaft in Münster, in die Welt der großen Entscheidungen durfte er mit zwei vierwöchigen Praktikas im Bundestag reinschnuppern. „Ich durfte das Pochen des politischen Herzens erleben. Bürgeranfragen bearbeiten, MdB-Termine vorbereiten, bei Arbeitsgruppen wie Ausschüssen dabei sein und die normale Büroarbeit. Es ist mehr Arbeit als viele denken.“

Klar wurde: „Bei den Bürgern aus dem Wahlkreis geht es nicht um die große Politik.“ Sondern um die Probleme vor der eigenen Haustür. Und um diese kümmert er sich vor Ort.

In Greven sei die Frage nach bezahlbarem Wohnraum und die Flächen-Suche zum Wohnungsbau wichtig. Mit der JU Greven, die zurzeit 76 Mitglieder zählt, kann er sich durch deren drei Sitze im Stadtrat in die Politik einmischen:„So können junge Themen besser besetzt werden.“ Zu diesen würden Ausbildung, Beruf, Schule, Forschung zählen. Hoch im Kurs stehe neben Familie und Digitalisierung auch die Rente.

Stichwort Familie: Für den Studenten, der sich schnell für die CDU entschieden hatte und 2016 in deren Jugendorganisation eingetreten war, hat sie einen hohen Wert – wie auch für seine Partei: „Die Familie steht für uns im Vordergrund, die Ehe ist ein wichtiger Wert unserer Gesellschaft.“ Nach seinem liberalen Verständnis zitiert er Konrad Adenauer: „Nehmen Sie die Menschen, wie sie sind, andere gibt‘s nicht.“ Daneben besetze die CDU Finanz- und Wirtschaftsthemen wie keine andere Partei. Sie akzeptiere die deutsche Vielfalt, trotzdem begrüßt er die von Alexander Dobrindt (CSU) vorgeschlagene „Leitkultur“: „Wir müssen uns im Klaren darüber sein, wer wir sind. Dann können wir Menschen auch viel besser integrieren.“

Das Scheitern von Jamaika findet er schade: „Es wäre etwas Neues gewesen. Es hätte uns voran gebracht“, dagegen sei die GroKO „eine Vernunft- und keine Liebesehe.“ Würden die Verhandlungen, die laut Scheidgen „Spitz auf Knopf stehen“ scheitern, dann würde eine Minderheitsregierung zustande kommen – „ein schreckliches Zeichen für Deutschland und auch ganz Europa. Mann kann sich nicht mehr auf uns verlassen.“ Merkel ist zurzeit „alternativlos“, sagt er, ab 2021 rechnet er mit Jens Spahn.

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