Stadtprinz und Püntemariechen Kürzer als Jamaika

Greven -

Sie zeigen sich nicht, sie verraten nichts. Aber sie reden doch. Grevens Stadtprinz und sein Püntemariechen plaudern mit der Redaktion. Ganz im Geheimen, versteht sich.

Noch geben sie ihr wahres Gesicht nicht preis: Stadtprinz und Püntemariechen geben allerdings schon mal ihr erstes Interview.
Noch geben sie ihr wahres Gesicht nicht preis: Stadtprinz und Püntemariechen geben allerdings schon mal ihr erstes Interview. Foto: Günter Benning

Stadtprinz Hubert I. (Wimber) und Püntemariechen Svenja Grunenberg haben die längste Zeit dem Karneval gedient. Denn die Narren der KG Emspünte haben würdige Nachfolger gefunden, die ihre närrische Session 2018 anführen sollen. Aber – wie üblich in Greven: keiner weiß Bescheid. Keiner will was sagen. Die neue Regentschaft ziert sich und selbst im Organisationskomitee der Karnevalsgesellschaft wissen nur wenige Auserwählte, wer Prinz und Püntemariechen sind. Und die schweigen eisern. Nur gut, dass die Lokalzeitung härtestens recherchiert hat. Redaktionsmitglied Günter Benning sprach an einem geheimen Ort mit den neuen Obernarren.

Wie wird man Püntemariechen, gnädige Frau?

Püntemariechen: Überraschend.

Haben Sie irgendeine karnevalistische Vorbildung?

Püntemariechen: Klar, ich war schon im Kindergarten beim Karneval dabei. Und bin mit meinen Eltern natürlich zum Zug nach Greven gegangen.

Hätte ich Sie da an ihrem Kostüm erkennen können?

Püntemariechen: Das erste war natürlich Prinzessin. Danach war mein Lieblingskostüm Pippi Langstrumpf.

Wie jedes Mädchen. Sind Sie denn auch emotional so drauf wie Pippi Langstrumpf?

Püntemariechen: (lacht) Vielleicht, ich finde Pippi lustig, fröhlich. Das muss sein im Karneval.

So, jetzt zur Tollität. Soviel sickerte schon durch, dass Ihre Gnaden vom Bauernhof kommen. Wie kommt man aber von da zum Karneval?

Prinz: Das Leben geht nicht nur gerade Wege. Aber das schließt sich auch nicht aus.

Der Bauer gilt als dröger Pütt.

Prinz: Ist ja auch so. Gerade in Westfalen. Aber man wächst mit seinen Aufgaben, es geht wohl.

Wie haben Sie sich qualifiziert für dieses verantwortliche Regentenamt? Wird man da geschoben?

Prinz: Da müssen Sie die Prinzenmacher fragen.

Da kommt also eines guten Tages jemand und sagt, Du bist jetzt Prinz?

Prinz: So ist das.

Und wenn man sich wehrt?

Prinz: Dann muss man drei starke Gründe haben, es nicht zu machen. Die fallen den wenigsten ein. 

Können Sie denn wenigstens das Prinzenkostüm von Ihrem Vorgänger übernehmen?

Prinz: (langes Schweigen) Das müsste aber ordentlich angepasst werden.

Verkleinert oder vergrößert?

Prinz: Anders.

Prinz wird man nicht alle Tage. Da muss man sich emotional vorbereiten. Was tun Sie dafür?

Prinz: Ich bereite mich mental vor. Es mussten ja erstmal elf Gebote ausgearbeitet werden. Ich habe über Weihnachten daran gearbeitet. Es war kürzer als die Jamaika-Runde gebraucht hat. Außerdem brauchen wir ein Motto. Vorschlafen kann man allerdings vor der Session nicht.

Ist das ein harter Job?

Prinz: Keine Ahnung, ich bin zum ersten Mal Prinz.

Verehrtes Püntemariechen, Sie müssen ja wohl auch Reden halten. Müssen die eigentlich lustig sein?

Püntemariechen: Soweit ich weiß, ja. Das ist im Karneval so üblich.

Sammeln Sie schon Gags?

Prinz: Ja, aber es darf nichts übertrieben sein. Alles muss angemessen bleiben – authentisch und nicht aufgesetzt.

Können wir den Lesern verraten, dass Sie authentische Grevener sind?

Püntemariechen: (lacht) Schwierige Frage.

Kommen Sie denn aus Greven City oder aus der Bauerschaft?

Püntemariechen: Jetzt fragen Sie aber intime Dinge, das wollen wir nicht verraten.

Aber Sie haben schon ländliche Bezüge?

Püntemariechen: Ja, das stimmt.

Und ihr Lieblingstier?

Püntemariechen: Der Hund. Aber ich habe keinen. Irgendwann sollte einer kommen.

Dackel?

Püntemariechen: Nein, kein Dackel, ich hätte schon gerne einen großen Hund. Einen Münsterländer.

Und worauf steht der Prinz?

Prinz: Aufgewachsen bin ich mit Katzen. Aber jetzt haben wir keine mehr.

Wie wird die neue Regentschaft?

Prinz: Es wird eine Session voller Überraschungen.

Wenn man so gefragt wird, ob man Püntemariechen werden will, wird sich der zuständige Personalreferent der KG Emspünte schon seinen Teil gedacht haben. Wissen Sie, warum er sie fragte?

Püntemariechen: Nä, das hat er nicht gesagt. Vielleicht sollte ich mal den Prinzen fragen.

Prinz: Nein, der Prinz sucht sich auch nicht das Püntemariechen aus. Das machen die Prinzenmacher.

Gibt es eigentlich eine eigene Kostümschneiderei für Karnevalisten?

Püntemariechen: Ja. Wir sind zur Anprobe nach Ahlen gefahren. Da haben die jede Menge Kostüme, auch in unseren Farben. Und keiner erkennt uns . . .

Muss man Geld mitbringen, wenn man die Regentschaft über die Narren übernimmt?

Püntemariechen: Nö.

Prinz: Man wird nachher reich.

Haben Sie sich Urlaub genommen für die ganze Session?

Prinz: Zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch bestimmt. Aber man ist ja nicht im Dauerdelirium, da kann man schon mal zwischendurch auf den Hof gehen.

Trotzdem ist doch Karneval eine Herausforderung. Harter Stoff.

Püntemariechen: Stimmt, aber schöner harter Stoff.

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