Flüchtlingshilfe Alis steiniger Weg zum Professor

Greven -

Wie muss eine langfristig angelegte Integrationspolitik aussehen? Die Ratsmitglieder Lore Hauschild und Ernst Reiling haben dazu ein Konzept.

Von Monika Gerharz
Bildung darf kein Privileg sein: Davon sind Lore Hauschild und Ernst Reiling überzeugt und wollen darum dafür sensibilisieren, welche Hindernisse Kinder aus bildungsfernen Schichten noch immer überwinden müssen, um beruflich Erfolg zu haben.
Bildung darf kein Privileg sein: Davon sind Lore Hauschild und Ernst Reiling überzeugt und wollen darum dafür sensibilisieren, welche Hindernisse Kinder aus bildungsfernen Schichten noch immer überwinden müssen, um beruflich Erfolg zu haben. Foto: Monika Gerharz

Als Ende 2015 Hunderte von Flüchtlingen nach Greven kamen, war die Hilfsbereitschaft der Bürger überwältigend. Spontan gründeten sich Flüchtlingshilfen, die Neubürger wurden mit dem Notwendigsten versorgt. Mittlerweile gibt es Sprachunterricht, Kinderbetreuung, Patenschaften für Berufsanfänger und vieles mehr. Die Stadt hat eine vernünftige Infrastruktur geschaffen, immer mehr Geflüchtete können von Notunterkünften in Wohnungen ziehen. Aber immer dringlicher stellt sich die Frage: Was kommt nach dieser Phase der spontanen Hilfsbereitschaft? Wie muss eine langfristig angelegte Integrationspolitik aussehen?

Um diese Frage mit Hand und Fuß beantworten zu können, braucht es ein fundiertes Wissen. Davon sind Lore Hauschild, Ratsfrau der Grünen, und Ernst Reiling, Ratsherr von Reckenfeld direkt, überzeugt. Sie haben deshalb gemeinsam – „überparteilich“, wie sie betonen – eine Reihe initiiert, die Wissenschaftler aus einschlägigen Fachgebieten nach Greven bringen soll. Eine erste Erfahrung mit einem Vortrag des Soziologen Aladin El-Mafaalani von der Fachhochschule Münster im Ballenlager war vor einigen Monaten ein großer Erfolg. Jetzt haben sie den Erziehungswissenschaftler Ahmet Toprak von der Fachhochschule Dortmund eingeladen. Er wird am 15. Februar um 19 Uhr in der GBS – entweder im Ballenlager oder in der Kulturschmiede – einen Vortrag halten.

Der Professor türkischer Abstammung hat ein Buch über sich selbst geschrieben mit dem Titel: „Auch Alis werden Professor“ – mit vielen, sehr humorvoll erzählten biografischen Anklängen, aber auch mit einer Fülle von Informationen, welche Hindernisse Kinder aus Migrantenfamilien überwinden müssen, wollen sie hierzulande Karriere machen. „Soziale Herkunft bestimmt noch immer den Bildungsweg“, weiß Reiling. Und das gälte nicht nur für Migrantenfamilien. „Auch Armut spielt eine Rolle“, weiß Lore Hauschild. „Aber oft nehmen wir das einfach so hin.“ Für diese Problematik sensibel zu machen, sei ein Anliegen der ganzen Reihe. Reiling: „Wir wollen das nicht sofort umsetzen in Politik, sondern einfach das Gespür dafür schärfen.“

Topraks Vortrag wird übrigens von Professor Aladin Mafaalani von der Fachhochschule moderiert werden. Er hat zusammen mit Toprak die Studie „Muslimische Kinder und Jugendliche in Deutschland“ geschrieben. „Mafaalani kommt besonders gern nach Greven, weil die Kurden hier ein so vorzügliches Buffet anbieten“, zwinkert Reiling. Nicht zuletzt deshalb wird auch bei Topraks Vortrag wieder orientalisches Essen zu haben sein. Für die Veranstaltung wird diesmal ein Kostenbeitrag von drei Euro erhoben. Reiling: „Mir schmeckt keine Kultur, die nichts kostet – aber der Preis muss sozial verträglich sein.“

Neben Toprak ist auch der bekannte Sozial-, Bildungs- und Gesundheitswissenschaftler Klaus Hurrelmann für einen Vortrag in Greven angefragt – und er hat sein Kommen prinzipiell auch zugesagt. Der Wissenschaftler hat lange in Münster gelebt und ist deshalb immer mal wieder in der Region unterwegs. Reiling: „Wir haben verabredet, dass er bei einem solchen Besuch einmal Greven besucht. Eine solche Veranstaltung wird voraussichtlich relativ kurzfristig angekündigt werden müssen.“

Und noch eine dritte Veranstaltung steht in Aussicht: Reiling und Hauschild haben mit dem Fotografen und Islamwissenschaftler Lutz Jaekel vereinbart, dass er in Greven Bilder aus dem Vorkriegs-Syrien zeigt.

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