Bremst die Kirche? Friedwald führt zu Streit

Greven -

Die Einrichtung eines Friedwalds für Urnenbestattungen geht schleppend voran. Einige Politiker machen die katholische Kirche als Bremser aus.

Von Oliver Hengst
Beisetzungen im Friedwald wird es in Greven nicht, wie geplant, schon in diesem Jahr geben, weil noch nicht alle nötigen Daten auf dem Tisch liegen.
Beisetzungen im Friedwald wird es in Greven nicht, wie geplant, schon in diesem Jahr geben, weil noch nicht alle nötigen Daten auf dem Tisch liegen.

Das Thema Friedwald ist vertagt – ein Jahr mindestens. Manche Ratsmitglieder befürchten nun, dass das Projekt gar nicht mehr umgesetzt wird. Dass das Thema bewusst verzögert wird, in der Hoffnung, das interessierte Privatunternehmen suche sich einen anderen Standort, außerhalb von Greven.

Zum Hintergrund: Die „FriedWald GmbH“ will im Grevener Westen (Gronenburg) eine Fläche erschließen, um dort Bestattungen unter Bäumen anzubieten. Über das Vorhaben sollte im Herbst die Politik entscheiden, damit im Winter erste Vorarbeiten im Wald laufen könnten, um im neuen Jahr schon erste Bestattungen durchführen zu können. Doch der Zeitplan ließ sich nicht einhalten.

Nun sollte kürzlich ein runder Tisch stattfinden mit Bürgermeister, Fraktionsvorsitzenden, der Kirche und Bestattungsunternehmen. „Das hat der Bürgermeister einen Tag vorher per Mail abgesagt“, beschwerte sich nun Thomas Hudalla (Linke) im Hauptausschuss. Sein Verdacht: „Das wird auf Eis gelegt, weil die Kirche ein Problem mit der Konkurrenz hat.“

Bestätigt sieht er sich dadurch, dass als Grund für die Absage angeführt wurde, der Kirchenvertreter habe keine Zeit. Und einen neuen Termin solle es erst im Frühjahr geben. „Viel zu spät“, sagt Hudalla. „Warum dauert das so lange? Man wird den Verdacht nicht los, dass hier das Thema so lange geschoben werden soll in der Hoffnung, dass der Investor abspringt“, argwöhnt der Linken-Fraktions-Chef.

Offenbar nicht als einziger. Michael Zweihaus (SPD) will erfahren haben, dass der Runde Tisch an „Don Camillo Lunemann“ (O-Ton Zweihaus) gescheitert sei. Ihn ärgert auch, dass ein Runder Tisch – und damit ein Gremium unter Ausschluss vieler (eigentlich zuständiger) Ratsmitglieder – eine Einigung habe herbeiführen sollen. „Durch solche Dinge leisten Sie Gerüchten und Meinungen erst Vorschub, die katholische Kirche wolle den Friedwald boykottieren“, sagte er in Richtung Bürgermeister, der angesichts dieser Attacke „not amused“ war.

Diese Gerüchte besagen, dass die Kirchengemeinde gedroht haben soll, den (angeblich verlustreichen) Friedhof Saerbecker Straße abzugeben – die Stadt müsste mit einem Eigenbetrieb einspringen. In anderen Kommunen übernehmen das in solchen Fällen die Stadtwerke.

Bürgermeister Peter Vennemeyer erläuterte, dass zwei Gründe zur Absage des Runden Tisches geführt hätten: Der Pfarrer sei verhindert gewesen und die Rendantur habe die benötigten Zahlen noch nicht vorlegen können. Man wolle aber nichts auf die lange Bank schieben, betonte er. „Wir werden das Thema wieder aufgreifen, und zwar Anfang 2018. Wir wollen das nicht blockieren, aber wir haben auch massive städtische Interessen. Aber die können wir nur berücksichtigen, wenn wir Zahlen und Daten vorliegen haben.“ Die „Unterstellung“, dass die katholische Kirche gegen das Projekt sei, sei ihm „absolut nicht bekannt“. In der Sitzung verwies Vennemeyer auch darauf, dass in Horstmar, wo schon Bestattungen im Wald möglich sind, kaum Horstmarer Bestattungen stattfänden.

Zweihaus schoss noch einen weiteren Giftpfeil in Richtung „seines“ Bürgermeisters ab. „Sie haben mir gesagt, Sie wären beauftragt worden, einen Runden Tisch einzuberufen. Da würde mich natürlich interessieren, wer Sie denn genau beauftragt hat.“ Man hätte das Thema im Hauptausschuss beraten sollen, diese Chance sei leider nicht genutzt worden.

Warum? Die Antwort darauf lieferte ein sichtlich verstimmter Beigeordneter Cosimo Palomba: „Wenn Sie fragen, wer den Bürgermeister beauftragt hätte, das Thema von der Tagesordnung zu nehmen: Ich habe ihm dazu geraten. Ich will Ihnen auch sagen warum: Die Politik sollte in der Lage sein, dann eine Entscheidung zu treffen, wenn sie über alle relevanten Fakten verfügt. Und das ist im Moment noch nicht der Fall.“ Es sei „großer Wunsch der Kirche“ gewesen und „auch in unserem kommunalen Interesse, dass Sie alle Fakten vor einer Entscheidung kennen und nicht erst danach.“

„Weitere Fragen?“, fragte Vennemeyer in die Runde. Zweihaus hätte wohl gern noch mal nachgesetzt – wurde aber vom Bürgermeister abgewürgt. Johannes Hennigfeld (CDU) beantragte letztlich, die Diskussion zu schließen. „Das ist doch Stochern im Nebel. Wir haben keine Daten, wir haben nichts. Wir sollten uns darüber unterhalten, wenn das alles auf dem Tisch liegt.“

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