Türkisch-islamische Gemeinde lädt zur Kermes „Haben mit Politik nichts zu tun“

Greven -

Die türkisch-islamische Gemeinde lädt zu ihrer traditionellen Kermes ein – zu einer Zeit, da ihr Dachverband Ditib wegen Spitzelvorwürfen in die Kritik geraten ist. Die Mitglieder wollen sich auch kritischen Fragen stellen.

Von Monika Gerharz
Laden zur „Kermes“ und wollen gerne diskutieren: Selma Eskici, Nuren Kücükosman und Nuri Payam (von links).
Laden zur „Kermes“ und wollen gerne diskutieren: Selma Eskici, Nuren Kücükosman und Nuri Payam (von links). Foto: Monika Gerharz

Ambivalent – so könnte man die Reaktion aller Gesprächspartner beschreiben, wenn man sie dieser Tage nach der türkisch-muslimischen Gemeinde Greven fragt. Kein Wunder – die Ditib, der Dachverband der vom türkischen Staat geförderten Moscheen, ist in die Schlagzeilen geraten. Stand der Verband jahrzehntelang für einen gemäßigten, weltoffenen Islam, hat sich das in den letzten Monaten geändert. Er wurde zum verlängerten Arm Erdogans in der Bundesrepublik. In einzelnen Gemeinden sollen die Imame missliebige Gemeindemitglieder bespitzelt haben.

In Greven allerdings hat man viele Jahre lang gut zusammen gearbeitet. Christen, Muslime und Konfessionslose haben gemeinsam gefeiert, es gab gemeinsame Schulgottesdienste, die muslimische Gemeinde engagiert sich in der Flüchtlingsarbeit, müht sich um Integration. Manche Kenner der Szene zwar stört, dass viele engagierte Muslime recht kritiklos die staatlichen Meinungen übernehmen. „Aber ich habe die Gemeinde vor Ort immer sehr offen erlebt, wir konnten miteinander diskutieren“, sagt beispielsweise der evangelische Pastor Jörn Witthinrich. Er ist, wie auch sein katholischer Kollege Klaus Lunemann, der Ansicht: „Wir sollten im Gespräch bleiben.“ Die Beziehungen zur politischen Gemeinde sind derzeit ohnehin eher lose. „Wir haben die Gemeinde zum Integrationskonzept eingeladen, aber meines Wissens ist niemand gekommen“, sagt Bürgermeister Vennemeyer.

Ambivalent – so reagieren auch Vorstandsmitglieder der türkisch-muslimischen Gemeinde, wenn man sie auf die Verwerfungen im türkisch-deutschen Verhältnis und die Rolle der Ditib-Gemeinden anspricht. „Unsere Gemeinde gibt es seit 46 Jahren“, sagt etwa Selma Eskici. „Wir haben mit Politik nichts zu tun.“ Und Nuri Payam meint: „Für uns hat sich durch Erdogan nichts geändert. Es spielt für uns keine Rolle, wer da im Amt ist.“

Ganz so einfach allerdings dürfte es nicht sein. Denn die Gemeinde ist vom türkischen Staat abhängig. Er schickt die Imame nach Deutschland, er bezahlt sie auch. Kein Wunder, dass in der Diskussion keine kritischen Töne gegen den zunehmend autoritären Kurs des Präsidenten zu hören sind. „Es wird hier in Deutschland vieles einseitig dargestellt“, meint etwa Eskici. Manche Gemeindemitglieder werfen den Deutschen vor, ihrerseits die Grenzen berechtigter Kritik zu überschreiten. „Die Kinder in der Schule werden gefragt: Sind deine Eltern für Erdogan?“, klagt Nuren Kücükosman. Sie betont, dass in der Grevener Gemeinde keineswegs nur AKP-Anhänger zu finden seien. „Wir haben auch CHP-Leute und Kurden.“

Doch ungeachtet mancher Missstimmungen im gegenwärtigen Verhältnis: Die türkisch-islamische Gemeinde lädt am Wochenende zu ihrer traditionellen „Kermes“ rund um die Moschee an der Alten Bahnhofstraße 58 ein. Am Samstag von 10 bis 22 Uhr und am Sonntag von 10 bis 20 Uhr kann die Moschee besichtigt werden, es gibt für Kinder eine Hüpfburg, eine Tombola ist geplant, und es werden türkische Spezialitäten angeboten. Erstmals gibt es einen Kinder-Trödelmarkt, an dem kleine Verkäufer gerne teilnehmen dürfen, wenn sie eine Decke mitbringen. „Wir wünschen uns, dass die Grevener kommen und uns auf alles ansprechen, was sie bewegt“, will Nuri Payam bei dieser Gelegenheit gerne auch Kritisches diskutieren.

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