Poetry-Slam am Gymnasium Mit viel Selbstironie

Greven -

Die Zehner des Gymnasiums veranstalteten einen Poetry-Slam – und, nein, sie luden keine Szene-Stars ein, sondern texten selbst und trugen die Ergebnisse auf der Bühne vor. Wie beim „echten“ Vorbild war das Publikum die Jury, die am Ende einen Sieger kürte.

Von Pia Naendorf
Die Zehntklässler hatten witzige, tiefgründige und auch überraschende Texte vorbereitet, die sie nun einem großen Publikum (das zugleich als Jury fungierte) präsentierten.  
Die Zehntklässler hatten witzige, tiefgründige und auch überraschende Texte vorbereitet, die sie nun einem großen Publikum (das zugleich als Jury fungierte) präsentierten.   Foto: pin

„Draußen vor der Tür“ – dieses Drama von Wolfgang Borchert lieferte die Inspiration für den Poetry-Slam der Stufe zehn am Gymnasium. Die Deutschlehrerinnen Feeline Hüser und Antje Husmann hatten den Slam vorbereitet, wie schon seit einigen Jahren.

Was die Zehntklässler aus diesem Thema machten, ist vielseitig und originell, kein Text ist wie der andere. In dieser Woche wurden die Ergebnisse öffentlich präsentiert. Das Interesse war riesig, auch Tische, Fensterbänke und Heizungen mussten als Sitzplatz herhalten. Viele Zehner lauschten, aber auch etliche Lehrer.

Den Anfang machte Maren Dömer, die mit einer zweiten Siegerin des Vorjahres den Abend moderierte. Sie trug ihr Gedicht über Donald Trump erneut vor, mittlerweile aktualisiert, denn Trump ist nicht mehr Kandidat, sondern Präsident.

Der erste Schüler der Stufe zehn, Lars Kecker, widmete sich dem Wetter, den zu heißen Sommern und den zu kalten Wintern. Ein leichter, humorvoller Text.

Es folgten Gedichte über die großen Themen unserer Zeit: soziale Ungerechtigkeit, Dauerstress, Umweltzerstörung. Klug stellte Anna Büchter fest: „Man sagt, die Deutschen haben Stress, immer nur Stress.“ Ihre Waffe: einfach mal inne halten, vor die Tür gehen und genießen.

Ein kleines Märchen erzählte von einem Forst, der langsam durch die Menschen zerstört wird. Ein schweres Thema, das leicht verpackt und sanft erzählt wurde.

Ein trauriges Gedicht mit glücklichem Ausgang thematisiert die strapaziöse Flucht eines jungen Mannes.

Auch die Frage nach dem Sinn des Lebens wird beleuchtet: „Der Sinn des Lebens ist draußen vor der Tür – vor deiner Tür.“

Leon Holz präsentierte ein glühendes Liebesgedicht – aus der Perspektive eines Türsteher. Getreu dem Motto „Harte Schale – weicher Kern“ beschrieb er, wie der Türsteher sich in ein Mädchen verliebt und auf ein Zeichen von ihr wartet. Gespannt wartete das Publikum auf ein gutes Ende – das es natürlich gab.

Kevin Kruft war der erste, der von allen Juroren (also dem Publikum, da dieses mit Punktetafeln abstimmt) zehn Punkte, also die höchste Wertung, bekam. Mit einigen guten und manchen weniger guten, vor allem aber seinem selbstironischen Text über sich selbst überzeugte er das Publikum, das nicht nur viel lachte, sondern auch laut applaudierte.

Genau so viele Punkte erhielt Oliver Vollmer. Er unterhielt die Zuhörer mit seiner ganz eigenen Darstellung eines gewöhnlichen Tages. Seine Botschaft: Draußen vor der Tür erlebt man immer noch die spannendsten Geschichten.

Der letzte Teilnehmer und auch der letzte der drei Finalisten: Linus Janning. Er beschrieb äußerst selbstironisch und unterhaltsam einen Kreisliga-Kick. Sonntagmorgen und völlig verkatert tauchen die Spieler am Ascheplatz auf. Ziel ist nicht etwa eine Sieg, sondern den Ball so zu spielen, dass möglichst viel Dreck und Wasser spritzt, denn natürlich regnet es vor einem Spiel der Kreisliga. Auch wenn manch einer dieses Phänomen bereits zu kennen scheint, die witzige und pointierte Darstellung war dennoch überraschend und gut vorgetragen. Das Publikum applaudierte begeistert.

Ein „Synonym-Battle“ soll schließlich über den endgültigen Sieger des Abends entscheiden. Olliver Vollmer, Kevin Kruft und Linus Janning müssen zum Wort „Tür“ so lange Synonyme finden, bis einer keines mehr weiß. Nach leichten Lösungen wie „Pforte“, „Hauseingang“ oder „Tor“ mussten die drei richtig kreativ werden. Durchsetzen konnte sich am Ende Olliver Vollmer mit Wortneuschöpfungen wie „Schlüssellochhalter“ oder „Mechanisches Wunderwerk zum Verschließen eines Hauses“. Ein humorvoller Abschluss.

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