Gestohlene Katalysatoren verkauft Auf dem Seeweg nach Litauen

Greven/Reckenfeld -

Es brauchte schon eine Menge kriminalistische Gründlichkeit, um die mutmaßlichen Täter zu fassen: Am dritten Prozesstag gegen die vier litauischen Angeklagten im Alter von 26 bis 33 Jahren breitete sich vor den Zuhörern ein Lehrstück über die Polizeiarbeit in Zeiten von GPS-, Funk- und Videoüberwachung aus.

Von Matthias Münch
Vor dem Landgericht Münster müssen sich vier Angeklagte wegen Katalysator-Diebstählen verantworten.
Vor dem Landgericht Münster müssen sich vier Angeklagte wegen Katalysator-Diebstählen verantworten. Foto: dpa

Als die reisenden Katalysator-Diebe in der Nacht vom 23. auf den 24. September 2015 von ihrem Stützpunkt in Reckenfeld aus nach Rheine fuhren, da war ihnen die Polizei schon seit einigen Wochen auf den Fersen. Am dritten Prozesstag gegen die vier litauischen Angeklagten im Alter von 26 bis 33 Jahren breitete sich vor den Zuhörern ein Lehrstück über die Polizeiarbeit in Zeiten von GPS-, Funk- und Videoüberwachung aus. Vor der 9. Großen Strafkammer des Landgerichts Münster schilderte einer der Ermittler, wie sie den Tätern auf die Spur kamen. Am Anfang stand Kommissar Zufall Pate.

Im Frühjahr 2015 bildete die Polizei in Münster eine spezielle Ermittlungsgruppe, die sich eigentlich den rapide zunehmenden Diebstählen von Navis aus edlen Pkw annehmen sollte. Im Zuge dieser Arbeit beschlagnahmten die Beamten das Handy eines Mannes. Sie vernahmen ihn in Greven. Anschließend fuhr der Verdächtige von der Grevener Polizeiwache direkt zur Wohnung eines Landsmanns in Reckenfeld. Diese war, wie sich später herausstellte, der Ausgangspunkt für 49 Diebestouren.

Videokamera registriert munteres Kommen und Gehen

Am Haus in Reckenfeld installierte die Polizei eine Videokamera. Fortan registrierte sie ein munteres Kommen und Gehen sowie häufige nächtliche Fahrten eines Passats und eines Vectra mit britischen Kennzeichen. Die Autos statteten die Ermittler mit versteckten GPS-Sendern aus. Und weil in ihnen immer die gleichen Zweierteams unterwegs waren, erwirkten die Beamten auch richterliche Genehmigungen zur Überwachung ihrer Handys. Hinzu kamen schließlich die Anzeigen von den Tatorten. All das setzten die Beamten wie bei einem Puzzle zusammen. Am Ende erhielten sie komplette Bilder, in denen alle Daten übereinstimmten.

Rasch merkten die Polizisten, dass es ihren Verdächtigen nicht um teure Navigationsgeräte, sondern um teure Katalysatoren aus Mercedes „Sprintern“ ging. Die meisten gestohlenen Abgasgeräte versteckten die Angeklagten zunächst in der Nähe der Tatorte. Später holten sie sie ab und brachten sie über die niederländische Grenze. Ziel war ein Schrotthandel in Bergen op Zoom, der ebenfalls von einem Landsmann der Angeklagten betrieben wurde. Von Holland aus wurden die Katalysatoren vermutlich auf dem Seeweg nach Litauen gebracht.

Vier Verdächtige in U-Haft

Als die Ermittler genügend Material zusammengetragen und ausgewertet hatten, wollten sie die Verdächtigen festnehmen. Aber das war dann gar nicht mehr so einfach. Denn mittlerweile hatten sich die vier Diebe in alle Himmelsrichtungen zerstreut. Doch mit Hilfe ausländischer Kollegen gelang es schließlich. Einer der Verdächtigen wurde aus einer Haft in Finnland nach Deutschland überstellt. Einen weiteren, mit internationalem Haftbefehl gesuchten Täter, lieferten die litauischen Behörden aus. Der dritte Mann wurde bei der Einreise nach Deutschland verhaftet. Und der vierte stellte sich selbst.

Seit September und Dezember 2016 sitzen die vier Angeklagten in verschiedenen nordrhein-westfälischen Gefängnissen in Hamm, Coesfeld, Bochum und Wuppertal in U-Haft.

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

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