Bebauung sorgt für Ärger Aus eins mach sechs

Greven -

Ein neues Haus auf dem Grundstück nebenan - damit habern die Eheleute Dunau erstmal kein Problem. Wohl aber mit den Dimensionen. Wo früher ein Einfamilienhaus stand, soll nun eines erbaut werden, das sechs Parteien Platz bietet.

Von Peter Beckmann
Gerlinde und Klaus Dunau mit ihrem Haus im Rücken und dem noch unbebauten Nachbargrundstück rechts.
Gerlinde und Klaus Dunau mit ihrem Haus im Rücken und dem noch unbebauten Nachbargrundstück rechts. Foto: Peter Beckmann

Gerlinde und Klaus Dunau schieben Frust – gewaltigen Frust. Denn: Sie sollen demnächst neue Nachbarn bekommen. Eine Tatsache, die an sich kein Problem darstellen würde. Nur: Auf dem Nachbargrundstück am Grünen Weg, das zuletzt mit einem Einfamilienhaus bebaut war, soll ein Sechs-Familien-Haus entstehen. Aber das ist den beiden und auch fast allen anderen Nachbarn mindestens eine Nummer zu groß.

Von Anfang an: Vor 20 Jahren zogen die Dunaus nach Greven und kauften das Haus am Grünen Weg. Vor sechs Jahren ließen sie auf dem hinteren Dach des Hauses eine Photovoltaik-Anlage installieren. Im April 2016 erzählte ihnen ihr Nachbar, dass er sein Haus verkauft habe. Das war es dann auch. „Wir haben danach weder von der Stadt noch vom Bauunternehmen Ahaus irgendeine Information bekommen“, erzählt Gerlinde Dunau.

Bis dann irgendwann der Bagger kam und damit begann, das Nachbarhaus abzureißen. Erst durch die Nachbarn auf der anderen Seite des Abrisshauses erfuhren sie, was denn überhaupt geplant war. „Investor Ahaus hat denen die Pläne vorgelegt, mit denen sie sich einverstanden erklären sollten“, erzählt Klaus Dunau. Erst da ahnten die Nachbarn, was da auf sie zukommen soll.

Eigentlich ist in dem Wohnviertel laut dem seit 1985 gültigen Bebauungsplan nur eine Bebauung auf der zur Straße liegenden Hälfte der Grundstücke erlaubt. Außerdem dürfen die Grundstücke nur zu einem Drittel bebaut werden. Und: Es sind nur zwei Vollgeschosse erlaubt.

Doch die Pläne für das Grundstück sehen aktuell ganz anders aus. Die Hälfte des 919 Quadratmeter großen Grundstücks soll nun – auch im hinteren Teil – bebaut werden. Außerdem wird der s-förmige Bau dreigeschossig geplant. Das alles sollte mit Ausnahmegenehmigungen umgesetzt werden.

„Natürlich sind wir und auch die Nachbarn nicht begeistert“, erklären die Dunaus. Denn das geplante Sechs-Familien-Haus sei viel zu groß im Verhältnis zu den Nachbarhäusern. „Dieses Haus verschattet die Grundstücke, unsere Photovoltaikanlage wird im Ertrag stark beeinträchtigt und die umliegenden Gärten werden komplett einsehbar“, verdeutlichen die Dunaus ihren Ärger. Sie spekulieren über ein „besonderes Wohlwollen, was die Stadt den Herren Ahaus entgegenbringt.“ Und: Sie klagten gegen die Baugenehmigung vor dem Verwaltungsgericht. „Quasi in Vertretung für alle Nachbarn.“

„Die Stadt hat daraufhin dem Investor Ahaus nahegelegt, eine vorhabenbezogene Bebauungsplanänderung zu beantragen“, erzählt Dunau. Und das machte der dann auch, in der vergangenen Woche stimmte der Ausschuss für Stadtentwicklung gegen die Stimmen der CDU diesem vorhabenbezogenen Bebauungsplan zu.

Ein Vorgehen, das auch der CDU Schmerzen bereitet. Denn in den vergangenen Monaten wurden oder werden immer mehr Häuser mit Hilfe von vorhabenbezogenen Bebauungsplänen verwirklicht. So die umstrittenen Reihenhäuser an der Steenbergstraße oder das ebenfalls umstrittene „Hochhaus“ auf dem Eckgrundstück Hansaring / Grüner Weg. „Ich habe dieses Vorgehen an verschiedensten Stellen festgestellt und frage mich, ob das noch bürgerfreundlich ist“, gab Jürgen Diesfeld, Fraktionsvorsitzender der CDU, zu bedenken.

Von Bürgerfreundlichkeit wollen die Dunaus nicht sprechen. „Wir fühlen uns absolut verschaukelt und an der Nase herumgeführt.“ Ja, sie hätten Verständnis dafür, dass die Stadt bezahlbaren Wohnraum schaffen wolle. Klaus Dunau engagiert sich selbst in der Flüchtlingshilfe und weiß daher genau, wie dringend bezahlbarer Wohnraum benötigt wird. „Aber hier so ein riesiges Haus zu schaffen, das passt überhaupt nicht.“

Das sieht Stadtplaner Christian Jakob anders. „Aus Sicht der Verwaltung liegt keine Stellungnahme vor, die gegen das Vorhaben spricht. Da, wo die städtebauliche Hygiene nicht beschnitten wird, ist so ein Vorgehen auch in Ordnung“, sagte er während der Diskussion im Ausschuss für Stadtentwicklung, fügte aber hinzu: „Schön ist das nicht, aber das sind nun mal die Zeiten, in denen wir unterwegs sind.“

Wolfgang Hoppe (Grüne) begründet seine Zustimmung zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan so: „Wir haben die Verpflichtung, die Stadt so umzubauen, dass hier jeder wohnen kann, der hier wohnen will. Deswegen haben wir diese Probleme an vielen Stellen“, sagte er und bezeichnete die Planungen als tragbaren Kompromiss. „Wir müssen hier so handeln, wenn wir bezahlbaren Wohnraum schaffen wollen.“

Wie gesagt: Die Dunaus sind da ganz anderer Meinung, haben geklagt und werden wohl auch gegen den vorhabenbezogenen Bebauungsplan klagen. Aufschiebende Wirkung haben diese Klagen aber nicht.

Was die Dunaus allerdings mit „italienischen Verhältnissen“ meinen – darüber kann sich jeder seine eigenen Gedanken machen . . . .

http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4700446?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686824%2F