„Cactus Junges Theater“ in Mary‘s Mittlerin zwischen Kontinenten

Greven -

„Das liegt ihr doch im Blut!“ Solche Klischees nahm jetzt die junge ghanaische Künstlerin Gifty Wiafe vom „Cactus“-Theater in „Mary‘s“ unter die Lupe – witzig und nachdenklich machend.

Von Christina Stegemann
Auf Einladung eines breiten Veranstalterbündnisses führte die Solo-Performerin Gifty Wiafe vom Cactus-Theater Münster ein besonders Theaterstück auf.
Auf Einladung eines breiten Veranstalterbündnisses führte die Solo-Performerin Gifty Wiafe vom Cactus-Theater Münster ein besonders Theaterstück auf. Foto: chs

Ein Theaterstück aufgeführt von einer jungen Ghanaerin – und sie tanzt, singt und trommelt. „Das liegt ihr doch im Blut“, mögen viele denken. Und schon stecken wir bis zum Hals in Klischees. Genau diesen Klischees widmete sich die internationale Theater- und Tanzproduktion „Cactus Junges Theater“. Gifty Wiafe als ghanaische Solo-Performerin zeigte am Samstagabend in der Jugendkirche Marys ihre Lebensgeschichte. Die junge Schauspielerin kam 2009 nach Deutschland, wo auch ihre Eltern leben. 2014 absolvierte sie ihr Abitur. Seit einiger Zeit probt sie mit der Theatergruppe Cactus aus Münster, die schon mehrfach für ihre integrative Sozialpädagogik ausgezeichnet wurde.

Zu rhythmischer Musik schlüpfte die Künstlerin auf der Bühne langsam aus einem großen Plastiksack – ihre „Geburt“. Direkt zu Beginn zeigte sie dem Publikum ihr Bild von Ghana, wo es durchaus Krankenhäuser gibt, die von der technischen Ausstattung den deutschen ähneln. Mit Ausdrucksstärke, deutlicher Mimik und betonter Körpersprache stellte Gifty Wiafe sich und besonders dem Publikum Fragen: „Was macht ein afrikanischer Naturheiler, wenn die Natur nicht mehr heile ist?“ Außerdem nahm sie die „tropischen Tomaten aus Holland“ aufs Korn. Sie stimmte auch nachdenkliche Töne an, etwa als sie darauf hinwies, dass mit jedem im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtling auch ein Stück eines jeden Menschen stirbt. Auch machte sie darauf aufmerksam, dass auf der Welt noch über 40 Millionen Menschen als „Waren“ gehandelt werden.

Auf der Bühne wirkte die junge Ghanaerin schlau, spontan und schlagfertig. Kaum zu glauben, dass es sich bei ihrer Einreise nach Deutschland erst einmal so angefühlt hat, als ob ihre gesamte Persönlichkeit, ihr Temperament und ihr Humor aufgrund der sprachlichen Barrieren und kulturellen Unterschiede in Ghana zurück geblieben wären. Die Protagonistin hielt dem Publikum – Menschen aus verschiedenen Kulturen – augenzwinkernd einen Spiegel vor und fungierte als moderne Mittlerin zwischen Kontinenten und Kulturen. Sie sprach an, wie kritisch es ist, den europäischen Elektromüll in Afrika zu entsorgen und wies darauf hin, dass ghanaische Kinder zwar oft wissen, wie hart es ist, Kakaobohnen zu ernten, aber noch nie selbst eine Schokolade getrunken haben.

Das Publikum in der voll besetzten Jugendkirche hatte allerdings auch einiges zu lachen. In Ghana kommt es beispielsweise fast täglich zu Stromausfällen. Dass aber auch in Deutschland nicht immer alles reibungslos funktioniert, sehe man beispielsweise an den vielen Großprojekten, die nicht nach Plan verlaufen.

Dass das berühmte Cactus Theater mit einer mobilen Bühne nach Greven kommen konnte, ist einer Kooperation von Grevener Vereinen zu verdanken. Die Flüchtlingshilfe, die Freiwilligenagentur PlusPunkt, der Ghana-Kreis der Martinusgemeinde, der Stadtjugendring und das Jugendbüro der Karderie hatten eingeladen.

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