Katalysator-Diebe vor Gericht In Gewerbegebieten wurden sie fündig

Greven -

Mal waren es „nur“ zwei, mal über 20, doch die Masche immer gleich: Diebe bauten bei Autohändlern Katalysatoren der abgestellten Fahrzeuge aus und schafften sie ins Ausland.

Von Matthias Münch

Nur zweimal starteten die Katalysator-Diebe von ihrem Stützpunkt in Greven aus nach Norden. Das wurde nun am zweiten Prozesstag gegen die vier Angeklagten im Alter von 26 bis 33 Jahren vor der 9. Großen Strafkammer des Landgerichts in Münster deutlich. Sie müssen sich dort wegen gewerbsmäßigen Bandendiebstahls im Herbst 2015 verantworten und haben die Vorwürfe grundsätzlich eingeräumt (unsere Zeitung berichtete).

Fast alle Diebestouren führten die Angeklagten nach Süden: in Gewerbegebiete nordrhein-westfälischer und hessischer Kleinstädte. Dabei waren sie fast immer zu zweit in Fahrzeugen mit britischen Kennzeichen (obwohl selbst keine Briten) unterwegs; das eine Diebespaar mit einem VW Passat, das andere mit einem Vauxhall (Opel) Vectra. Die erste Fahrt nach Norden war in der Nacht vom 23. auf den 24. September 2015 ein kurzer Trip von Greven nach Rheine. Dort stahlen zwei der Angeklagten beim Logistikunternehmen Wanning drei Katalysatoren aus Mercedes Sprintern. Der Gesamtschaden betrug rund 10 000 Euro.

Die große Ausnahme unter insgesamt 49 Fällen folgte in der Nacht vom 16. auf den 17. Oktober 2015. Da machten sich alle vier Angeklagte mit ihren beiden Fahrzeugen gleichzeitig von Greven in Richtung Norden auf. Ihr Ziel war eine Autofirma im niedersächsischen Wietmarschen. Dort machten die Täter die fetteste Beute aller 49 Fälle, die die Anklage auflistet. Auf dem Gelände des Mercedes-Autohandels Senger schraubten die vier Männer die Katalysatoren von 25 Mercedes Sprintern ab. Allein hier belief sich der Schaden auf 112 000 Euro. Trotz der Geständnisse ging der Vorsitzende Richter Werner Richter alle Fälle akribisch durch.

Derweil überlegt sich der Grevener Gastgeber der Angeklagten noch, ob er als Zeuge vor der Strafkammer aussagen will. Das Gericht hatte den Landsmann der vier Angeklagten vorgeladen. Doch er äußerte sich zunächst nicht zu den Anklagepunkten. Der Mann war bereits im vergangenen Jahr wegen Beihilfe zu den Taten zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Er sitzt derzeit im Gefängnis, hat aber gegen sein Urteil Revision eingelegt. Deshalb ist sein eigenes Verfahren noch nicht abgeschlossen. Ihm steht ein umfassendes Aussageverweigerungsrecht als Zeuge zu, um sich nicht selbst belasten zu müssen. Nun erwägt er, davon Gebrauch zu machen.

Der Prozess wird am morgigen Freitag fortgesetzt.

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