Haschhoffsburg liegt in der Bauerschaft Hembergen Die versteckte Burg

reckenfeld -

Sie war mal da, klare Sache. Das ist allerdings schon eine Weile her. Heute allerdings sieht der Laie davon nichts, keine Mauer, die an schmachtende Burgfräulein erinnert, kein Turm, in dem ein Schlossgespenst hausen kann. Eine Art Wall, dahinter ebenes Gelände, mehr ist erst mal nicht zu sehen.

Von Monika Gerharz
Mitten in einem recht naturbelassenen Wald in der Bauerschaft Hembergen liegen die Wälle der so genannten Haschhoffs-Burg, die wohl aus dem zehnten Jahrhundert stammt.
Mitten in einem recht naturbelassenen Wald in der Bauerschaft Hembergen liegen die Wälle der so genannten Haschhoffs-Burg, die wohl aus dem zehnten Jahrhundert stammt. Foto: Monika Gerharz

„Beschreiben Sie bloß nicht so ganz genau, wo die Burg liegt!“ Hans Röttgers , beim Heimatverein zuständig für die Archäologie, möchte das versteckte Kleinod ungern populär machen. Denn würden die Besucher in Scharen strömen, zerstörten ihre Füße schnell die Existenz der rätselhaften Anlage. Darum nur ein allgemeiner Hinweis: Die Haschhoffsburg liegt in der Bauerschaft Hembergen , am Zusammenfluss des Walgenbachs mit einem Rinnsal, das früher wohl mal ein ansehnliches Gewässer war.

Von Burg allerdings sieht der Laie nichts, keine Mauer, die an schmachtende Burgfräulein erinnert, kein Turm, in dem ein Schlossgespenst hausen kann. Eine Art Wall, dahinter ebenes Gelände, mehr ist erst mal nicht zu sehen. „Das war die Vorburg“, weiß Röttgers. Dann, 200 Meter weiter, ein bis zu acht Meter tiefer Graben und erneut ein Wall, an der höchsten Stelle vielleicht fünf Meter hoch. „Früher war das bestimmt imposanter“, vermutet Röttgers. „Der Graben war tiefer, der Wall höher. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich das natürlich etwas eingeebnet.“ Wahrscheinlich gab es zusätzliche hölzerne Aufbauten. „Mauerstrukturen sind nicht bekannt. Es ist daher davon auszugehen, dass die Wallkrone mit Palisaden verstärkt war“, meint Dr. Christoph Grünewald , Leiter des Amts für Bodendenkmalpflege beim Westfälisch-lippischen Landschaftsverband auf Anfrage. Dass es in den Wällen keine Fundamentreste von Mauern gibt, weiß man aus Untersuchungen, die man nach dem Sturm Kyrill, bei dem mehrere Bäume entwurzelt wurden, vorgenommen hat.

Aber wer hat die Burg gebaut? Sicheres weiß man nicht, mangels Überresten. „Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand datiert die Burg in das zehnte bis zwölfte Jahrhundert nach Christus“, erläutert Grünewald. „Das resultiert zum einen aus einigen Scherben, die dort vor vielen Jahren gefunden wurden und in diese Zeit gehören. Zum anderen ähnelt die Burg anderen Burgen dieser Zeit in ihrer Anlageform.“ Allerdings seien in der Region solche Burgen selten, eine Burg bei Laer und eine bei Marl-Sinsen wiesen ähnliche, aber nicht dieselben Merkmale auf. „Vergleichbar ist vielleicht eine Burg bei Dören­the, die den Übergang über den Teutoburger Wald kontrollierte, hier haben wir aber bislang keine datierbaren Funde“, meint Grünewald. Er vermutet, dass die Burg zunächst nicht besiedelt war und erst später Ritter und Burgfräulein dort hausten.

Wann die Burg aufgegeben worden ist, ist ungewiss. Auf einer Karte von Hembergen von 1775 ist sie zumindest noch eingezeichnet. „Und dass es hier eine Burg gab, war in der Volkserinnerung immer präsent“, weiß Röttgers. Außerdem wird der Hof Haschhoff, nach dem die Burg genannt ist, Mitte des 13. Jahrhunderts urkundlich erwähnt. „Aber ob der Hof zur Burg gehört, lässt sich nur vermuten“, sagt Röttgers. Genauso sei es Spekulation, ob die Burg im Hochmittelalter Sitz einer Adelsfamilie war oder ob die Vorburg der Bevölkerung als Fluchtburg bei Fehden diente.

Imposant jedenfalls ist die alte Anlage allemal, wenn man sich zwischen Bäumen und Büschen erst einmal eine Vorstellung von ihren Ausmaßen gemacht hat. Sie liegt auf einem trapezförmigen Plateau, die ringförmige Kernburg hat einen Durchmesser von etwa 90 Metern, die Vorburg ist deutlich größer. An einer Seite sind die Wälle kaum mehr zu sehen. „Da hat jemand wohl mal Sand abgegraben“, vermutet Röttgers. Das wäre heute nicht mehr möglich, die Anlage steht unter Denkmalschutz. Nur Kinder können der Anlage gefährlich werden – die Gräben und Wälle und die umgestürzten Bäume dort sind ein herrlicher Spielplatz, und die Möglichkeit, dass das Bodendenkmal zertreten wird, ist darum durchaus gegeben.

Röttgers hat sich jetzt, in Absprache mit dem Besitzer, eine Methode überlegt, wie man den Entdeckerdrang – sagen wir mal: – kanalisieren und in andere Waldregionen lenken kann. Sein Wundermittel? „Brombeerhecken!“

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