„Lauschsalon“ beim „Reckenfelder Treff“ Im Rausch der Worte

Reckenfeld -

Sprache und Harfe zauberten eine ganz besondere Stimmung ins Pfarrheim. Der „Reckenfelder Treff“ hatte zum „Lauschsalon“ mit der Schauspielerin Anja Bilabel und Harfenistin Verena Volkmer geladen. Und die gaben sogar oft gehörte Texte der Droste einen ganz neuen Zauber.

Schaurig, leidenschaftlich, verträumt: Anja Bilabels Vortrag
Schaurig, leidenschaftlich, verträumt: Anja Bilabels Vortrag Foto: Sandra Lüttmann

„Schaurig ist’s übers Moor zu geh‘n“ – oft gehört, diese Worte. Aber noch nie so erlebt wie beim „ Lauschsalon “ mit der Schauspielerin Anja Bilabel und der Harfenistin Verena Volkmer, die der „ Reckenfelder Treff“ am Mittwoch ins Pfarrheim geladen hatte.

Wer sich als Schüler noch freute, dem Schicksal, „die Droste “ lesen und analysieren zu müssen, endlich entronnen zu sein, konnte die Autorin intensiv neu kennenlernen. Teelichter flackerten auf den Tischen, der kahle Backstein wurde nur von einem Streiflicht angestrahlt und ins Halbdunkel hauchte, stöhnte und fauchte Bilabel die Verse.

In den Texten entführte sie die Zuhörer in die verlassene Schauerruine des Schlosses – und die Harfenklänge, die vorhin noch so wohlig-voluminös die Ohren umschmeichelten, wandelten sich in schaurige Klänge. Ein ratschendes Quietschen die Saite hinauf, ein schnappender Klang, ein unheimlicher Wirbel: so schaurig ist es, übers Moor zu geh‘n!

Wie mitten in einem Hörspiel saßen die gebannt lauschenden Besucher. In Improvisationen zu barocken Stücken konnten sie sich in die Welt der Salons versetzt fühlen, wo zwischen Stuck und Spitzen Autoren wie Annette von Droste-Hülshoff ihre Werke vortrugen.

Immer ergänzten sich Harfe und Sprache, mal als Untermalung, mal als versonnene Fortführung der Emotionen. Bei Anja Bilabel wurden die Verse intensiv lebendig, wirkten wie im Rausch der Sinne geschrieben. „Mir war wichtig, die leidenschaftliche Droste zu zeigen. Ein Schrei des Geiers – und schon strömen bei ihr die Texte“, umschreibt die Sprecherin die Auswahl der Gedichte. Durch ihren Vortrag wurden der emotionale Bilderreichtum, die vermischenden Sinneseindrücke und die Klangkraft der Worte begeisternd erlebbar, so dass das Hörstück allzu schnell vorüber war. Die Zuhörer brauchten einen Moment, um wieder in die Gegenwart zurück zu kehren und belohnten das Duo mit anhaltendem Applaus – das übrigens, so Albert Pauck vom Reckenfelder Treff, im kommenden Jahr wieder zum „Lauschsalon“ kommt.

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