Arthur Hegel ist tot „Gegen den Strom schwimmen“

Reckenfeld -

Ja, diese Zeilen würde er wohl sehr kritisch beäugen. Wie wertet die Redaktion sein Leben in und für Reckenfeld, das an diesem Samstag so plötzlich zu Ende ging? Artur Hegel ist tot. Der streitbare Schreinermeister starb an einem Ort, den er über alles liebte. In seiner Werkstatt.

Von Ulrich Reske
Arthur Hegel war ein wortgewandter Kämpfer für den Ortsteil, an dessen Festreigen er noch wenige Stunden vor seinem Tod teilgenommen hatte.
Arthur Hegel war ein wortgewandter Kämpfer für den Ortsteil, an dessen Festreigen er noch wenige Stunden vor seinem Tod teilgenommen hatte. Foto: oh

Dort, wo er mit großer Hand- und Kunstfertigkeit aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz Gebilde und Figuren schuf, die Zeugnis von Fantasie, Kreativität und Schaffenskraft sind.

Doch er ist eben nicht nur ein Mann, der mit Hobel, Feile und Säge umzugehen wusste. Die Leser dieser Zeitung kennen ihn als wortgewandten Kämpfer für den Ortsteil, an dessen Festreigen er noch wenige Stunden vor seinem Tod teilgenommen hatte. Mit spitzer Feder kämpfte er für die weiterführende Schule im Ortsteil. In seinem Ringen darum kannte er weder Freund noch Feind. Es zählte nur das Thema. Große Zweifel hegte er an der kommunalen Gerechtigkeit. In einem letzten unveröffentlichten Leserbrief schreibt er: „Ich stelle die Frage: Geht es noch gerecht zu in unserer Stadt? Meine Antwort lautet nein. Der Beweis ist, dass wir eine eigene weiterführende Schule wohnortnah selbst verdient haben durch fast zehn Millionen Euro über Steuern und Abgaben, die wir Reckenfelder jedes Jahr in die Stadtkasse einzahlen.“

Geradezu missionarisch ist sein Einsatz für Schule und Ort. Dass es manchmal an den Realitäten vorbeiging, sich auch wiederholte, konnte Arthur Hegel nicht anfechten. „Man muss heute gegen den Strom schwimmen, wie einst Don Quichotte,“ antwortete er im Interview auf die Frage, ob er Parallelen zu dieser historischen Figur sehe.

Gegen den Strom schwamm der 86-Jährige auch in seiner CDU , an deren Strukturen er manchmal heftig rüttelte. Doch trotz Auseinandersetzungen, die einmal gar erst durch Polizei-Intervention geklärt wurden, blieb er seiner Partei treu, die ihn 2013 für 60 Jahre Mitgliedschaft ehrte.

Reckenfeld hat einen engagierten Kämpfer, die Familie einen liebevollen Vater und Großvater verloren. Sein Einsatz und seine Geschichten werden lebendig bleiben.

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