Bürgermeister am Wochenende in Reckenfeld „Irritiert“, aber dabei

Reckenfeld -

Zur Einweihung des künftigen „Hauses der Geschichte“ war Bürgermeister Peter Vennemeyer zunächst nicht eingeladen – was diesen „stinkig“ werden ließ. Nun ist er doch dabei. Zuvor musste noch ein Konflikt um eine Reichskriegsflagge gelöst werden.

Von Oliver Hengst
Das Haus der Geschichte wird am Sonntag als zeremonieller Höhepunkt der Aktionstage zum Ortsjubiläum eingeweiht. Bürgermeister Vennemeyer war zunächst nicht dazu eingeladen, ist nun aber doch dabei.  
Das Haus der Geschichte wird am Sonntag als zeremonieller Höhepunkt der Aktionstage zum Ortsjubiläum eingeweiht. Bürgermeister Vennemeyer war zunächst nicht dazu eingeladen, ist nun aber doch dabei.   Foto: ros / sba

Ist er dabei oder nicht? Auf dem offiziellen Flyer zum Ablauf der Aktionstage „100 Jahre Geschichte Reckenfeld “ taucht Bürgermeister Peter Vennemeyer nicht auf. „Ich habe das mit dem Flyer bemängelt“, sagt der erste Bürger der Stadt auf Nachfrage. „Das war ein Fehler und der ist korrigiert worden“, erläutert Peter Vennemeyer. Und deshalb sei er am Sonntag dabei, werde das „ Haus der Geschichte “ gemeinsam mit dem Landrat einweihen.

In Reckenfeld erzählt man sich hinter vorgehaltener Hand etwas anderes: Vennemeyer habe sich selbst „aus dem Rennen genommen“, als er seinerzeit öffentlich erklärte, an etwaigen Feierlichkeiten zu 100 Jahre Reckenfeld in 2016 nicht teilnehmen zu wollen. Man dachte, dass es dabei geblieben war. Und lud Vennemeyer folglich nicht ein. Man bat die Reckenfelderin Ruth Zurheide, die Ausstellung am Donnerstag zu eröffnen und den Landrat, das Haus der Geschichte einzuweihen. Man ging nicht davon aus, dass Vennemeyer einer Einladung zu einem dieser Termine hätte folgen wollen. Um dann festzustellen, dass der Bürgermeister „stinkig“ geworden sei, dass er nicht gebeten wurde, als Stadtvertreter das Haus der Geschichte (immerhin eine Immobilie in Besitz der Stadt Greven) einzuweihen. Schließlich habe man dann doch eine Einladung ausgesprochen.

Stimmt das? War er „stinkig“? Ein kurzes Zögern in der Telefonleitung. „Ich war befremdet, irritiert“, sagt Vennemeyer. Doch das sei ausgeräumt. Er sei am Sonntag dabei, fertig aus.

Doch bevor man sich darauf verständigt habe, dass die Einweihung mit Bürgermeister stattfinden wird, musste zunächst eine weitere Hürde genommen werden: Im Haus der Geschichte, das die Entstehungsgeschichte Reckenfelds dokumentiert, soll auch eine Reichkriegsflagge ausgestellt werden. „Das ist nicht verboten, aber diese Flagge wird von einigen politischen Gruppierungen für ihre Zwecke missbraucht“, spielt Vennemeyer auf die Verbreitung des aus der Kaiserzeit stammenden Flaggen-Symbols in der nationalkonservativen und bisweilen auch der rechtsradikalen Szene an. „Ich stelle mich nicht unter eine Reichskriegsflagge “, stellt Vennemeyer unmissverständlich klar. Man habe vereinbart, dass die Flagge am Sonntag nicht zu sehen sein werde. Ob sie abgenommen oder verhüllt werde, sei ihm nicht bekannt. Klar sei nur, dass sie am Sonntag nicht präsent sei. „Und wenn es nach mir ginge, würde ich sie dort auch danach nicht hängen lassen, ehrlich gesagt.“

Bleibt nur noch eine Sache klarzustellen. „Ich werde zum Haus der Geschichte sprechen und nicht zu 100 Jahren Reckenfeld“, verdeutlicht Vennemeyer, der damit klar macht: Dass in 2016 an die Ortsgründung erinnert wird, ist aus seiner Sicht nach wie vor nicht der optimale Zeitpunkt. „Wenn es 2019 ist, ist das problemlos.“

Zur Erinnerung: Die Frage, in welchem Jahr das 100-jährige Bestehen Reckenfeld gefeiert werden soll, hatte zu einem lange währenden erbitterten Streit geführt. Verwaltung, Politiker, Gutachter, Hobbyhistoriker, Vereinsvertreter hatten sich beharkt – eine Bürgerbefragung hatte eine deutliche Mehrheit für 2016 ergeben. Die Risse sind offensichtlich bis heute noch nicht ganz gekittet.

Vor einigen Monaten wurde schließlich der Kompromiss geschmiedet, dass man in diesem Jahr an „100 Jahre Geschichte Reckenfeld“ erinnern wolle (1916 erging der Beschluss zum Bau des Munitionsdepots, aus dem später Reckenfeld entstand).

http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4317970?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686824%2F