Einklang-Philharmonie Begeisterungsstürme vor Schottland

Greven -

Die Einklang-Philharmonie wäre nicht dieses innovative Ensemble, das seit über fünf Jahren einer internationalen Musikergemeinde in Westfalen sinfonische Heimat ist, wenn nicht musikalische Kontrapunkte das Konzertprogramm bilden. Beim Konzert im Ballenlager zwischen Romantik und jazzbeeinflusster Moderne.

Von Ulrich Reske
Sinfonische Schwerstarbeit: Die vertrackte Partitur des Komponisten Daniel Schnyder führt Orchester, Solist und Dirigent an die Grenzen.
Sinfonische Schwerstarbeit: Die vertrackte Partitur des Komponisten Daniel Schnyder führt Orchester, Solist und Dirigent an die Grenzen. Foto: Ulrich Reske

Da sitzt der schwarz gewandete, weißhaarige Dirigent auf rotem Stuhl und applaudiert seinen Musikern, die er zuvor als musikalischer Kapitän auf eine Reise zur sturmumtosten Inselgruppe der Hebriden und der dunklen Felsküste Schottlands geführt hatte. Eine Geste der Anerkennung. Die schottische Sinfonie von Felix Mendelssohn Bartholdy hatte zuvor bei den knapp 100 Zuhörern im Ballenlager einen wahren Begeisterungssturm ausgelöst.

„Schreiben Sie bitte eine gute Kritik,“ mahnt die kleine weißhaarige Dame den Autor dieser Zeilen. Sie rennt offene Türen ein. Die Augen schließen und vor den Hebriden segeln, während langsam ein Sturm aufzieht. Der erste Satz steigert sich mit düsteren Streicherklängen, einem dunklen, stetig wachsenden Bläserton zu einem musikalischen Wirbelwind, ehe im zweiten Satz folkloristische Elemente den Zuhörer wieder festen Boden unter den Füßen spüren lassen. Dirigent Joachim Harder führt engagiert, aber unprätentiös durch das Werk des schon mit Ende 30 verstorbenen Multitalents Mendelssohn-Bartholdy, der nicht nur als Komponist, sondern auch als Dirigent neue Maßstäbe in der Romantik setzte.

Die Einklang-Philharmonie wäre nicht dieses innovative Ensemble, das seit über fünf Jahren einer internationalen Musikergemeinde in Westfalen sinfonische Heimat ist, wenn nicht musikalische Kontrapunkte das Konzertprogramm bilden.

So steht im dritten Einklang-Konzert des Jahres die Trompete des Solisten Peter Mönkediek im Mittelpunkt, der an diesem besonderen Abend gemeinsam mit einem Bläser dominierten Orchester das Publikum auf eine Fusion-Reise zwischen den musikalischen Welten des Jazz und der klassischen Moderne mitnimmt. „Eine wirkliche Herausforderung“, wie Solist Mönkediek und Maestro Harder in der Konzerteinführung betonen. Eine Herausforderung, die gelingt und von einem experimentierbereiten Publikum mit Höchstnoten honoriert wird. Dass es zu diesem Aufeinandertreffen kommen konnte, stand zunächst auf der Kippe. „Bei Haydn hätte ich sofort ja gesagt,“ kommentiert Mönkediek die Hardersche Anfrage zur Kooperation. Bei Daniel Schnyder, dem Schweizer, der in den Staaten lebt, bat er um zwei Tage Bedenkzeit.

Eine wilde Partitur führt Trompete und später auch das Flügelhorn zu wahrer Instrumentalakrobatik, webt das Orchester im Big-Band-Sound ein und lässt Gefühle auch in wunderbarer Blues-Manier entwickeln.

Punkt, Komma, Strich – das sind die Zeichen, die in der Partitur den Unterschied ausmachen. Vorsichtige Hinweise des Komponisten, der selbst als Saxofonist, Cellist und Flötist einen Namen hat, an die Musiker, Töne zu verzerren, vibrieren zu lassen, die verschieden geformten Dämpfer virtuos einzusetzen. Große Klasse, wie Orchester und Solist diese oft vertrackten Notenfolgen befolgen. Keine Spur davon, dass moderne Klassik oft akademisch daher kommt. Im Gegenteil, die Einklang-Philharmonie kommt ihrem Anspruch, „Philharmonie für alle“ zu sein, in bemerkenswerter Weise nach.

Ach, da war ja noch was: Sieben Minuten für eine leise dahin fließende Pastorale des Komponisten Arthur Honegger, die die Musiker und die Zuhörer quasi als Etüde auf diesen besonderen musikalischen Weltenspaziergang einstimmen.

Fazit: Einklang möge wiederkommen.

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