Betreuung von Flüchtlingen Ein Sack voller Tipps für ehrenamtliche Sprachlehrer

Greven -

Michael Weß, lange Jahre Schulleiter der Förderschule Sprache und Lernen in Greven, engagiert sich für Flüchtlingskinder. „Ich bin jetzt elf Monate im Ruhestand“, sagt der ehemalige Rektor. „Ich habe viel gemacht, vor allem im handwerklichen Bereich. Aber das reicht nicht. Ich möchte gefordert werden, etwas mit Menschen machen.“

Von Monika Gerharz
Lehrer für die Lehrer:  Meike Baumeister und Michael Weß (von rechts) hatten bei der Fortbildung einen ganzen Sack voll Tipps für Grevens Sprachpaten dabei, die von Rike Bünder (rechts) an die Schulen vermittelt werden.
Lehrer für die Lehrer:  Meike Baumeister und Michael Weß (von rechts) hatten bei der Fortbildung einen ganzen Sack voll Tipps für Grevens Sprachpaten dabei, die von Rike Bünder (rechts) an die Schulen vermittelt werden. Foto: meg

Sprachpaten? Die kümmern sich doch darum, dass Kinder lernen, dass Haus eben Haus heißt, wie man grüßt, wie die Vergangenheitsform von gehen heißt und wie der, die und das gebraucht werden, oder? Von wegen. Die Sache ist viel komplizierter. Das zeigte sich am Dienstag bei einer Fortbildungsveranstaltung des Pluspunktes für ehrenamtliche Sprachpaten. „Ich musste erst mal begreifen, dass die Kinder gewohnt waren, von rechts nach links zu schreiben und dass die Zahlen im Arabischen anders geschrieben werden“, berichtete eine der rund 60 anwesenden Ehrenamtlichen. Und eine andere sagte: „Viele wissen nicht, wie man eine Schere benutzt.“

Da kam den Sprachpaten die Schulung sehr gelegen, um sich kennenzulernen, um Probleme mit Menschen in der gleichen Lage zu besprechen, sich Dinge von der Seele zu reden – und um sich Tipps bei Experten für den Unterricht von Flüchtlingskindern zu holen. Mit dabei: Michael Weß, lange Jahre Schulleiter der Förderschule Sprache und Lernen in Greven. „Ich bin jetzt elf Monate im Ruhestand“, sagt der ehemalige Rektor. „Ich habe viel gemacht, vor allem im handwerklichen Bereich. Aber das reicht nicht. Ich möchte gefordert werden, etwas mit Menschen machen.“ Darum hat er sein Netzwerk in Greven aktiviert und unterstützt die ehrenamtlichen Sprachpaten um Rike Bünder, die an allen Grevener Schulen arbeiten, mit professionellem Rat. Zusammen mit Meike Baumeister, die Deutsch als Fremdsprache unterrichtet, und den beiden Grevener Lehrerinnen Veronika Wegener und Ingrid Hohenhorst hatte er einen Sack voll Tipps im Gepäck, wie die Sprachpaten erfolgreich arbeiten können. „Zusätzlich haben wir auch an den einzelnen Schulen alle sechs bis acht Wochen Treffen“, erläuterte Rike Bünder, dass die Unterstützung keine Eintagsfliege ist. Sollten es die Sprachpaten wünschen, wird es auch künftig Schulungen auf Stadtebene geben.

Denn der Bedarf ist da. 114 Schüler aus zwölf Nationen besuchten laut Stadt-Statistik am 14. Januar Grevener Schulen. „Aber erst am Montag haben wir wieder acht Kinder bekommen“, berichtete Ilja Kryschat aus Reckenfeld, dass die Zahl ständig steigt. In der Praxis werden überdies nicht nur Flüchtlingskinder von den Sprachpaten unterrichtet, sondern beispielsweise auch EU-Europäer, die noch kein Deutsch sprechen. „Die Zahl der Schüler, die von Sprachpaten unterstützt werden, ist deutlich höher“, sagte Weß.

Aber auch das Hilfsangebot ist überwältigend: Fast 100 Grevener haben sich gemeldet, weil sie bereit sind zu unterrichten. Rike Bünders Daueraufgabe ist es, passende Teams zusammenzustellen – keine leichte Aufgabe. „Damit es klappt mit dem Unterricht, muss die Chemie zwischen Paten, Schülern und Lehrern stimmen.“

http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3748645?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686824%2F