Aulakonzert Zwischen sinnlicher Romantik und Exotik

Greven -

Wenn so versierte Musiker den Abend gestalten, dann fasziniert solch ein kontrastreiches Werk und hinterlässt einen tiefen Eindruck: Beim Aulakonzert wurde ein spannungsgeladenes Programm geboten.

Von Axel Engels
Mit Klangfarbenreichtum und dezent eingesetzter Virtuosität überzeugten die Musiker beim Aulakonzert.
Mit Klangfarbenreichtum und dezent eingesetzter Virtuosität überzeugten die Musiker beim Aulakonzert. Foto: Axel Engels

Solch ein abwechslungsreiches und spannungsgeladenes Aulakonzert wie am Sonntag hat man lange nicht mehr erlebt. Denn „traditionell“ war das Programm sicherlich nicht, mit dem die Musikliebhaber an diesem Abend verwöhnt wurden. Leider waren nicht so viele Besucher wie erhofft gekommen, über 50 Stühle blieben in der Aula unbesetzt. Das muss man aber wohl eher den frostigen Temperaturen zuschreiben, die Musiker jedenfalls spielten auf ganz hohem künstlerischen Niveau.

Schon das erste Werk, das „Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 49“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy, war ein inspirierendes Musikerlebnis. Selten hat man eine so versierte und umsichtige Klavierbegleiterin erlebt wie Mariana Shirinyan. Sie gestaltete den anspruchsvollen Klavierpart mit Finesse und Lebendigkeit, ihr kultiviertes Spiel begeisterte durch Klangfarbenreichtum und dezent eingesetzte Virtuosität. Dabei sorgte sie im musikalischen Dialog mit der Violinistin Alissa Margulis und Sebastian Klinger am Violoncello für einen perfekten Klangausgleich. Unter ihrer „Führung“ erklang das wunderbare Trio in all seinem Glanz. So konnten auch ihre beiden musikalischen Wegbegleiter ihre ganzen Qualitäten in der Interpretation dieses von Robert Schumann in den höchsten Tönen gelobten Meistertrios ausspielen.

So romantisch-sinnlich verwöhnt wirkte das „DmitriRemix“ für Schlagzeug-Duo von Johannes Fischer vielleicht etwas exotisch. Dieses Percussionswerk wurde vom Komponisten zusammen mit Domenico Melchiorre präsentiert, so dass man von einer authentischen Interpretation ausgehen kann. Allerdings wirkte es vom Ablauf schwer nachvollziehbar, kleinste klangliche und rhythmische Fragmente waren beim konzentrierten Zuhören nicht so leicht in einen größeren Zusammenhang zu bringen. Aber sicherlich war dieses innovative Werk eine Bereicherung des eigenen Hörverständnis, denn man konnte assoziativ mit den Klangmustern Bilder der eigenen Fantasie entstehen lassen.

Nach der Pause ging es mit der „15. Sinfonie A-Dur op. 141“ von Dmitri Schostakowitsch in der Quintettfassung von Victor Derevianko in strukturiertere Musikwelten. Das vor über 50 Jahren geschriebene Werk wird oft als die Quintessenz des Lebens von Schostakowitsch bezeichnet, das mit seinen vielen Zitaten von Rossini bis Wagner auch die Einflüsse auf das musikalische Denken widerspiegelt. In der Quintettfassung des russischen Pianisten Victor Derevianko wirkte die eher introvertierte Sinfonie noch klarer und intensiver.

In der Reduzierung auf Violine, Violoncello, Klavier und Schlagzeug wurden die musikalischen Inhalte sehr transparent. Das Publikum wurde nicht von einem „üppigen“ Orchesterklang erschlagen, sondern erlebte das Quintett als in sich geschlossenes Ensemble in einem stimmigen Dialog. Dynamische Differenzierung und eine bis ins kleinste Detail adäquate Spielweise machten diese „Sinfonie“ zu einem fesselnden Hörerlebnis. Derevianko wusste die Elemente der Sinfonie von Schostakowitsch bestens in ein facettenreiches Gewand zu kleiden. Wenn dann so versierte Musiker diese Quintettfassung mit Leben erfüllen wie an diesem Abend, dann fasziniert solch ein kontrastreiches Werk und hinterlässt einen tiefen Eindruck.

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