Sommergewitter Richtig verhalten bei Unwettern

Die Sommermonate gehören normalerweise ganz dem schönen Wetter, aber die hohen Temperaturen bergen auch immer das Risiko von heftigen Gewittern. Die sind zwar faszinierende Naturschauspiele, aber zugleich eine Gefahr, die niemals unterschätzt werden sollte. Wir erklären, wie das nicht passieren kann.

Sommergewitter: Richtig verhalten bei Unwettern
Aus der Ferne beeindruckend schön, aus der Nähe eine potenzielle Gefahr für Leib und Leben. Bei Gewittern sollte nicht leichtsinnig gehandelt werden. Foto: mdesigner125

Verhaltensregeln nach dem Volksmund

Im Grunde genommen ist die Gefahr, die von einem Gewitter ausgeht, allgemein bekannt. Das zeigt sich nicht nur an der bei vielen Menschen fest verwurzelten Angst vor Blitz, Donner und Niederschlägen, sondern auch in den überlieferten Verhaltensregeln, die der Volksmund bereithält. Obwohl zu diesem vielfach eine gehörige Portion Aberglauben gehört, liegen die redensartlich gewordenen Sicherheitshinweise keineswegs daneben.

Es empfiehlt sich trotzdem, sich genauer mit den unterschiedlichen Gefahren auseinanderzusetzen, die von einem Gewitter ausgehen können – und zwar rechtzeitig vorher und nicht erst dann, wenn es draußen bereits nach Sommergewitter riecht. Dann ist es nämlich unter Umständen schon zu spät, um für völlige Sicherheit zu sorgen, denn nicht nur die dazugehörigen Blitze bewegen sich mit wahnsinniger Geschwindigkeit. Wer im Angesicht eines heranziehenden Gewitters nicht mehr genau sagen kann, ob die nahestehenden Eichen Schutz bieten oder das Gefahrenpotenzial nur weiter erhöht, bringt sich ganz unnötig in die Bredouille.

Richtig wäre übrigens, jeden Baum zu meiden, auch die Buchen, die vom Gewitter Überraschte eigentlich suchen sollen. Besonders einzelnstehende Bäume ziehen nicht nur mit größerer Wahrscheinlichkeit die Blitze an, sondern gefährden außerdem durch eventuell herabfallende Äste und Zweige das Verletzungsrisiko.

Weder Eichen noch Buchen noch irgendein anderer Baum bietet bei Gewitter Schutz – im Gegenteil erhöhen sich durch das Unterstellen nur die Risiken. Foto: Megan

Richtig ist darüber hinaus die bekannte Methode, die Entfernung eines Gewitters zu ermitteln, indem die Sekunden zwischen Blitz und Donner gezählt werden. Es gilt die Faustregel: Jede Sekunde, die zwischen einem Blitz und dem folgenden Donner verstreicht, bedeutet eine Entfernung von etwa 300 Metern. Beträgt die Differenz bereits weniger als zehn Sekunden, ist die Gefahr allerdings schon da und nicht mehr bloß im Anmarsch. In einer solchen Situation herrscht unter Umständen Lebensgefahr und geeignete Schutzmaßnahmen sind wirklich akut.

Reale Gefahr mit weitreichenden Folgen

Die Wahrscheinlichkeit, tödlich von einem Blitz getroffen zu werden, ist rechnerisch minimal, obwohl es alleine im Jahr 2017 mehr als 440.000 Blitzeinschläge in Deutschland gab. Laut Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. waren es in den vergangenen Jahren dennoch durchschnittlich fünf Menschen pro Jahr, die einem Blitzeinschlag zum Opfer fielen. Die Zahl derer, die mit Verletzungen davongekommen ist, liegt bei rund 130 Personen, dazu kommen etwas weniger, die einen Einschlag unverletzt überstanden haben.

Das klingt nach vergleichsweise wenigen Opfern, noch dazu ist ein tödlicher Treffer durch einen Blitz von vielen Faktoren abhängig, die Chance zu überleben daher relativ groß. Ein Grund für Leichtsinn sind alle diese Zahlen allerdings keineswegs. Es braucht nämlich nicht einmal einen „direkten“ Treffer, um die Folgen eines Blitzeinschlags zu spüren.

Gefährlich ist es noch einem Umkreis von 30 Metern rund um den Einschlagspunkt, weil sich der Strom von dieser Stelle aus in alle Richtungen ausbreitet. Personen, die sich innerhalb dieses Radius befinden, ermöglichen durch auseinanderstehende Füße – was wiederum kein sehr unwahrscheinliches Szenario ist – eine hohe „Schrittspannung“ : Durch den Körper fließt dann trotzdem Strom, der erhebliche Verletzungen verursachen kann.

Da hilft auch kein Schirm: Die Wahrscheinlichkeit, von einem Blitz getroffen zu werden, ist zwar nicht sehr groß, die gesundheitlichen Folgen dafür umso schwerer. Foto: Shmel

Verletzungen infolge eines Blitzeinschlags

Wie schwer solche Verletzungen ausfallen, ist den jeweiligen Umständen des Blitzschlags geschuldet. Im günstigsten Fall etwa fließt ein Großteil des Stroms über die Körperoberfläche ab – das ist eine Voraussetzung dafür, einen direkten Blitzeinschlag doch zu überleben. Ob eine derartige Situation aber wirklich einigermaßen glimpflich ausgeht oder ob der Getroffene Verletzungen davonträgt, ist im Wesentlichen von zwei Faktoren abhängig: Wo (damit ist die Körperstelle gemeint) der Mensch vom Blitz getroffen wird und, wie schon erwähnt, der Strom durch den Körper bzw. auf dessen Oberfläche fließt.

Hinzu kommen äußere Umstände wie die schon angesprochenen Bäume. Daneben ist die Berührung von metallenen Leitungen oder Gegenständen, durch die gerade der Blitzstrom fließt, mit schweren Verletzungen verbunden. Zu den häufigsten Verletzungen zählen in jedem Fall Verbrennungen an den Ein- und Austrittsstellen, die Schwere kann zwischen ersten und drittem Grad variieren. Darüber hinaus können auftreten:

  • Nerven- und Muskellähmungen in den Körperteilen, durch die der Strom geflossen ist, sowie im zentralen Nervensystem. Üblicherweise sind sie eine vorübergehende Auswirkung, was bedeutet, dass sie nach einigen Stunden oder Tagen nicht mehr zu spüren sein sollten.
  • Etwas hartnäckiger hält sich hingegen oft der erhöhte Blutdruck, der durch einen Blitzschlag verursacht wird. Bis er abgeklungen ist, können einige Monate vergehen.
  • Zu den häufigeren Begleiterscheinungen gehören außerdem zeitweise Seh- und Gehörstörungen, nicht zu vergessen Bewusstlosigkeit und Bewusstseinsstörungen als unmittelbare Folge des Blitzeinschlags.

So schmerzhaft und unangenehm diese Beeinträchtigungen sein mögen, sie sind nur in seltenen Fällen wirklich lebensgefährlich. Anders sieht das hingegen bei folgenden, möglichen Verletzungen aus:

  • Besonders schwer wirkt sich der Blitzstrom etwa auf das Herz aus, die Folgen reichen vom Herzkammerflimmern über dauerhafte Schädigungen bis hin zum Herzstillstand.
  • Schwerwiegend können auch die Schäden sein, die durch einen Blitzeinschlag im Gehirn angerichtet werden.

Tatsächlich gibt es eine Reihe langfristiger Folgen, die im Zusammenhang mit einem Blitzschlag vorkommen. Chronische Schmerzen zählen beispielsweise dazu, ebenso kann es passieren, dass der Bluthochdruck bestehen bleibt. Ist das Gehirn betroffen, kann es sogar zu Störungen des Erinnerungsvermögens oder Persönlichkeitsveränderungen kommen. Nicht zu vergessen die Verletzungen, die eher mittelbar entstehen, wie etwa Knochenbrüche, die sich Blitzopfer bei Stürzen infolge von Schockzuständen, Lähmungserscheinungen oder plötzlicher Bewusstlosigkeit zuziehen.

Bisweilen bleiben Lichtenberg-Figuren oder auch sogenannte „Strommarken“ auf der Haut sichtbar – dort hatte die Haut Kontakt mit metallenen Gegenständen wie Schlüsseln, der hindurchfließende Strom verursacht dann ein Abbild auf der Haut.

Die wichtigste Regel bei herannahenden Gewittern lautet, möglichst schnell an einem sicheren Platz vor ihnen in Deckung zu gehen. Foto: mbruxlle

Das richtige Verhalten bei Gewittern

Mehr als genug Gründe also, mit einem heraufziehenden oder sich bereits entladendem Gewitter äußerst vorsichtig umzugehen. Da es oft nicht lange braucht, bis ein Sommergewitter über einem hereinbricht, sollte man möglichst in jeder Situation in der Lage sein, das richtige Verhalten zum eigenen und zum Schutz etwaiger Begleiter an den Tag zu legen. Einige grundsätzliche Dinge wurden bereits angerissen. Ein Aufenthalt im Freien gehört bei Gewitter unbedingt zu den Dingen, die vermieden werden sollten.

Um aber rechtzeitig einen geschützten Bereich aufsuchen zu können, muss die Wetterlage korrekt eingeschätzt werden:

  • Wie die Entfernung des Gewitters bestimmt werden kann, wurde weiter oben erklärt. Grundsätzlich gilt dabei, dass das Gewitter schon weniger als zehn Kilometer entfernt ist, sobald man den Donner hören kann. Schon zu diesem Zeitpunkt sollten keine freien Flächen mehr aufgesucht und einzelnstehende Bäume gemieden werden.
  • Umgekehrt kann Entwarnung gegeben werden, wenn für den Zeitraum von einer halben Stunde kein Donner mehr zu hören war.

In Gebäuden besteht üblicherweise keine Gefahr während eines Gewitters, Vorsicht ist allerdings in manchen Altbauten geboten. Foto: Patrick Daxenbichler

Richtig Verhalten – in Gebäuden

Gebäude sollten prinzipiell ausreichenden Schutz vor einem Gewitter bieten. Das ist aber in erster Linie davon abhängig, ob ein Blitzschutzsystem vorhanden ist oder nicht. In letzterem Fall sollten einige Regeln besonders beachtet werden, da es gegebenenfalls zu verschiedenen Gefahrensituationen kommen kann. Gerade für Altbauten gilt daher:

  • Keine metallenen Leitungen anfassen, die von außen in das Haus hineinführen – Leitungen für Wasser, Gas, Strom, Telefon, die Fernwärmeversorgung und Antennenkabel sind während des Gewitters tabu.
  • Telefonieren ist zwar mit Handys und schnurlosen Geräten ohne jede Gefahr möglich, anders sieht es hingegen bei ungeschützten Anlagen aus, die ebenfalls gemieden werden sollten.
  • Baden und Duschen sind zu unterlassen. Das Problem besteht vor allem in Altbauten darin, dass die Wasserleitungen aus Metall sind und die wünschenswerte Erdung vermissen lassen. Es ist also keineswegs nur eine Geschichte, dass man auch unter der Dusche vom Blitz getroffen werden kann.

Fehlt in einem Gebäude der Überspannungsschutz, ist es außerdem ratsam, möglichst alle Stromstecker aus den Steckdosen zu entfernen – auch das ist tatsächlich kein Mythos , wenngleich in Bauten neueren Datums für solche Situationen vorgesorgt sein sollte. Ansonsten ist es der sicherste Weg, alle vorhandenen Stecker zu ziehen, um das Eindringen der hohen Spannungen durch einen Blitzschlag zu verhindern.

Richtiges Verhalten – im Freien

Natürlich ist „im Freien“ ein weiter Begriff, dennoch gibt es einige allgemeine Verhaltensregeln, die man immer im Hinterkopf haben sollte. Wie man sich in bestimmten Situationen am besten verhält, erklären wir im Anschluss im Detail.

Auf die Höhe achten

Es ist davon auszugehen, dass der höchste Punkt in der Umgebung, in der man sich gerade befindet, am ehesten von einem Blitz getroffen wird. Folgerichtig empfiehlt es sich – sofern keine anderen sicheren Rückzugsmöglichkeiten erreichbar sind –, eine möglichst tief gelegene Stelle aufzusuchen.

Wer in einer Gruppe unterwegs ist, sollte sich dabei nicht zu eng aneinanderdrängen, auch wenn dies aus Angst vor dem Unwetter vielleicht ganz automatisch passiert. Abstände von einem bis drei Metern reichen als „Sicherheitszone“ für den einzelnen vollkommen aus – das gilt im Übrigen nicht nur für andere Personen, sondern genauso für Wände, Zäune und andere Gegenstände.

„Blitzfänger“ meiden

Neben Erhebungen im Gelände sind es vor allem bestimmte Objekte, die in besonderer Weise als „Blitzfänger“ fungieren und mit größerer Wahrscheinlichkeit von einem Blitz getroffen werden. Das betrifft nicht nur die schon mehrfach zitierten einzelnen Bäume, erhöhte Gefahr geht außerdem von Baumgruppen, Waldrändern, Bergspitzen und Holzmasten von Freileitungen.

Freileitungen wie diese, Masten oder andere hochaufragende Objekte erhöhen das Risiko eines Blitzeinschlags und damit auch das Risiko für Menschen. Foto: EmotionPhoto

Grund für die größere Gefahr ist die schon erwähnte Schrittspannung, die durch einen Überschlag entstehen kann. Auch eine Flucht in den Wald hinein ist im Übrigen nur bedingt eine Hilfe: Die Wahrscheinlichkeit des Blitzschlags wird zwar durch einigermaßen gleich hoch gewachsene Bäume etwas verringert. Trotzdem ist ein Abstand von mindestens zehn Metern sicherheitshalber einzuhalten.

Metallmasten oder überhängende Dächer bieten einen gewissen Schutz, solange man sich außerhalb der direkten Gefahrenzone aufhält – auch hier sind ein bis drei Meter das Minimum, der Abstand sollte außerdem von allen Teilen gehalten werden, also von Wänden, Stützen und vor allen Dingen von allem, was zum Blitzschutzsystem gehört. Füße auch im Schutzbereich geschlossen halten.

Eine kleine Hilfestellung, um den Schutzbereich richtig eingrenzen zu können: Befindet man sich beispielsweise in der Nähe eines Fahnenmastes, dient dessen Spitze als erster Anhaltspunkt. Von dort zieht man eine gedachte Linie im 45°-Winkel bis zum Boden. So weit reicht der sichere Bereich, abzüglich des Mindestabstands von einem Meter zum Mast selbst.

Klein machen, Schrittspannung vermeiden

Diese letzte Maßnahme ist überhaupt an allen Orten bestens geeignet, das Einschlagrisiko zu verringern. Zusätzlich dazu geht man noch in die Hocke.

Verhalten je nach Situation

Das gute Wetter im Sommer zieht natürlich zu verschiedensten Aktivitäten nach draußen. Die bisher genannten allgemeinen Verhaltensregeln werden dadurch grundsätzlich nicht außer Kraft gesetzt, allerdings ist es je nach Situation angebracht, weitere Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Nachfolgend beschreiben wir einige Gelegenheiten, die unter Umständen solche zusätzlichen Maßnahmen erforderlich machen.

Sportliche Aktivitäten im Freien sollten unverzüglich unterbrochen werden, wenn sich ein Gewitter ankündigt. Foto: Tanja Esser

Sport und Freizeit

Wenn es um die Gestaltung der Freizeit geht, sind einige Aktivitäten erfahrungsgemäß gefährlicher im Zusammenhang mit Unwettern. Dazu gehört etwa das Golfen: Offenes Gelände mit vielen freien Flächen, gesäumt von vereinzelten Bäumen oder Baumgruppen. Insgesamt ist die Gefahr eines Blitzschlags schon durch diese Bedingungen stark erhöht. Ganz gleich, wie gut die aktuelle Runde gerade läuft, ist eine sofortige Spielunterbrechung die beste Lösung – sofern sie nicht unter besagten Bäumen verbracht wird.

Ähnlich verhält es sich im Übrigen beim Fußball. Immer wieder kommt es vor, dass Spieler auf dem Platz direkt von einem Blitz getroffen werden, weshalb auch hier unbedingt vom Weiterspielen abgesehen werden sollte. Spieler, Trainer und Schiedsrichter sollten sich hier den Wert der eigenen Gesundheit vor Augen führen und das Spielfeld umgehend verlassen.

Jäger stehen schon prinzipiell vor dem Problem, sich meist in einem einschlagsgefährdeten Gelände aufzuhalten – entweder im Wald oder auf freiem Feld. Hinzu kommt, dass sie sich beim Jagen auf Hochstände zurückziehen, was natürlich einen besseren Überblick gewährt, aber auch das Blitzschlagrisiko erhöht. Zieht ein Gewitter auf, sollten Jäger deshalb nicht zögern und so schnell wie möglich versuchen, in einen sicheren Bereich zu gelangen.

In den Bergen

Aktivurlaub in den Bergen ist nach wie vor sehr beliebt, bei Unwettern gehen von der felsigen Umgebung aber besondere Gefahren aus:

  • Der Blitzstrom kann durch den felsigen Untergrund sehr weit fließen, so dass oft schon die Berührung einer Felswand – weil man sich abstützen muss oder anlehnen möchte – ausreicht, damit der Strom in den Körper gelangt.
  • Der schnell fließende Blitzstrom reicht außerdem manchmal aus, um eine Person von der Felswand wegzuschleudern, was an kritischen Stellen die Gefahr eines Absturzes erhöht.

Im Gebirge ändert sich die Wetterlage bisweilen sehr schnell, deswegen sollte schon im Vorfeld von Bergtouren der Wetterbericht gecheckt werden. Foto: progarten

In Gebirgslagen ändert sich die Wetterlage darüber hinaus oft sehr schnell und unvorhergesehen, weshalb Bergtouren schon bei den ersten Anzeichen eines aufziehenden Unwetters abgebrochen werden sollten. Überhaupt ist bei geplanten Bergtouren Voraussicht gefordert:

  • Sind bereits Gewitter angekündigt, sollten keine größeren Touren begonnen werden, sondern besser solche, die bereits um die Mittagszeit enden. Damit geht man Sommergewittern, die sich vorwiegend im Nachmittag oder Abend entladen, aus dem Weg. Der vorherige Blick auf den Wetterbericht ist selbstverständlich immer Pflicht, es stehen inzwischen diverse hilfreiche Online-Dienste für die Tourenplanung zur Verfügung, um stets auf dem neuesten Stand zu sein.
  • Genauso ist es Pflicht, während einer Bergtour immer ein Auge auf die aktuelle Wetterlage zu haben – nur so kann rechtzeitig der Rückweg angetreten oder ein sicherer Unterstand aufgesucht werden.

Sollte es selbst bei sorgsamsten Vorsichtsmaßnahmen dazu kommen, dass man vom Unwetter überrascht wird, sollten folgende Verhaltensregeln beherzigt werden:

  • Alle offenen Flächen oder Bereiche, die Wasser führen, unbedingt meiden und die oben beschriebene Haltung einnehmen. Wird isolierende Ausrüstung mitgeführt, dann eventuell auf diese hocken (hierzu genügt schon ein trockener Rucksack oder ein Seil). Für Gruppen gelten die schon genannten Sicherheitsabstände zwischen den Gruppenmitgliedern.
  • Ausrüstungsgegenstände aus Metall sind hingegen so weit entfernt wie möglich abzulegen.
  • Auf Klettersteigen mit Selbstsicherung sollte auf die Sicherung aber nicht verzichtet werden, um bei eventuellen Steinschlägen nicht unvorbereitet zu sein. Experten raten aber dazu, unter solchen Umständen statt des Drahtseils (das bei einem Blitzeinschlag wie ein riesiger Blitzableiter funktioniert) vorhandene Eisenklammern zu verwenden.

Hinweis: Den besten Schutz bei einem Sommergewitter im Gebirge bieten Hütten oder Biwakschachteln mit Blitzableitern. Bei offenen Unterständen oder Zelten gibt es hingegen keine Garantie für wirksamen Schutz.

Am und auf dem Wasser

Wassersport ist im Sommer ein großes Thema, selbst wenn es sich dabei am Ende nur um Versuche handelt, sich von der Hitze etwas abzukühlen. Allerdings ist jegliche Aktivität im Wasser, vom Waten am Strand bis zum Segeln auf offener See, während eines Gewitters potenziell lebensgefährlich. Das hat verschiedene Gründe: Zum einen ist auf dem Wasser nur allzu leicht, der höchste Punkt über der Oberfläche zu sein, dazu reicht bereits der Kopf, der beim Schwimmen über Wasser gehalten wird.

An und auf dem Wasser sind die Gefahren durch ein Gewitter besonders groß, dazu muss man nicht einmal hinaus aufs Meer. Foto: Gerald

Zum anderen entladen sich Blitze über dem Meer besonders heftig, auch wenn die Gründe dafür bislang unklar sind. Dass das Wasser zudem ein guter Leiter ist und den Strom auch über Entfernungen von mehr als 100 Metern fließen lassen kann, kommt nur noch erschwerend hinzu.

Für Schwimmer und andere Wassersportler sowie Angler gilt daher die Devise, das Wasser und den Uferbereich so schnell wie möglich zu verlassen. Seglern dürfte das deutlich schwerer fallen, sie haben darüber hinaus das Problem, dass die Bootsmasten ein einladendes Ziel für einschlagende Blitze darstellen. Sie fungieren mit anderen Teilen des Bootes aber gleichzeitig als Blitzableiter. Alle Personen, die sich auf dem Boot befinden, sollten dann aber ausreichend Abstand zu allen Metallteilen halten.

Unterwegs im Straßenverkehr

Das Auto gehört zu den sichersten Rückzugsorten, die man bei Gewittern aufsuchen kann – die Metallkarosserie wirkt wie der berühmte „Faraday’sche Käfig“ und leitet den Strom außen in die Erde ab, ohne dass er ins Fahrzeuginnere gelangen könnte. Achtung: Bei Fahrzeugen mit einer Glasfaserkarosserie liegt der Fall wieder anders, das gilt vor allem für Wohnmobile sowie Cabrios, die kein Dachgerüst oder keine Überrollbügel aus Metall haben. Ein verschlossenes Verdeck hilft dann auch wenig bis gar nichts.

Überhaupt sollte das Prinzip des Faraday’schen Käfigs nicht zu Leichtsinn führen, denn selbst wenn für die Fahrzeuginsassen keine Gefahr besteht, kann das Fahrzeug durch ein Gewitter trotzdem in Mitleidenschaft gezogen oder das Fahren allgemein gefährlicher werden:

  • Die Hitze, die der abgeleitete Strom verursacht, kann beispielsweise Reifen beschädigen, das elektromagnetische Feld wirkt sich womöglich auf die Elektronik aus – die deshalb nach einem Gewitter auf ihre Funktionsfähigkeit getestet werden sollte.
  • Blitz und Donner können während des Fahrens ablenken, Fahrfehler sind die Folge. Erschwert wird dieser Umstand meist durch starken Regen, der die Sicht behindert.
  • Signalanlagen wie Ampeln, die ansonsten für Sicherheit im Straßenverkehr sorgen, können durch ein Gewitter ausfallen.

Autofahren wird durch starke Niederschläge im Zuge eines Gewitters schon schwieriger, noch dazu leidet das Auto womöglich, wenn es vom Blitz getroffen wird. Foto: FAFANJA

Für Autofahrer empfiehlt es sich daher, im Zweifelsfall auf die Schutzfunktion des Autos zu vertrauen, damit aber erst weiterzufahren, wenn das Gewitter abgezogen ist. Für Fahrrad- und Motorradfahrer ist das sogar dringend angeraten: Dass die Gummireifen einen ausreichenden Schutz darstellen, ist ein weiterer Mythos, der sich als fatale Fehleinschätzung erweisen kann. Deshalb gilt: Absteigen, Sicherheitsabstand wahren und einen sicheren Unterstand suchen.

Rechtzeitig handeln, Gefahren vermeiden

Gewitter verursachen nicht ohne Grund bei vielen Menschen Angst, denn so imposant das Wetterphänomen ist, so gefährlich kann es sein. Allerdings nur, wenn man sich ihm völlig unvorbereitet aussetzt. Tatsächlich gibt es zahlreiche Wege, die von einem Gewitter ausgehenden Gefahren weitestgehend zu minimieren.

Wichtig ist dabei vor allen Dingen, die nötige Umsicht walten zu lassen. Also rechtzeitig einen sicheren Bereich aufsuchen, keine unnötigen Risiken eingehen und zunächst das leibliche Wohlergehen voranstellen. Sachschäden lassen sich normalerweise wieder beheben , aber die gesundheitlichen Folgen für einen Menschen im schlimmsten Fall nicht mehr. Deshalb ist das richtige Verhalten bei Gewitter umso wichtiger – weil es Leben retten kann.

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