Finanzen
Weniger Steuern durch Heirat? So viel Geld spart man wirklich

Für die meisten Paare ist die Hochzeit eine Herzensangelegenheit. Aber auch mehr Geld auf dem Lohnzettel ist für viele ein Grund zu heiraten. Dass auch der Staat die Eheschließung schätzt, zeigt sich an Vorteilen bei der Steuer. Was eine andere Steuerklasse, zusätzliche Freibeträge und Ehegattensplitting tatsächlich bringen.

Mittwoch, 22.05.2019, 11:13 Uhr aktualisiert: 22.05.2019, 11:20 Uhr
Heiraten bringt auch finanzielle Vorteile mit sich. Foto: Pixabay.com / Free-Photos

Wechsel der Steuerklasse nach der Heirat

Nach der Heirat stehen verheirateten Personen und solchen, die in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben, drei Optionen in Sachen Steuerklassen zur Verfügung. Welche dieser drei Optionen die beste ist, ist unter anderem vom Einkommen beider Partner abhängig. Der Fiskus teilt jeden Steuerzahler in eine der insgesamt sechs verschiedenen Steuerklassen ein.

Generell werden beide berufstätige Paare nach ihrer Heirat jeweils in die Steuerklasse IV eingeteilt. Auf Wunsch lässt sich diese Kombination aber auch ändern . Wenn sich die Einkommenssituation eines Partners ändert, kann dieser Schritt sinnvoll sein, um die Steuerklasse an die veränderten Gegebenheiten anzupassen. Ein Wechsel ist einmal pro Jahr möglich, und muss beim zuständigen Finanzamt schriftlich beantragt werden. Gültigkeit hat dieser Wechsel dann ab dem Folgemonat.

Für verheiratete Paare ergeben sich bei der Wahl der Steuerklasse grundsätzlich drei Möglichkeiten:

  • Wenn beide Partner ein etwa gleich hohes Einkommen erzielen, ist in der Regel die Kombination der Steuerklassen IV und IV sinnvoll.
  • Wenn einer der Partner mindestens 60 Prozent des gemeinsamen Einkommens erzielt, macht oft die Kombination der Steuerklassen III und V Sinn, da der Besserverdienende in der Steuerklasse III spürbar weniger Abzüge hat. Aber Achtung: Je größer der Einkommensunterschied beider Partner ist, umso höher ist auch die Wahrscheinlichkeit einer Steuernachzahlung, weil die Person in Steuerklasse V über das ganze Jahr hinweg eben deutlich weniger Lohnsteuer zu zahlen hat. 
  • Seit dem Jahr 2009 besteht zudem die Möglichkeit der Steuerklassenkombination IV und IV mit Faktor. Das Finanzamt berücksichtigt hierbei den Splittingvorteil schon während des laufenden Jahres und nicht erst nachträglich.

Das Ehegattensplitting

Eingetragene Lebenspartner oder Ehepartner haben die Wahl, sich steuerlich zusammen veranlagen zu lassen. In diesem Fall wird das Paar vom Finanzamt wie eine einzige Person behandelt. Das Finanzamt addiert hierbei die Einkommen beider Partner und teilt diese Summe dann durch zwei. Dieser Betrag wird anschließend verdoppelt und bestimmt dann die Höhe der Einkommensteuer. Grundlage für das zu versteuernde Einkommen ist in diesem Fall die Splitting-Tabelle im Einkommensteuerrecht . Da der Tarifverlauf der Einkommensteuertabelle progressiv ist, ergibt sich hierdurch für das Paar ein steuerlicher Vorteil, der sogenannte Splittingvorteil. Dieser fällt umso größer aus, je weiter beide Einkommen auseinanderliegen. Der maximale Vorteil ergibt sich, wenn ein Partner ein Einkommen von mehr als 500.000 Euro erzielt und der andere Partner keine Einnahmen hat. Wenn beide Partner etwa gleich viel verdienen, macht sich der Splittingvorteil hingegen so gut wie gar nicht bemerkbar. In der Regel ist die Steuerlast durch dieses Splitting für das Paar geringer, als wenn beide einzeln ihre Steuererklärung abgeben.

Beispiel:

Ein Arbeitnehmer hat einen Bruttoverdienst von 50.000 Euro pro Jahr, während sein Partner 15.000 Euro brutto im Jahr erzielt. Würden sich beide Partner getrennt veranlagen lassen oder wären nicht verheiratet, würde eine Einkommensteuer von insgesamt 13.911 Euro anfallen. Erfolgt hingegen eine gemeinsame Veranlagung, fällt die Steuerlast durch den Splittingvorteil mit 12.530 Euro deutlich geringer aus. Das Paar spart also 1.381 Euro Einkommensteuer.

Tipp:

Wenn es möglich ist, sollte die Eheschließung vor dem 31. Dezember eines Jahres erfolgen, da der Splittingvorteil rückwirkend für das abgelaufene Jahr gilt. Das Paar gilt aus steuerlicher Sicht also seit dem 1. Januar des aktuellen Jahres als verheiratet, und kommt in den vollen Genuss des Splittingvorteils.

Berechnungsbeispiel: Steuerbelastung vor und nach der Hochzeit

Die möglichen steuerlichen Vorteile aus der Eheschließung sollen das folgende Rechenbeispiel verdeutlichen (Quelle: brutto-netto-rechner24.de ).
Nehmen wir in unserem Beispiel einen 35-jährigen Single, der einen monatlichen Bruttolohn von 3.500 Euro erzielt, in Baden-Württemberg lebt und keine Kinder hat . Steuerliche Freibeträge sind in diesem Beispiel der Einfachheit halber nicht berücksichtigt.
Vor der Hochzeit mit seiner Partnerin hat er eine monatliche Steuerlast von 578 Euro, was pro Jahr einen Betrag von 6.941 Euro ergibt. Netto bleibt ihm damit (nach Abzug der Sozialversicherungen) noch ein Betrag von 2.218 Euro pro Monat (26.626 Euro pro Jahr).

Nach der Eheschließung mit seiner Partnerin, die selbst keine Einkünfte erzielt, entscheidet er sich, die Steuerklassenkombination III und V zu wählen. In diesem Fall muss das Paar jeden Monat einen Betrag von 291 Euro an Steuern abführen, was eine jährliche Steuerlast von 3.492 Euro bedeutet. Netto bleibt dem Paar pro Monat ein Betrag von 2.506 Euro (pro Jahr bleibt ein Nettoverdienst von 30.076 Euro nach Abzug der Sozialversicherungen) und damit rund 300 Euro mehr als vor der Hochzeit. Die steuerliche Belastung hat sich nach der Heirat also etwa halbiert. Wäre der Alleinverdiener nach der Heirat in Steuerklasse IV geblieben, hätte die steuerliche Belastung pro Monat exakt den Abgaben gemäß Steuerklasse I entsprochen. Das Paar hätte in diesem Fall aber natürlich die Möglichkeit gehabt, die zu viel entrichtete Steuerschuld durch eine Steuererklärung vom Finanzamt zurückzuerhalten. 

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