E-Sport-Befragung
Stimmt das Bild vom dicken, ungesunden Zocker?

Der E-Sport - das wettbewerbsmäßige Zocken bei Computerspielen gilt als großer Trend unter Jugendlichen. Aber wer sind diese E-Sportler eigentlich? Und leben sie gesund? Eine Befragung der Deutschen Sporthochschule wirft ein Schlaglicht auf die Szene.

Donnerstag, 17.01.2019, 17:44 Uhr aktualisiert: 17.01.2019, 17:52 Uhr
Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter führt an der Deutschen Sporthochschule Köln einen Test zur Leistungsdiagnose von E-Sportlern vor. Foto: Marius Becker

Köln (dpa) - Das Klischee vom typischen Computerspieler ist schnellzusammengezimmert: eher unsportlich, eher übergewichtig, eher amdumpfen Geballer interessiert. Die Deutsche Sporthochschule Köln hatdieses Bild nun gegengeprüft und E-Sportler über ihren Alltag undihre Gesundheit befragt.

Im Fokus standen also Menschen, die am Computer oder an derKonsole gegeneinander Wettkämpfe ausfechten. Das Fazit derForscher: Die Klischees sind überholt - aber beim Essen, bei derRegeneration und bei der Bewegung gibt es durchaus Luft nach oben.

«Die Risikogruppe ist für uns der Hobby-Sportler, der Hobby-Gamer»,erklärte der Kölner Sportwissenschaftler Ingo Froböse amDonnerstag. Grund sei, dass diese - anders als viele Profis, die mitZocken ihr Geld verdienen - zum Teil völlig unkontrolliert undungehemmt losspielten. Ausgleichsphasen für die Zeit am Bildschirmgingen dadurch verloren. Hinzu käme unregelmäßiges Trinken und Essenund geraubte Schlafzeit. Vor allem an den «ambitioniertenBreitensport» müsse man daher ran, sagte Froböse. «Die ernähren sichnicht gut, die sitzen viel zu viel, die machen kaum körperlicheAktivität als Ausgleich. Für die ist Gamen Lebenselixier.»

Beim E-Sport werden Spiele wie «League of Legends», «Counter-Strike»oder die Fußball-Simulation FIFA auf Wettbewerbsebene ausgefochten.Es haben sich Ligen und hohe Preisgelder etabliert - die Szene giltals Boom-Branche. In die Studie flossen nun rund 1200 Datensätze ausFragebögen ein. Die Links zu den Fragebögen hatte die Hochschuleunter anderem bei E-Sport-Veranstaltungen und in E-Sport-Forenverbreitet. Daraus leiteten die Autoren ein Bild desdurchschnittlichen E-Sportlers ab: männlich, 23 Jahre alt, hoheSchulbildung. Im Schnitt wird drei bis vier Stunden am Tag gespielt.

Da jeder bei der Befragung mitmachen konnte, sind die Ergebnisse eherals Schlaglicht auf die Gamer-Szene zu werten - aufgrund desForschungsdesigns sind sie im engeren Sinne nicht repräsentativ. Auchwurden Kausalitäten nicht immer ganz genau untersucht.

Die Daten deuten aber an: Wer mehr spielt, sitzt länger. Und werlänger sitzt, beurteilt seine Gesundheit eher schlechter. DieBefragten gaben zudem im Mittel an, rund 40 Minuten weniger zuschlafen als der deutsche Durchschnitt. «Die haben Jetlags, das isteinfach so. Weil sie eben zu ganz verschiedenen und ungünstigenZeiten spielen», sagte Froböse. Denn: Die Hälfte der Befragten spieltals Hobby neben dem Job oder der Ausbildung.

Ein Großteil hat den Auskünften zufolge zudem Übergewicht. «Das istauffällig», sagte Froböse. Die E-Sport-Gruppe liege nämlich über demGesamtdurchschnitt in dieser jüngeren Referenzgruppe. Das sei auchein Grund, warum man sich mit E-Sportlern beschäftigen sollte. «Wasman hier sät, wird die Gesellschaft später ernten müssen», sagte er.Die Studie entstand in Kooperation mit der AOK Rheinland/Hamburg.

Folgt man den Antworten in den Fragebögen, trifft das Klischee vombewegungsfaulen Zocker gleichzeitig aber nicht zu. Nur 16 Prozentgaben an, überhaupt keinen klassischen Sport zu betreiben. Die großeMehrheit erklärte, etwa zum Fitnesstraining zu gehen oder zu joggen.

Der an der Studie nicht beteiligte Experte Jörg Müller-Lietzkow vonder Universität Paderborn warnte allerdings davor, an ein Bild vomDurchschnittszocker zu glauben. «Den gemeinen E-Sportler gibt esnicht. Es gibt ja auch nicht den gemeinen Fußballer, sondern es gibtebenso Profis in der Bundesliga bis zu Leuten, die ab und zu auf denBolzplatz gehen», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. «Man mussdiese vielen Ebenen unterscheiden.»

Wer einen dauerspielenden Teenager im Haus hat, der im E-Sport Erfolghaben will, muss sich daher auch nicht unbedingt Sorgen machen. «Eskommt immer auf den gesunden Abstand an. Ich würde nichtgrundsätzlich davor warnen, in die E-Sport-Szene zu gehen. Man sollteaber die Kontrolle über sein Leben behalten», sagte Klaus Wölflingvon der psychosomatischen Klinik der Universitätsmedizin Mainz.«Solange der Spieler das Gefühl hat, dass es um Entertainment geht,man einen intakten Freundeskreis hat und auch in der Lage ist,Abstinenzphasen einzulegen, ist alles okay.»

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