Nach Russland-Urteil Verärgert: Bach fordert Reformen beim Sportgerichtshof CAS

Das umstrittene Russland-Urteil soll Folgen haben. IOC-Präsident Thomas Bach fordert eine Reform des höchsten Sportgerichts CAS. 15 russische Athleten und Trainer können auf die Zulassung zu den Pyeongchang-Spielen hoffen - für den DOSB-Chef eine «Hiobsbotschaft».

Von dpa
IOC-Präsident Thomas Bach fordert Reformen beim Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne.
IOC-Präsident Thomas Bach fordert Reformen beim Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne. Foto: Michael Kappeler

Pyeongchang (dpa) - IOC-Präsident Thomas Bach hat überhaupt kein Verständnis für die Aufhebung der lebenslangen Olympia-Sperren von 28 russischen Athleten durch den Internationalen Sportgerichtshof (CAS).

«Das war extrem enttäuschend und überraschend für das IOC», sagte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees verärgert. «Wir hatten niemals damit gerechnet.»

Der promovierte Jurist fordert nun eine Strukturreform des CAS, um eine bessere «Qualität und Konstanz der Rechtsprechung» zu garantieren. «Wir können nicht riskieren, dass der CAS seine Glaubwürdigkeit bei den Athleten verliert», sagte Bach bei seinem ersten öffentlichen Auftritt vor Beginn der Pyeongchang-Spiele am Freitag. Das CAS hatte die vom IOC im russischen Dopingskandal verhängten Sanktionen gegen 28 Athleten komplett aufgehoben und die Sperren für elf weitere Sportler deutlich reduziert.

Das «Olympische Team aus Russland» kann bei den Winterspielen in Pyeongchang nun auf Zuwachs hoffen. Das IOC hat nach dem CAS-Urteil die Klärung des Startrechts von weiteren 13 Athleten und zwei Trainern an die unabhängige Prüfkommission weitergereicht. Das Gremium unter Vorsitz der französischen Ex-Sportministerin Valérie Fourneyron hatte zuvor 169 russische Athleten aus einer Liste von ursprünglich 500 Sportlern zu den Spielen in Südkorea eingeladen.

Die Russen dürfen nur unter neutraler Fahne, ohne eigene Hymne und ohne die Team-Kleidung ihres Landes teilnehmen. Zu den 13 jetzt noch möglichen Nachrückern gehören auch die Olympiasieger Alexander Legkow (Ski-Langlauf) und Alexander Tretjakow (Skeleton).

«Täglich folgen neue Hiobsbotschaften für unsere Athleten - das ist mehr als bedauerlich. Es wäre fatal, wenn die Betrüger von Sotschi nun in Pyeongchang erneut an den Start gehen dürfen», sagte Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. Man könne nur hoffen, dass die beauftragte Kommission gegen eine Zulassung der russischen Athleten von Sotschi stimmt.

Das IOC hat aber noch die Hoffnung, mit einem Einspruch beim Schweizer Bundesgericht die Zulassung der 15 Russen zu verhindern. Dazu benötigt das IOC die komplette Urteilsbegründung vom CAS, die jedoch erst für Ende Februar avisiert wurde. «Ja, wir erwägen es, wenngleich es nur sehr begrenzte Möglichkeiten gibt», bestätigte Bach. Das Bundesgericht entscheidet lediglich über mögliche Verfahrensfehler, nicht über Inhalte des CAS-Urteils.

Abgewiesen hatte das Schweizer Gericht zuletzt die Klage von sechs russischen Wintersportlern. Die Gruppe um den sechsmaligen Eisschnelllauf-Weltmeister Pawel Kulischnikow gehört zu den vielen Athleten aus Russland, denen das IOC und die Prüfkommission nach dem Doping-Skandal die Einladung zu den Pyeongchang-Spielen verweigerten.

Eine Neuvergabe der Olympia-Medaillen von Sotschi, die nach der Aberkennung von Gold, Silber oder Bronze überführter Doper notwendig ist, muss wegen des juristischen Tauziehens verschoben werden. Im Falle einer erneuten Kehrtwende vor Gericht könnte Rodler Andi Langenhan auf den Bronze-Rang in den Sotschi-Ergebnislisten vorrücken und die deutsche Bilanz auf 20 Medaillen verbessern.

Kurz vor Beginn der Spiele in Südkorea sorgten auch Enthüllungen über dopingverdächtige Blutwerte von Ski-Langläufern, die in den vergangenen 16 Jahren insgesamt 313 Medaillen bei Olympia und Weltmeisterschaften gewonnen haben, für Unruhe. Es handelt sich um fast die Hälfte aller Langlauf-Medaillen, die bei diesen Titelkämpfen zwischen 2001 und 2017 vergeben wurden. Das berichteten die ARD-Dopingredaktion, die «Sunday Times», das schwedische Fernsehen SVT und das Schweizer Digitalmagazin republik.ch.

Dem Rechercheverbund war eine Datenbank mit rund 10 000 Bluttests von fast 2000 Wintersportlern zugespielt worden, auf der die ungewöhnliche Häufigkeit verdächtiger Blutwerte dokumentiert sein soll. Die Daten zeigten auch, dass mehr als 50 Langläufer auf der Qualifikationsliste der Winterspiele bei Bluttests auffällige Werte aufwiesen Die größte Anzahl an Athleten mit suspekten Werten stamme aus Russland. Darunter sollen Langläufer sein, die rund 60 Medaillen holten. Loipen-Stars aus Norwegen, Deutschland, Schweden und Italien, die mutmaßlich manipuliert haben, werden rund 100 Medaillengewinne zugeschrieben.

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