Fußball: 3. Liga Preußen-Neuling Al-Hazaimeh hofft auf Umschwung gegen Ex-Club Lotte

Münster -

Nach seinem Wechsel von den SF Lotte zu Preußen Münster in diesem Sommer lief für Jeron Al-Hazaimeh längst nicht alles nach Wunsch. Nun kommt es zum Wiedersehen mit dem Ex-Club. Für den Verteidiger eine gute Gelegenheit, um die Kurve zu kriegen. Der neue Trainer soll gleich auf ihn aufmerksam werden.

Von Thomas Rellmann
Mann mit Tempo und Power: Jeron Al-Hazaimeh (l.) kam in den ersten Partien als Linksverteidiger zum Einsatz, musste dann innen aushelfen und fand sich nach einer Verletzung zuletzt auf der Tribüne wieder.
Mann mit Tempo und Power: Jeron Al-Hazaimeh (l.) kam in den ersten Partien als Linksverteidiger zum Einsatz, musste dann innen aushelfen und fand sich nach einer Verletzung zuletzt auf der Tribüne wieder. Foto: Jürgen Peperhowe

Die Frage ist gemein und doch liegt sie auf der Hand. Wechsel schon bereut? Jeron Al-Hazaimeh gab im Sommer, als der Drittliga-Aufstieg der SF Lotte noch nicht feststand, seine Zusage für einen Transfer zu Preußen Münster in eben diese Klasse. Nun, etwa fünf Monate später, ist sein Ex-Team Vierter und die Überraschung schlechthin. Und in seiner neuen Mannschaft, die nach einem ausgemachten Fehlstart auf einem Abstiegsplatz rangiert, war der 24-Jährige zuletzt nicht mal im Kader.

Es gäbe durchaus Gründe, warum es für den Deutsch-Ägypter noch nicht rund läuft. Etwa hatte er inklusive Relegation eine vier Wochen längere Saison als seine Kollegen, stieg aber sofort in die Vorbereitung ein. Doch davon will der Profi nichts wissen: „Es wäre eine billige Ausrede. Wir haben das Training so angepasst, dass ich nicht übersäuere.“ Oder in den Testspielen, da musste Al-Hazaimeh, der in Lotte eine überragende Serie als Außenverteidiger hingelegt hatte, immer wieder im Abwehrzentrum aushelfen mangels Kaderbreite. Kein Problem, sagt er. „Es ist ja eigentlich meine Hauptposition, ich bin damals links nur eingesprungen.“

In einer taumelnden Mannschaft blieb auch er in den ersten Wochen nicht fehlerfrei. Es folgten ein Faserriss im Hüftbeuger und eine Zerrung der Rückenmuskulatur, dazwischen ein glückloses Intermezzo in der Innenverteidigung beim 1:4 in Frankfurt. Außen hat ihm nun Rückkehrer Benjamin Schwarz den Rang abgelaufen. Nachdem ihn Interimscoach Cihan Tasdelen zuletzt auf die Tribüne setzte, kommt der Neuanfang unter „Feuerwehrmann“ Benno Möhlmann also gerade recht. „Es war überraschend, dass ich nicht im Aufgebot war. Jetzt will ich Gas geben, aber so denkt natürlich jeder. Die Karten werden neu gemischt“, erzählt der Defensivmann mit Vorwärtsdrang. „Der neue Trainer ist sehr sachlich und arbeitet sehr spezifisch. Die ersten Tage haben Spaß gemacht.“ Die Verteilung der Leibchen lasse noch keine Rückschlüsse darauf zu, wem der Routinier vertraut. „Alles wild gemixt, auch die Positionen“, verrät Al-Hazaimeh, den Ex-Coach Horst Steffen im Sommer in den Mannschaftsrat berief. Sein Nachfolger lässt diesen vorerst unangetastet.

Am Samstag (14 Uhr) also geht es nach Lotte. Zurück ans Autobahnkreuz, wo sich der gebürtige Düsseldorfer einen exzellenten Ruf erwarb. „Meisterschaft, Aufstieg, Qualifikation für den DFB-Pokal – ist doch klar, dass man nach so einer Saison einen besonderen Bezug behält. Das war einfach ein sehr schönes Jahr“, erzählt er. „Zu 80 Prozent der Mannschaft habe ich noch Kontakt, es gibt auch noch eine gemeinsame Whatsapp-Gruppe. Das war schon wie eine kleine Familie. Und natürlich freue ich mich auf das Wiedersehen.“

Die Schwärmerei, darauf legt er Wert, solle aber nicht seinen aktuellen Club entwerten. „Wir haben hier auch einen guten Teamgeist, aber wir müssen jetzt so schnell wie möglich wieder in die Spur finden und uns an den Spielen orientieren, in denen wir auch nach Rückschlägen nicht aufgesteckt haben.“ Was spricht denn vor dem Nachbarschaftsduell eigentlich für Münster ? „Vielleicht ist es ein kleiner Vorteil, dass die Tabelle sagt, dass wir Außenseiter sind“, so Al-Hazaimeh. Er erwähnt nicht, dass der jüngste Trend für seinen derzeitigen Verein spricht. Aus den vergangenen drei Partien holten die Preußen vier Zähler – die Sportfreunde nur auf einen.

Bliebe die Antwort auf die Eingangsfrage, ob ihm sein Entschluss, Lotte zu verlassen und beim SCP sein Glück zu versuchen, schon mal leid getan habe. Klare Ansage: „Nein! So darf man nicht denken, das wäre auch völliger Schwachsinn. So ist Fußball manchmal, es kann sich alles immer sehr schnell drehen“, sagt Al-Hazaimeh. Er weiß: Ein Sieg am Samstag könnte diese Prognose beschleunigen.

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