Fußball: 3. Liga Preußen reloaded mit Seinsch, Roberg und Mister X

Münster -

Die neue Zeitrechnung beim SC Preußen beginnt am Donnerstag. Dann stellt der Aufsichtsrat das neue Personal für den Vorstand und das eigene Gremium vor. Einiges scheint klar. Fabian Roberg wird Nachfolger von Thomas Bäumer, Walther Seinsch spielt eine gewichtige Rolle. Doch wer wird Präsident?

Von Thomas Rellmann
Walther Seinsch trieb einst sein Stadionprojekt auch in Augsburg erfolgreich voran.
Walther Seinsch trieb einst sein Stadionprojekt auch in Augsburg erfolgreich voran.

Gut gehütet sind die meisten Personalien, Projekte und Visionen, die der Aufsichtsrat des SC Preußen an diesem Donnerstag kommunizieren möchte, allemal. Dies und jenes ist hier und da mal nach außen gedrungen, doch die Spannung in den Reihen der Fans und Beobachter ist riesig. Der Begriff der Zeitenwende ist wohl nicht zu hoch angesetzt. Es geht um nicht weniger als die Zukunft des 110-jährigen Traditionsclubs und den Versuch, den Profifußball-Standort Münster überlebensfähig zu halten.

Was ist schon durchgesickert? Der einstige Macher des Bundesligisten FC Augsburg, Walther Seinsch, soll eine wichtige Rolle im Präsidium spielen . Rechtsanwalt Frank Westermann führte in seinem Auftrag zuletzt die zentralen Gespräche. Noch gibt es keine Aussage, in welcher Form sich der in Münster wohnhafte Unternehmer einbringt, wen er mitbringt, was er bietet und was er verlangt. Sein großes Thema war immer ein nagelneues Stadion. Ein auch in Augsburg angewendetes Modell mit Seinsch als größtem Investor ist denkbar.

Gerüchte besagen, dass am FMO in Greven für diesen Plan eine geeignete Stelle erörtert wird. Die Preußen weg von der Hammer Straße und dann sogar komplett raus aus dem Stadtgebiet? Für viele Münsteraner schwer vorstellbar, aber langfristig nicht ausgeschlossen.

Neues Gesicht im Aufsichtsrat

Das Präsidium wird in jedem Fall einen großen Umbau erfahren, soviel ist sicher. Clubchef Georg Krimphove, vor eineinhalb Jahren in der Not eingesprungen, dürfte einige Monate früher als geplant den Rückzug antreten, genauso wie Mike Schmitz (Finanzen). Siggi Höing (Marketing, Fans) bleibt wohl im Amt. Offen ist vor allem, wie es mit Uwe Landheer (Liegenschaften) und ganz besonders Carsten Gockel (Sport), der als einziges Vorstandsmitglied hauptamtlich tätig und damit noch bis Januar vertraglich gebunden ist, weitergeht.

Seit Jahren diskutiert wird die Position eines Sportdirektors, nur kurzzeitig war die Stelle durch Detlev Dammeier im Frühjahr 2014 besetzt. In den vergangenen Wochen ist die Vakanz angesichts der sportlichen Probleme gerade für die designierte Vereinsführung wieder zu einem Thema geworden. Ein renommierter neuer Mann für den Posten scheint beschlossene Sache. Das große Fragezeichen in diesem Puzzle steht zunächst hinter dem Namen des Präsidenten, der sicher am Donnerstag präsentiert wird.

Ein neues Gesicht erhält auch der Aufsichtsrat. Thomas Bäumer, auch als Hauptsponsor der prägende Mann der vergangenen Dekade, hört als Vorsitzender schon jetzt statt am Jahresende auf. Sein Nachfolger ist in Fabian Roberg , dem Chef der in der Loddenheide ansässigen Coler GmbH, bereits gefunden. Er gehört dem Rat bereits seit September an. Auch Clemens Große Frie von der potenten Agravis AG, die sich schon jetzt unter anderem als Hauptsponsor der SCP-Junioren und in der Halbzeit-Unterhaltung engagiert, soll beizeiten in das Kontrollorgan aufrücken.

Ex-Profi Christoph Metzelder, der seine Weltkarriere beim SCP startete, ist ein Anwärter für eine Rolle als Berater und Repräsentant, jedoch eher nicht mehr. Gespräche hat der 35-Jährige bereits bestätigt. Zudem ist der frühere Preußen-Spieler Jochen Terhaar (54), ein Vertrauter von Seinsch, ein Kandidat. Die sechs weiteren Mitglieder (Michael Klein, Wilfried Tandetzki, Frank Rheinboldt, Wilhelm Schwellenbach, Marc Zahlmann, Werner Bis­plinghoff), die im Dezember 2015 bestätigt wurden, bleiben im Amt.

Fanprojekt verschiebt Treffen

Am Donnerstagnachmittag tagt der SCP-Aufsichtsrat und wird dann auch die Dinge beschließen, die anschließend ab etwa 16.30 Uhr in den Räumlichkeiten der Coler GmbH & Co. KG präsentiert werden. Auf die Entwicklungen im Verein hat auch das Fanprojekt reagiert und sein für Mittwochabend angesetztes öffentliches Treffen auf den 19. Oktober (19.06 Uhr, Presseraum Haupttribüne statt Fanport) verlegt. Es werden „gravierende Änderungen rund um den SC Preußen“ erwartet. „Es wird dringend Zeit, dass wir Fans uns strukturiert über die Chancen und Risiken austauschen, die aktuell kursierende Szenarien haben können“, so Fanprojekt-Sprecher Florian Voß.

Einbringen sollen sich vermehrt nun große Unternehmen aus der Stadt oder dem Umland – die Gespräche laufen. Interessant wäre, wie das Zusammenspiel neuer Sponsoren mit dem im Sommer für acht Jahre ins Boot geholten Vermarkter Lagardère Sports aussähe.

Renommierter Fußballlehrer für Trainerposten

Eine Antwort auf die Frage nach einem neuen Trainer wird es am Donnerstag noch nicht geben. Die neue Führung sondiert den Markt nach einem Nachfolger des beurlaubten Horst Steffen. Interimslösung Cihan Tasdelen coacht den Tabellenvorletzten am Samstag (14 Uhr) gegen den SV Wehen Wiesbaden. 

Der künftige Coach wird auch eine Einschätzung abgeben, ob er weiter mit Steffen-Assistent Sreto Ristic zusammenarbeiten will. Der Name Jos Luhukay, der bis September Zweitligist VfB Stuttgart anleitete und auch bei Werder Bremen ein Kandidat war, käme nur dann über den Hirngespinst-Status hinaus, wenn Seinsch alte Augsburger Verbindungen erfolgreich aufnimmt. Sicher ist, dass für den Trainerposten ein renommierter Fußballlehrer kommen soll.

Verbrieft ist, dass sich der ehemalige Augsburger und seine Vertrauensleute bereits bei der aktiven Fanszene vorgestellt haben mit Teilen ihrer Konzepte. Ein kluger Schachzug, schließlich lagen viele Anhänger seit Jahren mit den bisherigen Bossen überkreuz. Zudem soll über einen Vertreter der Anhänger im Aufsichtsrat gesprochen worden sein. Es wurde aber auch deutlich, dass es zu Umgewöhnungen für die Zuschauer kommen kann – was wiederum auf ein Stadionprojekt hindeutet.

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