Preußen trennen sich von Trainer Tasdelen ersetzt Steffen

Münster -

Trainerwechsel beim Fußball-Drittligisten Preußen Münster. Horst Steffen wurde am Dienstag nach dem Training beurlaubt, er war gut zehn Monate im Amt. U-19-Trainer Cihan Tasdelen springt als Interimslösung ein. Der SCP befindet sich dabei aktuell in einem Labyrinth an offenen Personalfragen.

Von Alexander Heflik
Zum Haareraufen: Horst Steffen muss gehen, nach zehn Monaten endet seine Zeit als Cheftrainer des SC Preußen Münster.
Zum Haareraufen: Horst Steffen muss gehen, nach zehn Monaten endet seine Zeit als Cheftrainer des SC Preußen Münster. Foto: Jürgen Peperhowe

Noch ein letztes Training, dann wurde die Trennung vollzogen. Was bereits vor dem Heimspiel gegen Werder Bremen II , welches Preußen Münster durchaus eindrucksvoll mit 4:0 gewann, wie ein Damo­klesschwert über Trainer Horst Steffen schwebte, wurde nun Realität. Die 0:1-Pleite bei VfR Aalen, eine harmlose und mutlose Vorstellung des Fußball-Drittligisten, wirkte wie ein Brandbeschleuniger. Die Schonfrist lief ab. Horst Steffen wurde beurlaubt, mit ihm Athletik-Coach Marc Rösgen. Co-Trainer Sreto Ristic und Torwarttrainer Carsten Nulle sollen bleiben. Als Interimslösung wurde der 41 Jahre alte Cihan Tasdelen in die Pflicht genommen, der die U-19-Junioren in der Bundesliga West betreut.

Die Trennung von Horst Steffen überraschte am Ende nicht wirklich, zu verheerend war die Bilanz gerade in dieser Saison, der Absturz auf Rang 19 der Tabelle, garniert mit desaströsen Auftritten beim FSV Frankfurt oder zuletzt in Aalen. Steffen, am Heiligabend 2015 von den Preußen bis zum 30. Juni 2017 als Cheftrainer und Nachfolger von Ralf Loose mit großen Hoffnungen verpflichtet, war ein Versprechen auf Angriffsfußball mit hoher Verteidigung und damit die Aussicht auf Spektakel auf dem Rasen.

So hatte er es phasenweise mit den Stuttgarter Kickers praktiziert. Am Ende passte bis auf die zwei Auftaktsiege gegen Erfurt (2:0) und in Mainz (3:2) im Winter 2016 wenig, die Bilanz mit sieben Siegen, fünf Unentschieden und 15 Niederlagen war niederschmetternd.

„Die Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen. Wir haben Horst Steffen mit starker Überzeugung nach Münster geholt. Am Ende haben die Ergebnisse nicht gestimmt“, sagte Sportvorstand Carsten Gockel stellvertretend fürs Präsidium. Am Mittwoch vor dem Training um 10 Uhr verabschiedet sich Steffen vom Team, Präsident Georg Krimphove und Gockel treten dann vor das Team und werden Tasdelen als Interimslösung vorstellen.

Nicht wenige hatten die Trennung schon früher erwartet, aber dafür befindet sich der Verein aktuell in einem Labyrinth von Personalentscheidungen im Präsidium, Aufsichtsrat und – nennen wir es mal so – bei Personen im Hintergrund. Denn Club-Chef Georg Krimphove hat schon Anfang Juli seinen Rückzug zum Jahresende bekanntgegeben, auch Mike Schmitz (Finanzen) wird aus dem fünfköpfigen Gremium ausscheiden. Mit dem Aufsichtsrats-Vorsitzenden Thomas Bäumer sagt auch der mächtigste Mann im Kon­trollgremium „Ade“. Für eine so wichtige Frage wie eine Trainer-Entlassung ist das kein guter Zeitpunkt.

Es ist davon auszugehen, dass die neuen, die potenziellen Entscheider von morgen durchaus in den aktuellen Prozess bereits eingebunden wurden. Wer das ist? Fabian Roberg, jüngst erst in den Aufsichtsrat berufen, dürfte in Bälde auch der Vorsitzende dieses Gremiums werden. Und zudem scheint der Einstieg von Walter Seinsch in die Club-Arbeit immer wahrscheinlicher. Seinsch gilt als Macher des Bundesliga-Aufstiegs und Stadionbaus beim FC Augsburg.

Er, also Seinsch, sagte unlängst im Gespräch mit unserer Zeitung, dass er zwar keinen Vorsitz oder eine Stellvertretung in einem der beiden Organe anstrebe, sondern sich eher in der Rolle des Beraters sehen würde. Eine Mannschaft würde er gerade „zusammenstellen“. In diesem Kontext fallen auch die Namen von Joachim Terhaar – er spielte 54 Partien in der 2. Bundesliga für Preußen Münster von 1989 bis 1991 – sowie der von Rechtsanwalt Frank Westermann. Letztgenannter leitete die letzte Jahreshauptversammlung im Dezember 2015 beim SC Preußen.

Die Gespräche liefen bislang im Hintergrund ab, wenig drang nach außen. Aber gerade bei der Trainerfrage wollten wohl die aktuellen Entscheider der möglichen zukünftigen Führungsgarde keine untragbare Hypothek übergeben. Die Trennung von Horst Steffen dürfte weitestgehend einstimmig vonstatten gegangen sein.

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