Fußball: 3. Liga Möhlmann und die Preußen – der Kreis schließt sich

Münster -

Da ist er also, der neue Mann. Der Retter? Benno Möhlmann steht vor einer schwierigen Mission beim SC Preußen. Ein Blick in seine Vita nährt allerdings die Hoffnung, dass der Trainerfuchs tatsächlich mit allen Wassern gewaschen ist.

Von André Fischer
Der SCP ist immer für Überraschungen gut: Präsident Christoph Strässer (links), Sportvorstand Walther Seinsch (rechts) und Pressesprecher Marcel Weskamp (2. von links) stellten Benno Möhlmann als neuen Preußen-Trainer vor.
Der SCP ist immer für Überraschungen gut: Präsident Christoph Strässer (links), Sportvorstand Walther Seinsch (rechts) und Pressesprecher Marcel Weskamp (2. von links) stellten Benno Möhlmann als neuen Preußen-Trainer vor. Foto: Sebastian Sanders

Wer eins und eins zusammenzählen kann, der wird sich am Samstag seinen Teil gedacht haben. Da shakerten und scherzten Preußen-Präsident Christoph Strässer und der neue starke Mann im Vorstand, Walther Seinsch, vor der Drittliga-Partie gegen den SV Wehen Wiesbaden (2:2) mit Benno Möhlmann . So gänzlich vertraut, als ob da was im Busche sei. Sogar (offizielle) Fotos sollen gemacht worden sein. Ein erster Appetitanreger, der im Anschluss an die Spieltags-Pressekonferenz geschmackstechnisch verfeinert wurde, als die Clubführung ihr zart gehütetes Geheimnis der Öffentlichkeit nicht länger vorenthalten wollte. Strässer selbst übernahm diesen Part und verkündete das, was zu diesem Zeitpunkt nach viel Tuschelei doch eigentlich alle wussten: Der 62-jährige Möhlmann soll dem ermatteten Drittligisten neues Leben einhauchen. Vorerst bis zum Saisonende.

Der Kreis schließt sich. Es war 1972, als es einen jungen Kerl mit den Vornamen Benno und Hans aus dem oldenburgischen Lohne ins nahe gelegene Münster zog. Schuld daran war schlicht – der Fußball . In einem Interview mit der „Bild“ zu seinem 60. Geburtstag waren die Erinnerungen Möhlmanns an diese Zeit erstaunlich präsent. Sogar die Inhalte seines damaligen Arbeitspapiers bei dem Zweitligisten. „Die Spieler bei Preußen Münster hatten einen Einheitsvertrag mit 1000 D-Mark Grundgehalt, dazu Punktprämien: 200 Mark für ein Unentschieden, 500 Mark für einen Sieg.“ Dieser Mann hat ohne Frage ein gutes Gedächtnis. Seine Karriere als Profi nahm denn zwei Jahre später, 1974, in der 2. Bundesliga Nord im Adlerhorst Fahrt auf, ehe er 1978 einem Lockruf aus Bremen nicht zu widerstehen vermochte. Warum? Am Samstag, 38 Jahre später, lieferte er die Erklärung: „Ich habe den Verein nicht aus eigenem Antrieb verlassen. Ich musste gehen, weil der Club Geld brauchte.“ Dieser Mann ist schlagfertig.

Zehn Jahre Bäumchen-wechsel-dich

Trainerwechsel waren beim SCP im vergangenen Jahrzehnt an der Tagesordnung. Die längste Amtszeit in diesem Zeitraum weist Roger Schmidt auf, der von Juli 2007 bis März 2010 an der Hammer Straße tätig war. Sein Vorgänger Georg Kreß brachte es nicht mal auf eine Saison und musste, im Sommer 2006 installiert, im April 2007 schon wieder gehen. Nach Schmidt, der heute Bayer Leverkusen in der Champions League anleitet, kam Marc Fascher. Der „Fischkopp“ schaffte den größten Erfolg des Jahrtausends, den Aufstieg in die 3. Liga, nahm aber im Januar 2012 nach nicht einmal zwei Jahren (nicht ganz freiwillig) wieder seinen Hut. Ihm folgte umgehend Pavel Dotchev, der Mann, unter dessen Ägide die Preußen vielleicht den schönsten Fußball boten. Doch auch für ihn war nach gut eineinhalb Jahren im September 2013 wieder Schluss. In der Krise übernahm dann Ralf Loose, stabilisierte die Mannschaft, war aber oft umstritten und wurde nach mehr als zwei Jahren im Dezember 2015 gefeuert. Horst Steffen übernahm, kam aber nie auf einen grünen Zweig und hielt es nur neun Monate aus. Zu erwähnen ist noch, dass Ex-Sportvorstand Carsten Gockel zwei Mal als Interimslösung einsprang, zuletzt tat das Cihan Tasdelen. Nun ist Benno Möhlmann an der Reihe.

Den Schritt über die Weser zum SV Werder sollte er nicht bereuen. Hier gab er neun Jahre lang im Mittelfeld den Takt an – auch als Kapitän. 267 Mal lief er für die Norddeutschen auf, erzielte 46 Tore. Nur beim größten Erfolg des SVW war er nicht (mehr) dabei. Weil Trainer Otto Rehhagel in der Spielzeit 1987/88 kaum mehr auf den Routinier baute, zog der die Reißleine und schloss sich am 13. Spieltag dem ärgsten Rivalen, dem Hamburger SV, an. Eine Entscheidung, die Möhlmann so manches Mal bereut haben dürfte. Am Ende der Spielzeit sicherte sich Bremen die zweite Deutsche Meisterschaft der Vereinshistorie. Zwar weist ihn die nackte Statistik als Champion aus, aber: „Ich fühle mich nicht als Meister.“ Das hat er den Kollegen von NDR.de mal in den Block diktiert und mit dieser Aussage tief in sein Seelenleben blicken lassen. Die Spielerkarriere des Benno Hans Möhlmann ist damit unvollendet. Dieser Mann hat den Fußball eben auch von seiner tragischen Seite erlebt.

Nach dem Ende seiner aktiven Zeit beim HSV (1989) begann der 255-fache Bundesliga-Spieler seine Trainerlaufbahn bei den „Rothosen“ zunächst als Nachwuchs- und Co-Trainer. Im September 1992 beerbte er den geschassten Egon Cordes dann beim Dino auf der Trainerbank – der Beginn einer langen Reise durch die Republik. Eintracht Braunschweig, Greuther Fürth, Arminia Bielefeld, FC Ingolstadt, FSV Frankfurt, 1860 München, das sind die Stationen seines Schaffens. Dieser Mann ist rumgekommen.

Nicht selten sprang er dort ein, wo es lichterloh brannte, als „Feuerwehrmann“ der 2. Liga. Diesen Namen haben ihm einige Medien angedichtet. Und gänzlich daneben liegen sie nicht, wie das jüngste Beispiel zeigt. Mit dem kleinen, aber feinen Unterschied: Der SCP ist Drittligist. Aber ein ambitionierter, nur aktuell eben nicht. „Mir ist die Entscheidung nicht schwer gefallen, hier nimmt ein Projekt seinen Anfang, das viel verspricht. Ich freue mich, dabei sein zu dürfen,und hoffe, möglichst lange Teil des Ganzen zu sein.“ Dieser Mann ist heiß auf Münster.

Zunächst will der ehemalige Profi, der aufgrund seiner jahrzehntelangen Erfahrung als Institution im deutschen Fußball gilt, die neuen Gesichter näher kennenlernen. „Wir wollen aber nicht zu viel reden, sondern arbeiten“, verspricht Möhlmann schon. Am Dienstag will er damit beginnen.

Übrigens hatte er bei seiner Vorstellung niemanden im Schlepptau. Das könnte ein Zeichen dafür sein, dass Sreto Ristic Co-Trainer bleibt, zumal beide sich aus alten Braunschweiger Zeiten bestens kennen. Eines allerdings machte der Fußball-Lehrer unmissverständlich klar: Die Position des Sportdirektors sollte nicht (mehr) allzu lange eine vakante Baustelle bei den Preußen bleiben. Dieser Mann weiß, was er will. 

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