Fußball: 3. Liga Verunsicherte Preußen holen gegen Wiesbaden zwei Rückstände auf

Münster -

Die breite Verunsicherung ließ sich nicht wegdiskutieren. Der SC Preußen hat den Weg aus der Krise noch nicht gefunden. Doch das 2:2 gegen den SV Wehen Wiesbaden zeigte auch, dass die Mannschaft Moral hat. Zwei Mal holte sie einen Rückstand auf.

Von Thomas Rellmann
Am Ende jubelten die Preußen. Trotz eines sehr mäßigen Auftritts war der Tabellenvorletzte, wie hier Tobias Rühle, obenauf.
Am Ende jubelten die Preußen. Trotz eines sehr mäßigen Auftritts war der Tabellenvorletzte, wie hier Tobias Rühle, obenauf. Foto: Peter Leßmann

Eine Mannschaft, die gerade eine Trainer-Entlassung hinter sich hat, nur sieben Punkte aus zehn Partien geholt hat und Vorletzter ist, taugt in der Regel nicht als Musterbeispiel für selbstbewusstes Auftreten. Insofern: mildernde Umstände für den SC Preußen , der beim 2:2 (0:1) zu Hause gegen den SV Wehen Wiesbaden mit einer guten Einstellung sogar noch einen (eher glücklichen) Punkt rettete. Die massive Verunsicherung in fast allen Mannschaftsteilen ließ sich aber auch nicht wegdiskutieren.

„Es war ein schwieriges Spiel. Wir haben nicht ausreichend Druck ausgeübt, weil wir die zweiten Bälle nicht geholt haben“, analysierte Interimstrainer Cihan Tasdelen nach seinem ersten und zumindest vorerst letzten Drittliga-Spiel an der Seitenlinie. Der 41-Jährige durfte sich freuen, dass er immerhin als ungeschlagener Coach in die Annalen des Traditionsclubs eingeht. Doch im Vordergrund stand dieser Aspekt natürlich nicht. Dass auch er mit der Leistung vor der Pause keineswegs einverstanden war, dokumentierte der Aushilfsmann, indem er nach 25 Minuten seine Reservisten zum Aufwärmen schickte.

Er hatte nicht nur bemerkenswerterweise dieselbe Elf wie beim 0:1 in Aalen, dem letzten Spiel des geschassten Horst Steffen, ins Rennen geschickt, sondern dem Team auch eine eher abwartende Haltung auferlegt, wie die ersten Minuten zeigten. Trotzdem hätten die Gastgeber in Führung gehen müssen, als Tobias Rühle Sinan Tekerci freispielte, der aber an Keeper Markus Kolke scheiterte (9.). Dann wurde das gesamte Konzept über den Haufen geworfen, als die rechte Abwehrseite der Preußen schlief. Mit der scharfen Hereingabe des mutigen Ex-Münsteraners Marc Lorenz war es schon zu spät. Der ideal bediente Luca Schnellbacher musste nur noch zum 1:0 eindrücken (9.). Was folgte, war eine bedenkliche Phase mit vielen Fehlpässen, schlechter Abstimmung und mangelnder Präzision. Schlotternde Knie eben. Selbst die abgeklärten Max Schulze Niehues und Ole Kittner ließen sich anstecken, andere tauchten ab. In der Regel genügte es den Gästen, mit zwei, drei Offensiven die SCP-Verteidiger anzulaufen, um jegliche Spieleröffnung zu zerstören. Lang und weit war die Konsequenz – der Ball landete nicht selten im Aus und sonst meist beim Gegner, der sich hinterher ärgerte angesichts der eingeschüchterten Preußen nur einen Zähler mitgenommen zu haben.

Immerhin gab es für die Hausherren passable Abschlussversuche von Michele Rizzi aus der Distanz (19.) und Rühle (39.). Auf der anderen Seite ließen die Hessen die besseren Chancen liegen. Lorenz (30./41.), der Stéphane Tritz ein ums andere Mal narrte, sowie vor allem David Blacha (37.) vergaben fast schon fahrlässig. Bei aller Kritik für eine wacklige Vorstellung – der Einsatz passte in den meisten Fällen. Und das setzte sich nach der Pause fort. Schulze Niehues parierte einen Lorenz-Weitschuss (51.), ehe der Joker zuschlug. Tobias Warschewski gelang der umjubelte Ausgleich (54.). „Durch ihn kam mehr Tempo rein, leider haben wir die Hintermannschaft nicht entlastet“, sagte Tasdelen, der dennoch einige noch einige wunde Punkte fand. „Wir haben nicht ausreichend Druck ausgeübt. Der Gegner hat uns in die langen Wege geschickt.“ Ein individueller Lapsus war zehn Minuten nach dem 1:1 ausschlaggebend für den neuerlichen Rückstand. Rizzi und Tritz stellten sich alles andere als schlau an gegen Lorenz, der erneut optimal servierte – diesmal vollstreckte der eingewechselte Manuel Schäffler (64.).

Es sah so aus, als sei dem SCP damit der Zahn gezogen worden. Max Schulze Niehues hielt durch seine Parade im Eins-gegen-Eins mit Lorenz das Team im Spiel (68.). Eine echte Schlussoffensive des Tabellen-19. aber blieb zunächst aus. Erst als Rühle gegen Blacha entschlossen einen Elfmeter herausholte, bot sich die Gelegenheit zum 2:2. Selbstverständlich war es nicht, dass Amaury Bischoff verwandelte – Wehens Keeper Kolke hatte erst vor zwei Wochen in Bremen (1:0) zwei Strafstöße abgewehrt. Diesmal aber hatte er das Nachsehen, der Franzose schob unten rechts ein (86.). Durchatmen war angesagt, bei den Profis, auf der Trainerbank, auf den Tribünen und in den Kurven. Warschewski bot sich per Kopf noch eine weitere Möglichkeit (90.+1), doch ein Sieg wäre nicht verdient gewesen. Keine weitere Pleite, Tasdelen hat seinen Auftraf damit erledigt.

Dass noch einiges an Arbeit vor der Mannschaft und gerade dem neuen Trainer Benno Möhlmann liegt, bewies das sechste Heimspiel der Saison einmal mehr. Vermutlich ist der Routinier zuallererst als Psychologe gefragt. Er muss gegen die allgemeine Verunsicherung ankämpfen.

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