Fußball: 3. Liga Elfmeter rettet Preußen einen Punkt gegen Wiesbaden

Münster - Am Ende war der SC Preußen dann doch mit Fortuna im Bunde. Mit einem 2:2 (0:1) zu Hause gegen den SV Wehen Wiesbaden verhinderte die Mannschaft kurz vor Schluss den Genickschlag.

Von Thomas Rellmann
Fußball: 3. Liga : Elfmeter rettet Preußen einen Punkt gegen Wiesbaden
Foto: Sebastian Sanders

Ein schmeichelhafter Elfmeter brachte das Remis, das gut für die Moral ist, im Tabellenkeller aber nicht wirklich nach weiterhilft.

„Es fühlt sich für den Moment gut an“, sagte Tobias Rühle, der den Strafstoß herausgeholt hatte. „Dass wir verunsichert sind, ist ganz normal“, meinte Keeper Max Schulze Niehues. „Aber am Ende haben wir uns den Punkt doch noch verdient. Aushilfscoach Cihan Tasdelen betonte: „Es war ein schwieriges Spiel. „Wir haben nicht ausreichend Druck ausgeübt, weil wir die zweiten Bälle nicht geholt haben. Durch Tobias Warschewski kam mehr Tempo rein, leider haben wir die Hintermannschaft nicht entlastet. Der Gegner hat uns in die langen Wege geschickt. Mit hat es aber Spaß gemacht, die Mannschaft war zufrieden.“Bei seinem Drittliga-Debüt an der Seitenlinie (und vorerst einzigen Einsatz) setzte Trainer Tasdelen auf dieselbe Auswahl, die der geschasste Horst Steffen bei seinem letzten Spiel (0:1 in Aalen) ins Rennen geschickt hatte. Benjamin Schwarz und Jesse Weißenfels kurierten ihre Blessuren rechtzeitig aus. Stéphane Tritz erhielt hinten rechts den Vorzug vor Denis Mangafic, und Kapitän Michele Rizzi vor Sandrino Braun im Mittelfeld. Youngster Warschewski musste auf die Bank, obwohl er im Westfalenpokal gegen Erkenschwick (7:0) drei Mal getroffen hatte. Keinen Platz im Kader fanden Jeron Al-Hazaimeh und Danilo Wiebe.Unterstützt vom zahlenmäßig kleinen, aber durchaus sangesstarken Publikum überließ Münster dem Gast zunächst Aufbau und Spieleröffnung, hatte aber bei der ersten Offensivaktion gleich eine Megachance, als Rühle Sinan Tekerci freispielte und der allein vor Markus Kolke am Keeper scheiterte (7.). Dann aber schlief die gesamte rechte Seite - als der Ex-Preuße Marc Lorenz zur scharfen Flanke ansetzen konnte, war es schon zu spät. Perfekt bedient musste Luca Schnellbacher im Fünfmeterraum nur noch zum 1:0 (9.) eindrücken.

Ein Distanzschuss von Rizzi, den Kolke abwehrte, war die erste Reaktion (19.). Doch eine gewisse Verunsicherung war fast jedem Preußen anzumerken, auch wenn der Einsatz einmal mehr passte. Abstimmung und vor allem Präzision fehlten allerdings in sehr auffälliger Weise. 25 Minuten waren rum, als Tasdelen seine gesamte Bank (außer Keeper Patrick Drewes) zum Warmlaufen schickte. Selbst abgeklärte Akteure wie Schulze Niehues oder Ole Kittner ließen sich anstecken. Andere tauchten ab oder blieben wirkungslos. Lorenz hätte beinahe per Kopf nach Schnellbachers Flanke getroffen, doch Schulze Niehues parierte stark (30.).  Den zweiten Treffer hätte David Blacha anbringen müssen, nach Kittners schwerem Fehler vertrödelte er die Riesengelegenheit aber fahrlässig (37.). Erste Pfiffe machten auf den Rängen schon die Runde, ehe Rühle aus der Drehung abzog, aber den Schuss etwas zu hoch ansetzte (39.). Wenigstens mal ein Wachmacher! Auf der anderen Seite bot sich Lorenz aber auch wieder eine Möglichkeit, erneut hatte Kittner den Ball verloren (41.). Dann war Pause.Auf der Tribüne saßen die neuen mächtigen Männer im Club, Präsident Christoph Strässer und Vorstandskollege Walther Seinsch, mit Preußen-Schal und mussten erkennen, dass ein großartiger neuer Trainer wahrscheinlich nicht genügen wird, um den SCP aus dem Keller zu führen. Nicht alle von denen, die da am Samstag zu Werke gingen, machten trotz der Bemühungen den Eindruck, das Ruder noch herumreißen zu können. Im Winter, das unterstrich das Team deutlich, müssen mehrere Verstärkungen her. Aber bis dahin sind es noch mehr als zwei Monate.

Mit Warschewski für Weißenfels ging es in die zweite Hälfte. Das erste Wort hatte aber wieder Lorenz, der aus 30 Metern Schulze Niehues prüfte (51.). Doch dann schlug die Stunde des jungen Warschewski. Nach einem Rizzi-Freistoß fiel dem 18-Jährigen der Ball vor die Füße. Was er dann mit dem Leder veranstaltete, war aber schon abgezockt. Einmal vorgelegt, spitzer Winkel, egal - rein ins lange Eck! 54. Minute, der Ausgleich. „Warschewski, oho“, jubelte die Gegengerade.

Es sah nach Aufbruch, nach Wende aus. Doch leisteten sich Rizzi und Tritz hinten rechts einen weiteren Lapsus, der schwer zu erklären war. Lorenz tanzte beide mühelos aus, servierte wie beim 1:0 nun für den eingewechselten Manuel Schäffler optimal, der aus Kurzdistanz einschob (64.). Lorenz hatte sogar das sichere dritte Tor auf dem Schlappen, als die SCP-Viererkette wiederum alt aussah, doch Schulze Niehues rettete mit dem Fuß (68.). Den Hausherren schien auch so der Zahn gezogen, ihre Wut und auch die des Anhangs zog sich nun vermehrt Schiedsrichter Daniel Siebert zu. Nicht zu Unrecht, doch dass eine echte Schlussoffensive ließ auf sich warten. Einmal an diesem Tag neigte sich das Glück dann aber doch noch Richtung Preußen-Adler. Nach einem Leichtkontakt mit Blacha fiel Rühle im Sechzehner recht spektakulär, doch Siebert gab Elfmeter. Amaury Bischoff war das alles eh egal, auch dass Kolke beim 1:0-Sieg in Bremen vor 14 Tagen zwei Strafstöße abgewehrt hatte. Der Franzose nagelte die Kugel flach in rechte Eck. Ausgleich, 2:2 (86.)! Durchatmen auf dem Platz, auf der Bank, auf den Zuschauerplätzen. Warschewski köpfte in der Nachspielzeit noch über den Kasten. Ein Siegtor wäre aber des Guten zuviel gewesen.

Auf der Tribüne saßen die neuen mächtigen Männer im Club, Präsident Christoph Strässer und Vorstandskollege Walther Seinsch, mit Preußen-Schal und mussten erkennen, dass der ebenfalls im Stadion sitzende neue Trainer Benno Möhlmann allein wahrscheinlich nicht genügen wird, um den SCP aus dem Keller zu führen. Nicht alle, die da am Samstag zu Werke gingen, machten den Eindruck, das Ruder noch herumreißen zu können. Im Winter, das unterstrich das Team trotz aller Bemühungen, müssen mehrere Verstärkungen her. Aber bis dahin sind es noch mehr als zwei Monate.

SCP: Schulze Niehues - Tritz, Kittner, Mai, Schwarz - Tekerci, Rizzi (77. Stoll), Bischoff, Kara (66. Jordanov) - Weißenfels (46. Warschewski), Rühle

SVWW: Kolke, Kovac, Dams, Yegenoglu, Mintzel - Müller (82. Funk), Blacha, Pezzoni, Lorenz (77. Schindler) - Mvibudulu, Schnellbacher (46. Schäffler)

Schiedsrichter: Daniel Siebert (Berlin)

Tore: 0:1 Schnellbacher (9.), 1:1 Warschewski (54.)

Zuschauer: 5545

Gelb: Tekerci, Rizzi / Lorenz, Yegenoglu, Pezzoni

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