Fußball: 3. Liga Ein Leben lang – Bäumer und die Preußen

Münster -

Der Mann, der soviel Geld in den SC Preußen steckte wie kein zweiter und der so polarisierte wie kein zweiter, hat seinen Hut genommen. Thomas Bäumer, Hauptsponsor und Aufsichtsratsboss der vergangenen Dekade, bleibt dennoch ein Preuße im Herzen, das ist sicher.

Von Alexander Heflik
Der Höhepunkt seiner Amtszeit: Am 6. Mai 2011 bejubelt Thomas Bäumer den Drittliga-Aufstieg.
Der Höhepunkt seiner Amtszeit: Am 6. Mai 2011 bejubelt Thomas Bäumer den Drittliga-Aufstieg. Foto: Jürgen Peperhowe

Es gibt diese raren Momente, in denen alles zusammenläuft, etwas Perfektes, für ein paar Augenblicke immerhin. Dieser 6. Mai 2011, als die Sonne hinter dem Preußenstadion untergeht, 18.500 Menschen bereit sind abzuheben mit ihrem SCP , ist so ein Abend.

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Der Aufstieg

Preußen Münster steigt in die 3. Liga auf. „Unvergesslich. Unglaublich“, erinnert sich Thomas Bäumer auch Jahre später in Hochstimmung. Alle sind eins, Fans, Zuschauer, Spieler, Trainerstab, Funktionäre und mittendrin „TB“. Er steht am Spielfeldrand, der Rasen ist geflutet, ein Menschenmeer, das grüne Meister-Shirt hat Bäumer übergestreift, er reißt die Arme in die Höhe und ist glücklich wie nie wieder als Preuße . Der Jungentraum wird wahr.

Eine Ära endet

Nun geht Bäumer, nach über 20 Jahren als Sponsor, nach 13 Jahren als Vorsitzender des Aufsichtsrates, er hätte gerne einen Zweitligisten hinterlassen. Eine Ära endet, vielleicht zieht er sich zwei, drei Jahre zu spät zurück. Wann ist schon ein Moment richtig für den Abschied, den Ausstieg?

Fan war er schon von klein auf, mit einem überschaubarem Engagement ging es in den 90ern weiter, in den Nuller-Jahren war es Bäumer, der gemeinsam mit dem Präsidenten Marco de Angelis sowie den Mitstreitern Georg Krimphove, Carsten Gockel, Siggi Höing und auch Ehrenrats-Vorsitzendem Hannes Pfeifer die Weichen stellte.

Bäumer, Krimphove, Gockel

Das Ende einer Preußen-Ära

Nicht ohne Probleme war das. So, wie Bäumer den Tag im Mai 2011 nicht vergessen wird, so gerne hätte er den 29. April 2006 aus seiner Erinnerung wegwischt. Like? Dislike! Kein Match! Aber als der SCP in das Niemandsland der viertklassigen Oberliga abstürzt, machen Bäumer & Co. nach kurzem Innehalten mit Verve weiter, er kann bis heute die traurigen Bilder von diesem Tag nicht anschauen. Es schmerzt. Der gebürtige Münsteraner marschierte von da weiter vorneweg, das finanzielle Engagement in den letzten 13 Jahren dürfte die Zehn-Millionen-Euro-Marke überschritten haben. Münster lebte auch dank des Hauptsponsors Tuja. Diese Liaison brachte Bäumer mit, der immer wieder auch aus der Privatschatulle „nachfeuerte“. Im Winter, wenn dringende Transfers anstanden, wenn Trainer entlassen wurden. Und, und, und ...

„TB“ war manches Mal unüberhörbar in den Katakomben des Stadions. Im besten Fall dröhnte sein raumergreifendes Lachen mit 125 Dezibel durch die Gänge. Hatte der SCP verloren, drohte Ungemach. Selbst Marc Fascher , der Meistertrainer von 2011, wusste, was die Stunde geschlagen hatte, als Bäumer ihm lautstark in der Mixed-Zone „dilettantische Wechsel“ vorhielt. Ein paar Wochen später war Fascher weg und Bäumer der Buhmann für Teile der Anhängerschaft.

Seine echte Liebe

Keiner polarisierte wie er, mit breiter Brust und festem Stand wehrte er Angriffe ab. Spruchbänder gegen seine Person schmerzten ihn trotzdem, nie wollte er sich die Blöße geben, da klein beigegeben zu haben. Kritik nahm er zur Kenntnis. War er aber anderer Meinung und überzeugt davon, dann setzte er das durch. Sowohl in der Firma als auch bei seinem Club. Dabei ist er Anhänger von Bayern München, hat eine Dauerkarte bei Borussia Dortmund, mag und unterstützt den VfL Senden, aber seine echte Liebe ist unter all den Vereinen nur eine: die zum SC Preußen Münster.

Ein Preuße durch und durch

Und so endet alles hier und jetzt: der SCP ist Drittligist, finanziell in schwierigem Fahrwasser, aber alles andere als am Ende. Den Lagardère-Deal sieht er als Faustpfand für die Zukunft. Fest steht: Wenn die Bitte kommt, „Tu‘ mir doch einen Gefallen, Vati, und hilf uns mal aus der Patsche“, dann wird Bäumer vehement antworten: „Hör‘ mir doch auf.“ Und wird sich im nächsten Moment gleich Gedanken machen, was er nur tun kann. Ein Preuße durch und durch, ein Leben lang.

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