Rad: Sparkassen Münsterland Giro Westmattelmann auf Rekordkurs

Münster -

Er ist einer der besten Zeitfahrer in Deutschland. Am Montag geht Daniel Westmattelmann vom Team Kuota Lotto bei der elften Auflage des Sparkassen Münsterland Giros ins Rennen. Mit dem Gesamtsieg wird der Wahl-Münsteraner im Feld der weltbesten Sprinter nichts zu tun haben. Aber das ist nicht weiter tragisch für den 28-Jährigen.

Von André Fischer
Das Zeitfahren ist sein Ding: Daniel Westmattelmann will in Münster trotzdem eine gute Rolle spielen. 2015 gewann er die Sprintwertung.
Das Zeitfahren ist sein Ding: Daniel Westmattelmann will in Münster trotzdem eine gute Rolle spielen. 2015 gewann er die Sprintwertung. Foto: René Penno

Russischer Zupfkuchen der Mama oder altdeutscher Apfelkuchen von Oma? Daniel Westmattelmann hat am Montag die Qual der Wahl. „Ich denke, um niemanden zu enttäuschen, greife ich je ein Stück ab“, grinst der 28 Jährige. Es ist ein altbekanntes Ritual. Immer, wenn der Sparkassen Münsterland Giro in seiner Wahl-Heimat Münster Station macht, läuft bei der Familie in Ahlen am Sonntag der Backofen heiß – einer gut bewährten Tradition folgend wird nach dem Profirennen am Tag der Deutschen Einheit geschlemmt ohne Reue. In diesem Jahr zum zehnten Mal. Damit steuert Westmattelmann auf Rekordkurs . Nur bei der Premiere 2006 war er abkömmlich. Aus gutem Grund. Er war schlicht zu jung.

„Verdamp lang her“, heißt eines der bekanntesten Lieder der Kölner Band „BAP“. Verdamp lang her, dass der Zeitfahrspezialist des Teams Kuota Lotto seine Zelte in der Domstadt aufgeschlagen hat. „Acht Jahre“, sagt er und blickt auf eine aufregende und ereignisreiche Zeit zurück. Erst studierte er BWL, nun promoviert er im Bereich Sportmanagement. Noch ein paar Forschungen, und er ist Doktor.

„Ich habe immer versucht, Beruf und Radfahren unter einen Hut zu bekommen. Ich denke, das ist mir ganz gut gelungen.“ Darin unterscheidet er sich von vielen seiner Kollegen, die ihr Augenmerk ausschließlich auf die Profikarriere legen. „Das beruhigt mich ungemein, wenn ich morgens aufstehe. Wenn ich keine Lust mehr habe, wenn ich keine Motivation mehr verspüre, aufs Rad zu steigen, höre ich einfach auf. Mein Leben hängt davon nicht ab.“ Daniel Westmattelmann ist mit sich und der Welt im Reinen. Dabei ist es durchaus angebracht, ihm das Prädikat Profi anzuheften. Seit drei Jahren zählt er zu den Top 6 der Zeitfahrer in Deutschland. Beispiel gefällig? Beim Chrono Champenois, einem bekannten französischen Eintagesrennen in Form eines Einzelzeitfahrens, hievte er sich am 11. September an die Spitze – mit heldenhaften 43 Sekunden Vorsprung auf den Norweger Reidar Borgersen (Joker). Als erster deutscher Gewinner schrieb er an dem Sonntag gar ein Stück Radsportgeschichte.

Nun könnte man auf die Idee kommen, die 215,8 Kilometer dürften dem angehenden Wissenschaftler nicht maßgerecht auf den Leib geschneidert sein. Und ein Funke Wahrheit steckt in der Tat darin. „Sicher nicht meine Paradestrecke, weil ich andere Qualitäten habe“, sagt Westmattelmann selbst. Und doch zieht er es in Erwägung, Reißaus zu nehmen. „Im Feld dieser weltbesten Sprinter ist das die einzige Chance.“ Auch auf die Gefahr hin, im Zielbereich gestellt zu werden. Nicht unmöglich, dass sich der gebürtige Ahlener auch anderweitig fokussiert. 2013 sicherte er sich die Berg-, 2015 die Sprintwertung.

Und 2016? Denkbar, dass er eines dieser Kunststücke wiederholt. Und dann wird er sich vielleicht gar ein drittes Stück Kuchen gönnen. Kalorien wird er im Rennen genug verbrauchen. „Das muss drin sein“, lacht Westmattelmann. Er freut sich. Das merkt man.

http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4341151?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686209%2F2686789%2F