Handball: Bezirksliga Münsterland Großbritanniens Nationaltorwart hält Arminia Ochtrups Kasten sauber

Ochtrup -

Bezirksliga-Handballer mit Länderspiel-Erfahrung gibt es eigentlich nicht. Besser gesagt fast nicht, denn bei Arminia Ochtrup steht Alex Bradley zwischen den Pfosten. Bei dem 23-Jährigen handelt es sich um keinen Geringeren als Großbritanniens Vorzeige-Torwart.

Von Marc Brenzel
Alex Bradley zeigte unter anderem im Westfalenpokal gegen die SF Loxten sein Können.
Alex Bradley zeigte unter anderem im Westfalenpokal gegen die SF Loxten sein Können. Foto: Thomas Strack

Welcher Bezirksligist kann sich schon damit brüsten, einen aktuellen Nationaltorwart in seinen Reihen zu haben? Vermutlich nur die Ochtruper Handballer, denn bei den Arminen steht in dieser Saison mit Alex Bradley der Keeper des Teams Great Britain zwischen den Pfosten.

Wie viele Länderspiele er mittlerweile bestritten hat, weiß der 23-Jährige aus Manchester gar nicht so genau. „Das waren schon ein paar. Begonnen hat das ja bereits im Nachwuchsbereich“, dreht Bradley das Rad der Zeit zurück.

Handball spielt er, seit er 15 Jahre alt ist. Angefangen hatte der Engländer, wie es auf der Insel für Jungen üblich ist, mit Fußball (Torwart) und Rugby (Pfeiler, einer Position im Gedränge). „In einem dieser Spiele hat mein erster Handballtrainer zugesehen. Ihm ist dabei aufgefallen, dass ich eine gute Hand-Auge-Koordination habe. Er hat mich dann überzeugt, die Sportart zu wechseln“, beschreibt der Fan von Manchester United seinen Werdegang.

Über die Vereinsmannschaft (HC Liverpool) und die Cheshire-Regionalauswahl führte Bradleys Weg schnell in die U-Mannschaften des Teams GB. Anders als beim Fußball stellen die Home Nations (England, Schottland, Wales und Nordirland) beim Handball eine gemeinsame Mannschaft, die das Vereinigte Königreich vertritt.

So zum Beispiel im vergangenen Sommer bei der Emerging Nations Championship des Internationalen Handballverbandes in Bulgarien. Dabei handelt es sich um ein Turnier für Nationalverbände, die sich am unteren Ende der europäischen Rangliste befinden. Bradley und Co. schlossen dort auf Platz elf ab.

Mit den Liverpooler Jugendteams besuchte Bradley früher schon mehrfach Och­trup. Dass er seine Zelte jetzt für längere Zeit in der Töpferstadt aufgeschlagen hat, liegt unter anderem an Arminias Spielwart Manfred Wiggenhorn und an Christian Woltering, zu denen er einen engen Kontakt pflegt. Woltering studierte im Nordwesten Englands und gewann in dieser Zeit mit Bradley und dem jetzigen Burgsteinfurter Luca Lehmann im Trikot der Warrington Wolves das Double.

„Ich wollte einfach neue Erfahrungen sammeln und mal andere Leute kennenlernen“, begründet Bradley, warum er seinen Lebensmittelpunkt vorübergehend nach Deutschland verlagert hat. Dabei unterstützte ihn die Handballabteilung des SCA bei der Suche nach Wohnung und Arbeit.

„Die Mannschaft ist jung, hat viel Potenzial und pflegt einen super Zusammenhalt. Die Stimmung ist auch außerhalb der Halle super“, ist Bradley überzeugt, dass er sportlich dazulernt. Und davon dürften am Ende auch die „Handballer ihrer Majestät“ profitieren.

Gestern trat Bradley den Heimat-Urlaub an, der bis zum 2. Januar dauert. „Meine Mum will mich über Weihnachten unbedingt zurückhaben“, schmunzelt der Brite, der sich auf Familie und Freunde freut. Und auf das englische Fernsehen. Das deutsche, so der Nationalspieler, sei nämlich echt „terrible“.

Ansonsten gefällt dem Arminia-Torwart seine neue Heimat prächtig: „Die Ochtruper sind alle total relaxt und sehr nett. Mit manchen Bräuchen muss ich mich aber noch vertraut machen. Zum Beispiel, dass man an seinem 25. Geburtstag einen Sockenkranz aufhängt. Das ist irgendwie witzig.“

Wie lange Bradley, der am 13. Januar sein 24. Wiegenfest feiert, in Deutschland bleibt, lässt er offen: „Mal sehen. Ein Jahr, vielleicht zwei Jahre.“ Sollte der Nationalspieler über die laufende Saison hinaus beim SCA bleiben, dann käme er höchstwahrscheinlich nicht darum herum, selbst einen Sockenkranz geschenkt zu bekommen. Eine Sitte, die Bradley später ja mal rund um Manchester und Liverpool einführen könnte.

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