Fußball: Arminia Ochtrup Eine Ära geht zu Ende: Arminia Ochtrups Paul Schomann tritt ab

Ochtrup -

An der Spitze des SC Arminia Ochtrup kommt es zu einem Wechsel, da Paul Schomann künftig nicht mehr als 1. Vorsitzender des Vereins zur Verfügung steht. Der ehemalige DFB-Trainer tritt kürzer und gibt daher auch einen weiteren Posten ab, den 51 Jahre lang mit Leben ausfüllte.

Die Nachwuchsförderung lag Paul Schomann (r.) ganz besonders am Herzen. Als Turnierchef des Volksbankcups war der Ochtruper dafür verantwortlich, dass jedes Jahr die besten U-15-Kicker Deutschlands in der Töpferstadt spielten.
Die Nachwuchsförderung lag Paul Schomann (r.) ganz besonders am Herzen. Als Turnierchef des Volksbankcups war der Ochtruper dafür verantwortlich, dass jedes Jahr die besten U-15-Kicker Deutschlands in der Töpferstadt spielten. Foto: Thomas Strack

Am Donnerstag (28. Dezember) lädt der SC Arminia Ochtrup zur Generalversammlung ein. Für Paul Schomann wird es die letzte in seiner Funktion als Vorsitzender sein. Der 66-Jährige, der dem Verein seit 2000 vorsteht, kandidiert nicht für eine weitere Amtsperiode. Zudem zieht sich Schomann von seinem Posten als Fußball-Jugendobmann zurück. 51 Jahre füllte der ehemalige DFB-Trainer diese Rolle mit Leben aus. Im Interview mit WN-Sportredakteur Marc Brenzel erklärte Schomann, warum jetzt der richtige Zeitpunkt für sein Ausscheiden gekommen ist.

Herr Schomann, Sie haben sich über Jahrzehnte in außerordentlichem Maß für den Sport – speziell für den Fußball – in Ochtrup engagiert. Schwer vorzustellen, dass das jetzt enden soll. Was sind Ihre Beweggründe?

Paul Schomann: Ende November 2016 bin ich beruflich offiziell in das Rentenalter eingetreten. Nunmehr habe ich mich entschlossen, auch ehrenamtlich „in Rente“ zu gehen. 51 Jahre Jugendarbeit erfüllen mich mit Stolz und viel Freude. Nun ist es an der Zeit, den dritten Lebensabschnitt insbesonders mit meiner Familie in vollen Zügen zu genießen.

Als Rentner hätten Sie doch eigentlich mehr Zeit als zuvor, sich einzubringen?

Schomann: Zeit ist ein hohes Gut, Zeit für eine Sache aufzubringen, ist endlich. Ich will den richtigen Zeitpunkt nicht verpassen. Der ist für mich jetzt gekommen. Mit der Ausgliederung der Fußballabteilung aus dem Gesamtverein SC Arminia Ochtrup, der ich ja angehöre, endet ein Abschnitt. Mit der Neugründung des 1. FC Arminia Ochtrup beginnt ein neuer. Da bietet sich ein Aufhören an.

Hätten Sie für eine weitere Amtsperiode zur Verfügung gestanden, wenn die Fußballer den Gesamtverein SC Arminia nicht verlassen hätten?

Schomann: Diese Frage ist hypothetisch. Ich habe mir schon seit geraumer Zeit darüber Gedanken gemacht, wie lange ich noch Vorsitzender bleiben möchte und halte den jetzigen Zeitpunkt für absolut passend.

Die Fußballer haben den SC Arminia verlassen, weil sie eine Fusion mit den anderen Ochtruper Vereinen anstreben. Wie stehen Sie dazu?

Schomann: Trotz vielschichtiger Diskussionen steht die Fusion in Ochtrup nach wie vor auf der Agenda. Die Bündelung aller Fußballkräfte halte ich für eine interessante Aufgabe.

Werden Sie auch zum 1. FC Arminia „wechseln“?

Schomann: Ja, ich bin ja Mitglied der Fußballabteilung und als solches wechselt man ja automatisch in den neuen Fußballclub.

Werden Sie bei einem neuen Fußballverein – egal ob beim 1. FC Arminia oder bei einem möglichen Fusionsverein – einen Posten übernehmen?

Schomann: Nein. Ich habe mich aus oben erwähnten Gründen dazu entschieden gänzlich aufzuhören. Zumal in den Vorstellungen über die Strukturen und Sinnhaftigkeit der Jugendarbeit mit dem neuen Vorstand Unterschiede festzumachen sind und ich den Status quo nicht für veränderbar erachte.

Bleiben Sie dem SCA denn in irgendeiner ehrenamtlichen Funktion erhalten?

Schomann: Nein. Ich war und bleibe Fußballer und werde ab 1. Januar Mitglied des FCA sein – nicht mehr und nicht weniger.

Sie waren 51 Jahre lang Jugendfußball-Obmann der Arminen. Jetzt aufzuhören, dürfte Ihnen schwerfallen.

Schomann: Es fällt mir wahrlich nicht leicht, mich als Jugendobmann zurückzuziehen. Das war genau mein Ding. Darin habe ich den größten Teil meiner intensiven und schönen Zeit als Ehrenamtler investiert. Sie hat mir viel Freude und eine große Menge an schönen Erlebnissen mit den Jugendlichen sowie unseren Trainern und Betreuern gebracht.

Was ist Ihnen aus ihrer Zeit als Jugendobmann und Trainer vieler Juniorenteams des SC Arminia am schönsten in Erinnerung geblieben?

Schomann: Da gibt es viele schöne Erinnerungen. In meinem ersten Jahr als Trainer wurden wir 1966/67 mit den A- und B-Schülern Kreismeister. Bis heute folgten viele weitere Titel. 1970 gelangten wir mit der B-Jugend bis ins Halbfinale der Westdeutschen Meisterschaft, zwei Jahre später spielten wir mit der A-Jugend im Viertelfinale des Westfalenpokals vor mehr als 3000 Zuschauern gegen Schalke 04. Wir haben viele Auszeichnungen für unsere sehr erfolgreiche Jugendarbeit vom DFB und FLVW bekommen, unter anderem das Grüne Band. Viel mehr als Ergebnisse sind und bleiben mir aber die gemeinsamen Erlebnisse bei Training, Spielen, Wettkämpfen, Fahrten, Lagern, Berlin-Seminaren und so weiter in Erinnerung.

Hauptberuflich haben Sie beim Westfälischen Fußballverband und beim Deutschen Fußballbund als Trainer gearbeitet und da spätere Weltstars wie Manuel Neuer, Toni Kroos, Sami Khedira oder die Boateng-Brüder gecoacht. Wie groß war die Umstellung, wenn Sie wieder mit den Ochtruper Kids gearbeitet haben?

Schomann: Ich habe nie eine Umstellung festmachen können und musste es auch nicht. Egal auf welcher Ebene, es geht doch darum, einen offenen, geradlinigen, gerechten, ehrlichen und vertrauensvollen Umgang mit jungen Kickern zu leben, ihnen Menschlichkeit und die Freude am Fußballspiel und der Gemeinschaft aufzuzeigen. Der Unterschied lag nur in der sportlichen Qualität der Spieler. Die Ansprachen verstehen sowohl die Jungs in der Kreisliga als auch die in den U-Nationalmannschaften.

Sie haben sich mit der U 17 für die Weltmeisterschaft qualifiziert und waren 2005 bei der U-20-WM Co-Trainer. Gab es in dieser für Sie sehr erfolgreichen Zeit keine Angebote aus dem Seniorenbereich?

Schomann: Es gab immer wieder Anfragen von Profivereinen, aber das war für mich nie ein ernsthaftes Thema. Ich fühlte mich stets der Nachwuchsförderung in der Verbandsarbeit verbunden. Die Entwicklung, Ausbildung und Begleitung der jungen Menschen war mir stets ein Anliegen und Berufung zugleich.

Was ist Ihnen aus Ihrer Zeit als Vorsitzender des SC Arminia Ochtrup noch am besten vor Augen geblieben?

Schomann: Sicherlich die Feierlichkeiten anlässlich des 100. Geburtstags im Jahr 2012, zumal ich als Steppke in der Knabenmannschaft auch den 50-jährigen Geburtstag noch gut in Erinnerung habe.

Sie haben viel Herzblut für den Ochtruper Sport investiert. Was hätten Sie sich gewünscht, was aber nicht umgesetzt wurde?

Schomann: Es ärgert mich, dass wir nicht über ein für Ochtrup erforderliches, zeitgemäßes, umfassendes und funktionsfähiges Sportzentrum verfügen. Zumal ich schon vor Jahren den konkreten Vorschlag unterbreitet habe, es in drei Bauabschnitten in Angriff zu nehmen. Das wären die Erstellung eines Funktionsgebäudes im Haupteingangsbereich mit Lehrschwimmbecken und Gymnastikhalle, die Umwandlung des Tennenplatzes in ein Kunstrasenspielfeld und der Abriss des alten Umkleidegebäudes gewesen. Dort hätten zwei neue Spielfelder entstehen können. Es wäre ein großer Mehrwert für die Stadt mit seinen Schulen, der VHS und den Sportverein gewesen.

Mit Ihnen hören auch Ihre Frau Monika als Geschäftsführerin der A- bis F-Junioren und „gute Seele“ sowie Ihr Stellvertreter Willi Mollen auf. Das ist ein großer Einschnitt. Wie geht es zum Beispiel mit dem Volksbankcup weiter?

Schomann: Auch da sind wir zum Jahresende raus. Für die 38. Auflage am 28. Januar habe ich die Eckpfeiler gesetzt. Jetzt ist es an der Zeit, dass die Nachfolger die vielen noch anstehenden Kleinigkeiten in Angriff nehmen und die Organisation am Turniertag stemmen.

Was machen die Schomanns künftig?

Schomann: Wir werden uns jetzt mehr unseren Hobbys, der Familie und den Freunden widmen. Allein die Enkelkindern werden uns da schon auf Trap halten. Neben dem Skifahren stehen mehrere Radtouren auf der Agenda. Hier in Deutschland gibt es sehr viele schöne ­Flecken, die es zu entdecken gilt.

Mit dem Fußball ist ganz Schluss?

Schomann: Natürlich nicht. Mein Interesse ist ungebrochen. Punktuell werde ich, wenn es passt, den Anfragen von meinen ehemaligen Kollegen, das eine oder andere Spiel in der 1., 2. oder 3. Liga wie auch den Junioren-Bundesligen zu beobachten oder an Trainerprüfungen teilzunehmen, nachkommen. Hier und da mal beratend tätig zu sein, kann ich mir auch vorstellen. Etwas regelmäßig Wiederkehrendes kommt für mich nicht mehr infrage. Ich war 40 Jahre lang ein Vagabund im Dienste des Fußballs. Das reicht.

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