Tischtennis: DJK BW Greven Kein Boom wie bei Bumm-Bumm-Boris

Greven -

Der deutsche Tischtennis ist in der Weltspitze angekommen – wird in Greven aber nur am Rande wahrgenommen.

Von Sven Thiele
Stephan Bothe schlägt für die DJK in der Verbandsliga auf. Trotz des relativ hohen Niveaus fristet die Sportart Tischtennis in Greven aber eher ein Dasein im Schatten der Öffentlichkeit.
Stephan Bothe schlägt für die DJK in der Verbandsliga auf. Trotz des relativ hohen Niveaus fristet die Sportart Tischtennis in Greven aber eher ein Dasein im Schatten der Öffentlichkeit. Foto: Bamberg

Das deutsche Tischtennis ist international so stark wie lange nicht mehr. Seit Anfang dieses Jahres steht zum ersten Mal seit sieben Jahren kein Chinese an der Spitze der Weltrangliste. Mit Dimitrij Ovtcharov ist es ein deutscher Athlet, der die Vorherrschaft der Asiaten zumindest für den Moment beendet hat. Und er ist nicht einmal der einzige deutsche Tischtennis-Star. Schließlich gibt es auch noch Timo Boll. Er war es nämlich, der 2011 zum letzen Mal als Europäer die Weltranglistenführung übernommen hatte.

Doch während es um die Spitze bestens bestellt ist, scheint die Sportart in der Breite längst nicht so von ihren Zugpferden zu profitieren, wie es einst im Tennis war, als der Wimbledon-Erfolg von Boris Becker einen regelrechten Boom ausgelöst hatte. Davon jedenfalls ist auch Stephan Bothe überzeugt. Der Verbandsligaspieler der DJK meint: „Für die Sportart ist das natürlich eine tolle Geschichte, mit einem Boom rechne ich jedoch nicht.“

Die Realität sieht nämlich so aus: Die Tischtennisvereine in Deutschland verlieren seit Jahren kontinuierlich Mitglieder. 2017 waren es noch rund 553 000. Stephan Bothe verfolgt die regionale Szene seit Jahrzehnten. Bevor er sich der DJK anschloss, schlug er unter anderem für Borussia Münster in der Regionalliga auf. Zur Veranschaulichung gibt es ein Beispiel aus seiner Jugendzeit: „Das waren ganz andere Dimensionen. Bei Kreismeisterschaften gab es im Jugendbereich 128er-Felder. Heute ist man zufrieden, wenn 25 bis 30 teilnehmen.“

Mit dieser Entwicklung steht das Tischtennis freilich nicht alleine da. Nahezu alle Verbände klagen über rückläufige Zahlen. Allein der Fußball ist davon verschont. Er profitiert dabei von seiner Dauerpräsenz im Fernsehen. Wer Tischtennis sehen will, schaut dagegen in die Röhre. „Viele Sportarten tun sich mittlerweile schwer, weil lieber noch ein viertklassiges Fußballspiel übertragen wird als Tischtennis, Tennis, Volleyball oder Handball“, glaubt Stephan Bothe, dass die Politik der Fernsehanstalten nicht ganz unschuldig ist an dem Trend zu einer Monokultur im Sport.

Zudem gibt es bisweilen auch handfeste Schwierigkeiten vor Ort. Die DJK mit ihren fünf Herren-, einer Jugend- und einer Schülermannschaft kann sich über Zuspruch eigentlich nicht beklagen. Alleine es fehlen die benötigten Hallenkapazitäten. Gäbe es einen Boom, einen größeren Zuspruch könnte der Verein nicht bewerkstelligen, mangels Zeiten. Seit Jahren beißt sich die DJK die Zähne aus mit der Bemühung, von der kleinen Martinihalle in die deutlich größere Emssporthalle umzuziehen. Ein Umstand, der Bothe ärgert, glaubt er schließlich nicht, dass es an Hallen für den Vereinssport fehlt. Eher mangelt es aus seiner Sicht am Management.

Ich glaube, es fehlen intelligente Lösungen, wie Zeiten in Sporthallen belegt werden.“ Wenn also die Nummer eins im Tischtennis aus Deutschland kommt, dann ist das nicht vielmehr als eine schöne Momentaufnahme. Die Sportart fristet dagegen hierzulande ein Randdasein.

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