Leichtathletik: Olympische Sommerspiele in Rio Das Supertalent: Olympionikin Friederike Möhlenkamp zu Gast in der Heimat

Saerbeck -

Olympia – ein Traum, den viele Sportler hegen. Die Saerbeckerin Friederike Möhlenkamp (23) hat sich diesen Traum erfüllt – mit der 4x400-Meter-Staffel qualifizierte sie sich für die Sommerspiele in Rio. Am Dienstag wurde „die Botschafterin“ Saerbecks nun für ihre Verdienste geehrt.

Von Ulrich Schaper
Die doppelte Möhlenkamp: von ihrem Unterstützer, der Firma Saertex, gab es für die Leichtathletin während der Feierstunde ein lebensgroßes Konterfei als Präsent – von Bürgermeister Wilfried Roos eine Ehrenmedaille der Stadt und Blumen.
Die doppelte Möhlenkamp: von ihrem Unterstützer, der Firma Saertex, gab es für die Leichtathletin während der Feierstunde ein lebensgroßes Konterfei als Präsent – von Bürgermeister Wilfried Roos eine Ehrenmedaille der Stadt und Blumen. Foto: Ulrich Schaper

 Jetzt ist es raus: Die Tartanbahn in Saerbeck ist nur wegen Friederike Möhlenkamp gebaut worden. Es ist also eine Frage der Zeit, bis das Stadion an der Lindenstraße konsequenterweise dann auch diesen Namen tragen wird. Die Leichtathletin wäre damit in guter Gesellschaft und würde sich einreihen, in eine ganze Riege bekannter Persönlichkeiten: Fritz Walter, Ulrich Haberland und Gottlieb Daimler zum Beispiel.

Die „Curtis Sorbecke“ als Anerkennung für die Verdienste

Das alles war natürlich nur ein Scherz von Saerbecks Bürgermeister Wilfried Roos . Was er mit seinem Ausflug nach Utopia eigentlich zum Ausdruck bringen wollte, war die Wertschätzung für die überragende Leistung der Saerbecker Olympionikin . Im Rahmen einer kleinen Feierstunde in den Räumen der Firma Saertex würdigte er Möhlenkamps Verdienste für den Ort und überreichte – wie im Sport so üblich – eine Medaille. Die „Curtis Sorbecke“ erhält, wer sich in besonderem Maße für Saerbeck verdient gemacht hat.

Zwei Wochen Erholung bei den Eltern

Wie verbunden die 23-Jährige ihrer Heimat immer noch ist, lässt sich unschwer erkennen: Nach ihrem turbulenten Wettkampfjahr, mit dem Highlight, der Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro, zog sie sich anschließend für zwei Wochen in die Klimakommune zurück und suchte Erholung bei ihren Eltern.

„Die ganze Anspannung ist von mir abgefallen“, erinnert sich Möhlenkamp. Man könne es nur schwer nachvollziehen, wie intensiv dieses Jahr tatsächlich gewesen ist. Der stetig steigende Druck, die greifbare Möglichkeit, der Olympia-Qualifikation, unzählige Trainingsstunden, Entbehrungen, Erschöpfung, Reisen, Reisen, Reisen, die gelungene Qualifikation und dann der Start am Zuckerhut.

„Gefühlt ist das alles schon eine Weile her. Darauf angesprochen flammt das aber sofort wieder in einem auf“, sagt die 23-Jährige. „Die positiven Gefühle sind zurück. Man erinnert sich an diese wenigen Sekunden auf der Bahn. An den Lärm im Stadion und dann an dieses tolle Rennen.“

Ihre Familie ließ es sich nicht nehmen, das Rennen live im Stadion zu verfolgen. Und natürlich: Peter Seiffert. Der Falke-Trainer hat Möhlenkamp zehn Jahre lang begleitet, bevor sie in die Trainingsgruppe von Andreas Gentz zur LT DSHS Köln wechselte. „Er hat wahrscheinlich die entscheidenden Weichen für diesen Erfolg gestellt“, vermutet Möhlenkamp. Anders als andere Leichtathleten durchlief die Saerbeckerin nicht die klassische Ausbildung, bestehend aus Springen, Werfen, Laufen. Sie begann bei einem kleinen Lauftreff – geleitet von Seiffert. Er entdeckte ihr Lauf-Talent und zusammen entwickelten sie sich weiter. Seiffert zum leistungsorientierten Trainer, sie zu einer nationalen Spitzenathletin.

„Wir haben viel zusammen erlebt. Diesen Moment in Rio , den wollte ich vor Ort miterleben“, sagt der Falke-Trainer, der nicht verhehlen mochte, dass ihm die „ein oder andere Träne“ gekommen sei.

Nur zu gerne hätte Möhlenkamp noch mehr von den Olympischen Spielen, noch mehr von Rio de Janeiro in sich aufgesogen. Der Terminplan aber machte ihr und ihren Staffelkolleginnen einen Strich durch die Rechnung. „Wir waren ja am vorletzten Wettkampftag dran. Wir mussten die Spannung hochhalten“, sagt sie. „Für ein Hockeyspiel hat es gereicht und für einen Besuch am Zuckerhut und beim Christo.“

Was bleibt ist der Stolz

Was bleibt ist ganz viel Stolz über eine famose Leistung – und, das sagt sie augenzwinkernd, jede Menge Fanpost. „Der Zuspruch ist überwältigend. Ich werde jede Nachricht beantworten – ich fürchte nur, das wird noch ein bisschen Zeit in Anspruch nehmen.“

Übrigens: Ein Angebot von Roos, das Stadion nun doch endlich nach ihr zu benennen, hat sie bislang noch nicht unter den geöffneten Briefen gefunden.

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