Fußball: Bezirksliga Der Nächste, bitte: Greven 09 entlässt Trainer Fraundörfer

Greven -

Nach acht Pflichtspielen in der laufenden Spielzeit, endet die Zusammenarbeit des SC Greven 09 und seines Trainers Thomas Fraundörfer. Mit ihm geht auch Co-Trainer Stefan Beckmann. Das teilte der Verein am Freitag in einer offiziellen Stellungnahme mit.

Von Ulrich Schaper
Thomas Fraundörfer betrachtet das Spielgeschehen vom Seitenrand. Seine Amtszeit endete am vergangenen Dienstag.
Thomas Fraundörfer betrachtet das Spielgeschehen vom Seitenrand. Seine Amtszeit endete am vergangenen Dienstag. Foto: Ulrich Schaper

Im Januar hatte das Trainergespann das akut abstiegsgefährdete Team übernommen und den Klassenerhalt in der Bezirksliga gesichert. Zehn Monate später nun befindet sich das Team als Tabellenletzter in einer ähnlich prekären Lage, weshalb die Club-Führung offenbar zu der Erkenntnis gelangte, dass der Patient 09 nur durch eine Notoperation in Form eines Trainerwechsels geheilt werden kann.

Andreas Sommer wird ab sofort die Verantwortung an der Seitenlinie übernehmen und am 23. Oktober auf der Bank sitzen, wenn das Schlusslicht bei der Reserve des 1. FC Gievenbeck gastiert. Sommer ist langjähriger Jugendtrainer in der Schöneflieth und hat das Team in der vergangenen Saison bereits als Co-Trainer betreut. Torwarttrainer Michael Rohe bleibt der Mannschaft erhalten, neu im Trainerstab ist Till Kösters.

Prekäre Lage erfordert Notoperation

Als Grund für die Trennung nennt der Verein die berufliche Situation des Trainergespanns – beide Trainer sind im Dienst der Polizei. „In den vergangenen Wochen wurde es für Thomas Fraundörfer und seinen Co-Trainer Stefan Beckmann immer schwieriger, Beruf und Trainertätigkeit beim SC Greven 09 zu vereinbaren“, heißt es in dem Schreiben des Vereins. Der Sportliche Leiter Harald Peppenhorst präzisiert: „Alleine in den zurückliegenden 14 Tagen haben vier verschiedene Trainer die Übungseinheiten geleitet – das ist in unserer derzeitigen Situation nicht tragbar.“ Ein Team, das oben mitspielt, könne das vielleicht verkraften, aber als Schlusslicht fehle dazu einfach die Konstanz. Man habe sich schon seit einiger Zeit mit der Situation beschäftigt und nun die Konsequenzen gezogen. „Die Ergebnisse, das Gesamtbild – das geht so nicht“, sagt Peppenhorst.

Das Gesamtbild passt nicht

Bereits am Dienstag erhielt Fraundörfer die Nachricht seiner Entlassung. Geschockt sei er gewesen. „Mich hat das völlig überraschend getroffen. Damit habe ich nicht gerechnet“, sagt der Übungsleiter, der in der Rückrunde der Saison 2015/2016 bewiesen hatte, dass er unter schwierigen Bedingungen erfolgreich arbeiten kann. „Zuletzt war ein Aufwärtstrend erkennbar. Ich hätte es Stefan und mir zugetraut gemeinsam mit der Mannschaft den Klassenerhalt zu schaffen.“ Er hätte sich zudem gewünscht, dass man gemeinsam nach einem Lösungsweg gesucht hätte. Das sei nicht passiert. Er räumt ein, dass „die berufliche Belastung in den vergangenen Wochen sehr hoch gewesen ist“, verwehrt sich jedoch gegen den Vorwurf, dass die magere Punkteausbeute mit dem Fortbleiben des Trainerteams zu tun habe.

Fraundörfer zeigt sich geschockt

„Für die beiden ist das bitter, ich kann ihre Enttäuschung verstehen“, sagt Harald Peppenhorst. „Für den Verein aber ist es die einzig richtige Lösung.“ Die Entscheidung sei geschlossen von den Entscheidungsträgern getroffen worden; die Mannschaft indes habe sich für einen Verbleib des Trainerduos ausgesprochen.

Kommentar: Entscheidende Personaldebatten

Das Kartenhaus, das beim SC Greven 09 mit zittrigen Händen aufgebaut worden war, ist mit der Entlassung des Trainerteams Fraundörfer/Beckmann zusammengestürzt. Mit großem personellen Aufwand schafften die beiden den Klassenerhalt. Schon nach wenigen Spieltagen befindet sich die Mannschaft nun erneut im Abstiegskampf. Das 0:7-Fiasko gegen Wettringen war der vorläufige Tiefpunkt. Ein Grund: Erneut musste ein Trainer (wie der im Winter entlassene Andrea Balderi) mit großem personellen Notstand arbeiten, erneut konnten abgewanderte Leistungsträger nicht adäquat ersetzt werden. Zwangsläufig muss der Verein über Neuverpflichtungen in der Winterpause nachdenken.Es hat den Anschein, als habe man für den Moment keine klare Vorstellung, wie es weitergehen soll. Nur in der Personalie Fraundörfer waren sich die Verantwortlichen offenbar einig, dass er nicht der Richtige ist. Man wünscht ihnen ein glückliches Händchen – in jedweder Personalfrage.

Der neue Übungsleiter Andreas Sommer genießt in den Reihen der 09er hohe Anerkennung, die Frage nach einem neuen Cheftrainer ist damit vom Tisch, wie Abteilungsleiter Frank Blom mitteilt. „Andreas ist keine Übergangslösung sondern der Wunschtrainer für die aktuelle Bezirksliga-Saison.“ Das bestätigt auch der Sportliche Leiter: „Er ist einer der besten Trainer, die wir bei Greven 09 hatten und haben. Ein Taktikfuchs, den wir in dieser Situation gebrauchen können.“

Kein Interimstrainer, sondern Wunschlösung

Sommer selbst sollte in der ursprünglichen Konstellation wieder mit Fraundörfer und Beckmann zusammen an der Seitenlinie stehen. Als die beiden nun beurlaubt wurden, rückte er in die erste Reihe. „Ich habe mir das natürlich kurz überlegen müssen. Der Verein liegt mir aber sehr am Herzen, da will ich niemanden hängen lassen“, sagt der neue Übungsleiter, der sich noch einmal wertschätzend über die Arbeit von Thomas Fraundörfer äußert. „Ich glaube, Thomas hat mit den vielen Verletzten einfach Pech gehabt. Er hat nie die Mannschaft aufs Feld schicken können, die er wollte, war immer gezwungen zu improvisieren. Hier und da ein bisschen Pech – und schon rutschst Du da unten rein.“ Von der Qualität der Einzelspieler ist Sommer ebenso überzeugt wie Fraundörfer. Es seien nun Mosaiksteinchen, die er bewegen müssen, um ein stimmiges Bild zu schaffen.

Dank für das scheidende Trainer-Duo

Wie auch schon bei Andrea Balderi – mit dem 09 den Aufstieg feiern durfte – vergisst der Verein nicht, wem er es zu verdanken hat, dass er noch in der Bezirksliga spielen darf: „Der Verein dankt Thomas Fraundörfer und Stefan Beckmann für deren Einsatz, insbesondere für die Leitung der Mannschaft in der Rückserie der vergangenen Saison, die Grundlage für den Klassenerhalt war und wünscht beiden für die Zukunft alles Gute“, heißt es in der Stellungnahme abschließend.

http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4370136?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686209%2F2686793%2F