Fußball: 3. Liga Grimaldi und Kittner gehen jetzt bei Preußen Münster voran

Münster -

Erstmals mit Trainer-Routinier Benno Möhlmann tritt der SC Preußen Münster am Samstag (14 Uhr) zum ersten Drittliga-Punktspiel bei den Sportfreunden Lotte an. Und es gibt weitere Neuerungen bei den Adlerträgern, die dringend punkten müssen.

Von Thomas Rellmann
Ole Kittner (r.), der gebürtige Münsteraner, wurde erst im August verpflichtet, trägt aber in Lotte schon die Binde in Abwesenheit des neuen Kapitäns Adriano Grimaldi. Der bisherige Vize fehlt noch wegen einer Verletzung.
Ole Kittner (r.), der gebürtige Münsteraner, wurde erst im August verpflichtet, trägt aber in Lotte schon die Binde in Abwesenheit des neuen Kapitäns Adriano Grimaldi. Der bisherige Vize fehlt noch wegen einer Verletzung. Foto: Markella Moraki

Die vielen auf ihn gerichteten Kameras werden Benno Möhlmann nicht mehr aus der Fassung bringen. Schließlich ist es bereits das elfte Mal, dass der 62-Jährige eine Cheftrainer-Stelle im Profibereich antritt. Trotzdem ist das eine besondere Situation, auch für den routinierten Mann, wenn er am Samstag (14 Uhr) mit Preußen Münster bei den Sportfreunden Lotte antritt. Denn die 3. Liga ist für ihn Neuland und seine Mission nicht von Pappe.

Neuer Kapitän: Torjäger Grimaldi

Es geht um nicht weniger, als einen ins Straucheln geratenen Traditionsclub mit einer ziemlich verunsicherten Mannschaft aus dem Tabellenkeller, weg von den Abstiegsplätzen zu führen. Einen Mix aus „Neugier, Anspannung, vielleicht auch Nervosität“ erwartet er bei sich. Punkt drei sollte vor allem bei seinen Schützlingen nicht auftreten. Um das Gefüge zu stärken, griff Möhlmann am Donnerstag in einer langen Teamsitzung zu einem nicht unüblichen Mittel. Er ließ den Mannschaftsrat neu wählen. Heraus kam ein Gremium bestehend aus Ole Kittner, Benjamin Schwarz, Adriano Grimaldi, Amaury Bischoff und Michele Rizzi.

Den neuen Kapitän bestimmte der Trainer dann selbst: Torjäger Grimaldi. Der Stürmer muss nach seinem Muskelfaserriss noch passen, sodass sein Vertreter Kittner in Lotte die Binde trägt – und das, nachdem er vor zweieinhalb Monaten noch vereinslos war. Der Coach erläutert seine Maßnahme so: „Ich habe ja gesagt, dass ich das Miteinander verbessern will. Nach einigen Monaten kennen sich die Jungs mittlerweile besser als noch im Sommer. Und ein Spielführer ist ja für die Mannschaft, nicht für den Coach.“ Rizzi, der bisherige Amtsinhaber, habe die Entscheidung sehr angenehm aufgenommen. Ab und an schien es, als sei die Aufgabe für den Neuzugang durchaus eine Bürde.

Ein weiterer Möhlmann-Kniff:

Nach einer Einheit am Freitagnachmittag ging es mit dem Bus in ein Hotel bei Lotte, auch wenn die Strecke locker am Spieltag hätte bewältigt werden können. Auch eine weitere Sitzung lag dort an. In der wies der Coach unter anderem auf den besonderen Stil des Gastgebers, den er im August zufällig beim 3:0-Sieg in Bremen beobachtete, hin. „Klar, die Sportfreunde testen anfangs aus, wie weit sie gehen können. Aber das werde ich nicht so hoch hängen. Ich weiß, dass da eine eingespielte Mannschaft im besten Fußballeralter wartet. Aber ansonsten müssen wir zusehen, dass wir unser eigenes Ding machen.“

Mangafic und Danilo Wiebe grippegeschwächt

Wenig bis gar nichts ließ sich Münsters Hoffnungsträger dagegen zu Personal, Taktik und System entlocken. „Das wäre ja nicht schlau, wenn ich jetzt alles preisgeben würde“, merkte er nachvollziehbarer Weise an. Nur soviel: Denis Mangafic und Danilo Wiebe fehlen grippegeschwächt nach wie vor, Cihan Özkara ist nicht mehr generell außen vor.

„In dieser Woche waren die Abläufe in unseren Spielformen nicht sehr fehlerbehaftet, daher können wir zuversichtlich in die Partie gehen“, sagt Möhlmann. Und auch die Tatsache, dass die Preußen bisher komplett ohne Auswärtspunkt sind, sei für ihn nebensächlich.

► SCP: Schulze Niehues – Tritz, Kittner, Mai, Al-Hazaimeh – Rizzi, Schwarz – Tekerci, Bischoff, Jordanov – Rühle


Der Gegner im Check: SF Lotte

Die Ausgangslage: Lotte startete furios als Neuling, war nach acht Spielen noch Erster. Es folgten zwei Niederlagen und zuletzt ein 1:1 in Aalen. Mit dem aktuellen vierten Platz liegen die Sportfreunde noch weit über ihrem Soll. Ihre aggressive Spielweise funktioniert auch eine Etage höher.

Das Personal: Alexander Hettich braucht noch Zeit, der giftige Anheizer Tim Wendel ist gelb-rot-gesperrt. Nico Granatowski ist wieder ein Thema für den Kader, Tim Gorschlüter vielleicht sogar für die Startelf. Hinten rechts ist Ex-Münsteraner Alexander Langlitz gesetzt, David Buchholz ist Ersatzkeeper.

Der Trainer: Die Story von Ismail Atalan, einst beim SCP, dann Kreisliga-Trainer in Gievenbeck und heute Shootingstar der Szene, ist hinreichend erzählt. In Münster ist seine Handschrift nicht verborgen geblieben. Insgeheim wurde er schon als Coach der Zukunft gehandelt.

Das Kuriosum: Manfred Wilke, der Allesmacher, Sponsor und Sportchef, nennt sich weiterhin Obmann, wie einst zu Landesliga-Zeiten. Der Vereinspatron hat den Weg aus den Amateurfußball-Niederungen zum Proficlub geebnet.

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