Fußball: Kommentar Ein langer Weg zum Preußen-Märchen

Münster -

Das war ein starkes Stück, das der SC Preußen da ablieferte. Die Visionen sind klar und ambitioniert, die neuen Kräften bringen Know-how und Beziehungen mit. Da kann was entstehen. Doch zunächst müssen die sportlichen Hausaufgaben erledigt werden. Ein Kommentar.

Von Ansgar Griebel
Walther Seinsch (r.) und Christoph Strässer. 
Walther Seinsch (r.) und Christoph Strässer.  Foto: Jürgen Peperhowe

Es ist der Tag der ­Visionen: Der SC Preußen Münster hat sein Team benannt, mit dem in der Fußball-Provinz zum Aufbruch geblasen werden soll. Aufsichtsratschef Fabian Roberg hat als Unternehmer beste Kontakte zur münsterischen Wirtschaft, im Präsidium sitzt mit Walther Seinsch ein Mann, der in Augsburg bereits ein Fußballmärchen hat wahr werden lassen. Ihm steht beratend Christoph Metzelder zur Seite, dessen Fußball-Vita die große Brücke schlägt zwischen dem SC Preußen und Real Madrid. Und mit dem Präsidenten Christoph Strässer hat der SCP jetzt auch den wichtigen Draht zur lokalen Politik und damit zur Stadt Münster gespannt, der in der Vergangenheit so oft schmerzlich vermisst wurde.

Wohin das Ganze führen soll, machte Seinsch klar, als er den SC Preußen in eine Reihe stellte mit Clubs wie Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen. Mit Bayern München dürfe man sich nicht vergleichen – immerhin. Ja, es lag viel Fantasie in der Luft an diesem Donnerstagnachmittag, der vielleicht einmal als Geburtsstunde einer Preußen-Erfolgsstory in die Vereinschronik eingehen könnte – wenn der Fußball denn so einfach wäre. Ist er aber nicht, und Augsburg ist nicht Münster – auch wenn es tatsächlich vergleichbare Ausgangs­positionen gibt. Mit ihren gebündelten Kräften kann diese Riege in Münster viel bewegen – aber sie kommt dennoch keinen Schritt weiter, wenn nicht auch auf dem Platz Taten folgen. Denn aktuell steht die Vision von einem erstklassigen Umfeld der bitteren Realität eines bestenfalls drittklassigen Fußballs gegenüber.

Wenn Münster den langen Weg aus der Bedeutungslosigkeit ernsthaft angehen will, dann müssen die meisten und vor allem die ersten Schritte auf dem Rasen gemacht werden. Es ist ein spannender Plan, der mit einer weisen Trainerwahl und drei Punkten am Samstag gegen den SV Wehen Wiesbaden beginnen muss. Die große Zukunft liegt noch in weiter Ferne, vielleicht aber hat sie gerade begonnen.

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