Fußball: 3. Liga Abschied und Neustart beim SC Preußen Münster

Münster -

Horst Steffen verließ um 9.39 Uhr das Vereinsgelände des SC Preußen Münster – nach neun Monaten endete seine Dienstzeit. Wenige Minuten später führte Interims-Trainer Cihan Tasdelen die Mannschaft erstmals auf den Trainingsplatz. So ganz glücklich war an diesem Mittwoch aber niemand ...

Von Ansgar Griebel
Cihan Tasdelen hat ab sofort das Sagen auf dem Trainingsplatz. Am Mittwoch leitete er die erste Trainingseinheit, am kommenden Sonntag könnte der erste Pflichtspieleinsatz folgen.
Cihan Tasdelen hat ab sofort das Sagen auf dem Trainingsplatz. Am Mittwoch leitete er die erste Trainingseinheit, am kommenden Sonntag könnte der erste Pflichtspieleinsatz folgen. Foto: Jürgen Peperhowe

Als Horst Steffen am Mittwochmorgen seine letzten Amtsgeschäfte in Münster erledigte, tat er das schon nicht mehr in offizieller Funktion. Um 9.19 Uhr fuhr er vor der Haupttribüne des Preußenstadions vor und umfuhr dabei weiträumig den mit „Cheftrainer“ gekennzeichneten Parkplatz.

Am Dienstagnachmittag war der 47-Jährige von eben diesem Amt beim SC Preußen Münster freigestellt worden, am Mittwoch blieb nur noch die kurze Verabschiedungsrunde bei seinen Spielern, die sich in der Kabine auf die erste Trainingseinheit mit Interimstrainer Cihan Tasdelen vorbereiteten.

Um 9.39 Uhr hatte Steffen alles gesagt, bedankte sich formvollendet und gewohnt freundlich bei allen Anwesenden für die gute Zusammenarbeit und verschwand endgültig vom Preußengelände.

„Irgendetwas kann bei uns ja nicht gestimmt haben“

Gleichzeitig weilte Club-Präsident Georg Krimphove noch in der Kabine und sprach zur Mannschaft. Eindringlich und nachdrücklich, wie er im Anschluss zusammenfasste. Um Malochermentalität sei es gegangen, um die Einstellung zur Arbeit und um die Grundtugenden soliden Fußballs. „Irgendetwas kann bei uns ja nicht gestimmt haben“, sagte Krimphove, der nicht wirklich überzeugt schien, den richtigen Mann vom Hof gejagt zu haben.

„Ich bin immer noch fest davon überzeugt, dass Horst Steffen ein sehr guter Trainer ist“, so Krimp­hove. Gleichzeitig ist der Trainer aber im komplexen Fußball-Getriebe auch die einzige Stellschraube, die in sportlichen Krisen schnell bedient werden kann. Dennoch: „Wir haben uns eventuell in dem einen oder anderen Spieler geirrt“, so Krimphove, „auch charakterlich: Irgendetwas ist in der Mannschaft nicht in Ordnung – und das haben wir uns alle an die Fahne zu heften.“

Preußen trennen sich von Trainer

Tasdelen ersetzt Steffen

Einen Plan B hatte die Clubführung vor der Demission des Cheftrainers offenkundig nicht in der Schublade. „Am Dienstagabend sind erstmals Namen von Kandidaten gefallen“, so Krimphove. „Wir werden den Markt in Ruhe sondieren. So lange genießt Cihan Tasdelen unser volles Vertrauen.“

Westfalenpokal

Tasdelen hatte derweil die Mannschaft zum ersten gemeinsamen Training auf dem Kunstrasen versammelt, am Wochenende wird er voraussichtlich auch den Ernstfall proben, wenn es in der zweiten Runde des Westfalenpokals gegen die Spielvereinigung Erkenschwick geht.

Ein wichtiges Spiel für den SC Preußen , der erstmals seit 2014 wieder in den lukrativen DFB-Pokal einziehen will – um dort Einnahmen zu erlösen, die die Vereinskasse nach der Freistellung von Horst Steffen dringender benötigt denn je. Nachdem zuletzt die Nachverpflichtung von Innenverteidiger Ole Kittner schon zu einer finanziellen Gratwanderung wurde, dürfte der Vertrag mit dem neuen Coach den Etat vollends überlasten.

„Aber was sollen wir machen. Einen Trainer brauchen wir, also müssen und werden wir das stemmen“, sagt der Präsident, der seinen Posten bekanntermaßen im Januar räumen wird. Schon jetzt dürften die künftigen starken Männer des Vereins mehr als beratend in die Entscheidungen eingebunden sein. Den schweren Job am Dienstagnachmittag und am Mittwochmorgen konnte und wollte Georg Krimphove jedoch noch niemand nehmen.

Große Betroffenheit auch bei den Spielern

„So etwas ist immer Sch...“, gestattete der 51-Jährige bei der zweiten Trainerentlassung seiner anderthalbjährigen Amtszeit einen tiefen Blick in sein Seelenleben. „Und bei Horst Steffen ist es besonders schlimm, weil er ,unser’ Trainer ist. Der Mann, den wir geholt haben und von dem wir immer noch viel halten. Diese Entscheidung hat mir einige schlaflose Nächte bereitet. Ich glaube, auch bei den Spielern eine große Betroffenheit gespürt zu haben, natürlich auch beim Trainer – und bei uns am allermeisten.“

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