Fraktionen beraten über Weberquartier-Zukunft „Neues Jahr, neues Glück“

Borghorst -

Das Weberquartier nimmt auf der politischen Agenda auch im neuen Jahr eine Spitzenposition ein. Aber wie und mit wem es weitergeht? Schulterzucken allenthalben. Stefan Albers als zuständiger Fachdienstleiter im Rathaus nennt es eine „Hängepartie“. Darum steckten die Fraktionsspitzen am Montagabend mit Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer und den Planungsexperten im Rathaus die Köpfe zusammen. Ein Beratungsergebnis lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor.

Von Axel Roll
Mit dem Plan des Architekten Helmut Mohr wurde das Bebauungsplanverfahren für das Kock-Areal eröffnet. Er hatte im Frühjahr 2016 große Zustimmung im Rat gefunden.
Mit dem Plan des Architekten Helmut Mohr wurde das Bebauungsplanverfahren für das Kock-Areal eröffnet. Er hatte im Frühjahr 2016 große Zustimmung im Rat gefunden. Foto: WKS-Entwurf

Übersichtlicher ist die Gesamtsituation um das Areal der Websäle I und II im neuen Jahr nicht geworden. Ganz im Gegenteil. Zum Jahreswechsel ist das Kaufangebot des Insolvenzverwalters an die Investoren Bollmann und Merkens ausgelaufen. „Ganz raus sind sie deswegen aber noch nicht“, betont Stefan Albers ohne näher in die Vertragsdetails gehen zu können. Der Datenschutz.

Vom Grundsatz her wollen die Geldgeber das Projekt Weberquartier nach wie vor verwirklichen. „Da steckt Herzblut, aber auch eine Menge Geld drin“, sagte Udo Merkens auf Anfrage dieser Zeitung. Rund eine halbe Million Euro seien bislang geflossen. Er setzt einige Hoffnung in die neuen Beratungen: „Neues Jahr, neues Glück.“ Für ihn nach wie vor unverständlich, dass es hakt: „Wir waren so nah am Ziel.“

Dazu hat Norbert Kerkhoff als CDU-Fraktionsvorsitzender eine durchaus differenzierte Betrachtungsweise. Er war es, der mit den Sozialdemokraten im Herbst die Notbremse gezogen und den städtebaulichen Qualifizierungswettbewerb vorgeschlagen hatte. An den Gründen dafür hält Kerkhoff weiter fest. „Wer nur die Industriebrache beseitigt sehen möchte, denkt zu kurz“, ist er überzeugt. Auf dem Filetstück nahe der Ortsmitte müsse ein städtebaulich anspruchsvoller Entwurf umgesetzt werden.

Nach den aktuellen Plänen werde dort aber ein sozialer Brennpunkt mit all seinen Problemen entstehen. Das damals zur Eröffnung des Bebauungsplanverfahrens von dem Architekten Helmut Mohr vorgelegte Konzept für das 25 000-Quadratmeter-Areal sei von der Ratsmehrheit, einschließlich CDU und SPD, begrüßt worden. Norbert Kerkhoff: „Damit haben die aktuellen Pläne von Bollmann und Merkens aber nichts mehr gemeinsam.“ Es sei immer mehr verdichtet worden, um den Profit für die Geldgeber zu erhöhen. Dabei, so Kerkhoffs Überzeugung, hätte die Mohr-Planung schon genug Gewinn abgeworfen. Nach den Vorstellungen des CDU-Fraktionschefs muss das Areal „vom Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplans aus neu entwickelt werden“. Der städtebauliche Qualifizierungswettbewerb sei das Mittel gewesen, die eingeforderte städtebauliche Güte auch tatsächlich umzusetzen.

Bevor allerdings gebaut werden kann, muss abgerissen werden. Und zwar möglichst zügig. Fachdienstleiter Stefan Albers: „Das vorliegende Rechtsgutachten lässt uns keine andere Wahl.“ Zur Erinnerung: Nach dem letzten Brand auf dem Websaal-Gelände hatte die Stadt einen Statiker bemüht, der die Alarmglocken läutete: Einsturzgefahr. Die befragten Rechtsanwälte hatten daraufhin gewarnt, dass jetzt abgerissen werden müsse, Zäune reichten als Sicherung nicht mehr aus. Bis es so weit ist, werden die Bauruinen kameraüberwacht. „Und trotzdem sind immer wieder Leute auf dem Gelände“, wundert sich Albers.

Warum die Stadt so plötzlich die Abbruchbirne schwingen möchte, nebenan, zum Beispiel entlang des Hospital-Parkplatzes, seit vielen Jahren ein stabiler Zaun reicht, beantwortet der Fachdienstleiter so: „Die dortige Situation hat bislang niemand rechtlich bewerten lassen.“ Nach dem Rechtsgutachten könne die Stadt nicht anders. Es müsse abgerissen werden. Und das möglichst schnell. „Sonst machen wir uns unglaubwürdig.“

In der interfraktionellen Runde am Montagabend wird der Abriss natürlich ein Thema gewesen sein. Mit den damit verbundenen Optionen, die auch schon öffentlich diskutiert wurden. Eine von vielen ungeklärten Fragen lautet: Wer zahlt den Abriss? Vermutlich nicht der Insolvenzverwalter. Am Ende muss wahrscheinlich die Stadt ihr Portemonnaie öffnen. 800 000 Euro sind als Abrisskosten ermittelt worden, wenn nur die baufälligen Gebäude beseitigt werden.

Das Abräumen des gesamten Areals würde 1,5 Millionen Euro kosten. Das könnte Sinn machen, wenn die Stadt das Grundstück erwirbt, um es später an einen Investor weiterzuverkaufen – der nicht unbedingt Bollmann/Merkens heißen muss.

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