Websaal kann erst abgerissen werden, wenn seltene Tiere ausgezogen sind Lichtscheue Gesellen

Borghorst -

Auf dem Gelände der Websäle I und II werden die ersten Fakten geschaffen. In der übernächsten Woche wird das Fabrikgebäude neben dem Schützenhof abgebrochen, wie die Stadtverwaltung mitteilt. Mehr wird auf dem Kockschen Areal in diesem Jahr nicht stattfinden, der Totalabriss soll zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Der Abbruch der Websaal-Halle steht unmittelbar bevor. Vorher müssen allerdings die tierischen Bewohner vertrieben werden.
Der Abbruch der Websaal-Halle steht unmittelbar bevor. Vorher müssen allerdings die tierischen Bewohner vertrieben werden. Foto: Linda Braunschweig

Ganz so einfach ist das Einreißen der Mauern aber wohl nicht. Offensichtlich ist die baufällige Fabrikhalle im Laufe der Jahre Heimat von schützenswerten tierischen Untermietern geworden, die erst aus dem Bau vertrieben werden müssen, ehe der Abbruchbagger kommen darf. Außerdem – die Nachbarn können sich jetzt schon mal Ohropax besorgen – wird der Abbruch nachts über die Bühne gehen, weil die seltenen Websaal-Bewohner dann aushäusig sind.

Welche Arten in dem Gemäuer wohnen, dazu wollte Stefan Albers als zuständiger Fachdienstleiter im Steinfurter Rathaus auf Anfrage keine Angaben machen. Es handle sich um sogenannte „planungsrelevante Tierarten“, wie Albers sagt. Um nicht unnötig das Interesse auf die Tiere zu lenken, sei er zum Schweigen verpflichtet.

Bei den Viechern muss es sich um lichtscheues Gesindel handeln. Ab kommendem Montag wird die Ruine nämlich eine Woche lang jede Nacht mit Scheinwerfern ausgeleuchtet. In Fachkreisen heißen solche Aktionen „Vergrämungsmaßnahmen“. Die Tiere sollen sich, so die Hoffnung der Planer, durch so viel Licht gestört fühlen und umziehen in andere Quartiere. Das soll übrigens ausdrücklich nicht für die Nachbarschaft gelten. Darum werden die Strahler so ausgerichtet, dass die Anlieger möglichst nicht gestört werden. Lärm wird sich hingegen kaum vermeiden lassen, wenn nächtens die Halle eingeebnet wird.

Bleibt die Frage zu beantworten, welche seltene Tierart einen derart hohen Aufwand inklusive Störung der Nachtruhe rechtfertigt. Nun, Ratten und Mäuse sind es garantiert nicht. Wen zieht es sonst noch in alte Gemäuer, nutzt den Tag zum Abhängen und die Nacht zum Jagen? Da bleibt nicht mehr viel. Der Verdacht liegt nahe, dass es Fledermäuse sind. Erfahrungen hat Steinfurt in dieser Hinsicht schon gesammelt. Beim Bau des Stadions an der Liedekerker Straße war sie verpflichtet worden, die Mopsfledermaus bei Laune zu halten.

Die Schutzmaßnahmen für die Websäle sind jedenfalls „fachgutachterlich bewertet“ und mit der Unteren Landschaftsbehörde abgestimmt worden, heißt es.

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