Gerhard Steinorth ist 65 Jahre Mitglied der SPD Ohne SPD-Parteibuch gab‘s den Job

Borghorst -

Es ist wohl so wie in einer Ehe. Es gibt gute und schlechte Jahre. Manchmal läuft es in der Beziehung auch so mies, dass der Partner kurz davor ist, „die Flinte ins Korn zu werfen“, wie es Gerhard Steinorth nennt. Das war bei ihm der Fall, als Franz Müntefering die Mehrwertsteuererhöhung auf 19 Prozent mitmachte. „Da wäre ich beinahe ausgetreten.“ Letztlich hat es Steinorth dann aber doch nicht übers Herz gebracht. Und so ist der 89-Jährige jetzt stolze 65 Jahre Mitglied der SPD.

Von Axel Roll
Gerhard Steinorth (M.) ist 65 Jahre Mitglied der SPD. Nicht nur von der örtlichen Parteispitze wurde er dafür geehrt. Kleines Bild: Als jüngstes Ratsmitglied zog Gerhard Steinorth (obere Reihe, 2.v.r.) Ende der 50er Jahre unter Bürgermeister Fockenbrock in den Rat ein.
Gerhard Steinorth (M.) ist 65 Jahre Mitglied der SPD. Nicht nur von der örtlichen Parteispitze wurde er dafür geehrt. Kleines Bild: Als jüngstes Ratsmitglied zog Gerhard Steinorth (obere Reihe, 2.v.r.) Ende der 50er Jahre unter Bürgermeister Fockenbrock in den Rat ein.

Ehrungen hat es parteiintern für diese Treue reichlich gegeben. Sogar Sigmar Gabriel hat geschrieben. Er dankt dem ehemaligen Ratsmitglied für seine Aufbauarbeit im Borghorster Ortsverein sowie für seinen Einsatz für „Fortschritt, soziale Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt“. Und Gabriel freut sich, „Dich auch in Zukunft in unserer Mitte zu wissen“.

„So lange ich noch geradeaus denken kann, werde ich mich an den parteiinternen Diskussionen auch beteiligen“, verspricht Gerhard Steinorth . Sein Herz schlägt nämlich immer noch für die Politik. Für die große genauso wie für die kleine Lokalpolitik. Frank Müller als Vorsitzender des Ortsvereins weiß das. „Gerd sagt mir immer, dass wir die wichtigen Themen zu wenig diskutieren.“

Der Alt-Sozialdemokrat erinnert sich noch an die Zeiten, als sich die Borghorster Parteigenossen an jedem ersten Samstag im Monat zu einer Art politischen Stammtisch getroffen haben, um die grobe Linie festzulegen. Das war die Zeit, als Steinorth über die Gewerkschaft Kontakte zu den Sozialdemokraten bekam. Für den späteren Bauingenieur keine leichte Zeit. „ Es gab Arbeitgeber, die sagten Dir: Schmeiß‘ Dein Parteibuch weg, dann kannst Du bei mir anfangen.“

Trotzdem wurde die SPD in Borghorst in den 50er und 60er Jahren immer stärker. Gerhard  Steinorth war erst Schriftführer und rutschte dann Ende der 50er Jahre unter Bürgermeister Josef Fockenbrock über die Reserveliste in den Borghorster Rat. Der Bauausschuss hatte fünf Mitglieder. Heute sind es 19. „Damals waren die Mitglieder in der Regel Handwerker. Da wurde ganz anders diskutiert“, erinnert sich Gerhard Steinorth. „Und wenn es keine Einigung gab, ging man nachher ein Bier trinken. In der nächsten Sitzung war das Thema dann vom Tisch.“

In den Anfängen war der Kontakt der Genossen untereinander auch viel enger. „Damals kam der Kassierer noch nach Hause, um die Beiträge einzutreiben.“

Trotzdem gab es auch damals schon harte Zeiten. Spontan fällt Steinorth die kommunale Neugliederung Mitte der 70er Jahre ein. „Wir wollten ja unbedingt selbstständig bleiben.“ Das waren mitunter harte Auseinandersetzung. Oder die Zeit, als er als stellvertretender Bürgermeister für den erkrankten Franz Jessing von einem Termin zum nächsten musste. Besonders pikant auch der Kampf um den Bau des Hallenbades. Die Grundstücksfrage musste gerichtlich geklärt werden. Da klagte Gerhard Steinorth als SCP-Vorsitzender gegen die Stadt. Zeitgleich war er Ratsherr und stellvertretender Bürgermeister. Und gewann. Für so viel kommunalpolitisches Engagement gab es 1989 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Und jetzt den Brief von Sigmar Gabriel.

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